Wolfram ist selten. Westliches Wolfram ist noch seltener. Almonty Industries baut gerade das Geschäft auf, das genau diese Lücke füllen soll — und zwei harte Fristen machen den Zeitplan zum entscheidenden Faktor.
Die Aktie notiert bei 26,96 CAD, rund 460 Prozent über dem Niveau vor zwölf Monaten. Seit Jahresbeginn hat sie sich mehr als verdoppelt. Das spiegelt eine klare Marktüberzeugung wider: Wer Wolfram außerhalb Chinas produziert, sitzt an einem strategischen Hebel.
Halbleiter-Krise bis Juli
Zwei japanische Chemiekonzerne — Showa Denko Kanto und Central Glass — haben Samsung, SK Hynix und DB HiTek gewarnt. Ihre Bestände an Wolframhexafluorid, einem unverzichtbaren Ätzgas für 3- bis 7-Nanometer-Chips, könnten bis Juli 2026 kritisch knapp werden.
Der Grund liegt in Peking. China drosselte Ende 2025 seine Wolframexporte als Reaktion auf US-Zölle. Seit Januar 2026 dürfen nur noch 15 staatlich autorisierte Unternehmen liefern — Menge, Zeitpunkt und Empfänger bestimmt der Staat. Japanische Hersteller, die rund 25 Prozent des globalen Angebots abdecken, haben ihre koreanischen Halbleiterkunden bereits über mögliche Engpässe in der zweiten Jahreshälfte informiert.
Für Almonty ist dieser Engpass eine Marktöffnung.
Pentagon-Frist: Januar 2027
Die zweite Deadline kommt aus Washington. Ab Januar 2027 verschärft das US-Verteidigungsministerium die Beschaffungsregel DFARS 252.225-7052. Rüstungsunternehmen dürfen dann kein Wolfram mehr kaufen, das aus China oder Russland stammt, dort raffiniert oder verarbeitet wurde.
Das Problem: Die USA haben seit 2015 kein Wolfram mehr kommerziell abgebaut. Die Lücke ist real.
Almonty hat bereits reagiert. Das Unternehmen hat einen verbindlichen Liefervertrag mit Tungsten Parts Wyoming abgeschlossen — mindestens 40 Tonnen Wolframoxid pro Monat, als Rohstoff für Munition, Drohnen und Raketen.
Montana: Erste US-Produktion in Sicht
Um die Pentagon-Frist zu erfüllen, braucht Almonty US-Produktion. Das Unternehmen hat die Übernahme des Gentung Browns Lake Tungsten Project im Beaverhead County, Montana, abgeschlossen. Es ist die erste US-Operation des Konzerns.
Das Projekt enthält 7,53 Millionen Tonnen Ressourcen mit einem Gehalt von 0,315 Prozent Wolframtrioxid. Die geplante Jahresproduktion liegt bei rund 140.000 metrischen Tonneneinheiten. Almonty peilt die erste Produktion für die zweite Hälfte 2026 an — knapp vor dem Pentagon-Stichtag.
Sangdong: Flaggschiff und Finanzmotor
Das Herzstück bleibt die Sangdong-Wolframmine in Südkorea. Sie nahm im März 2026 den kommerziellen Betrieb auf. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 221 Prozent auf 25,4 Millionen US-Dollar. Die Kasse zeigt 259,9 Millionen US-Dollar, das Working Capital liegt bei 169,5 Millionen US-Dollar.
Anfang Juni hat Almonty Wandelanleihen im Volumen von 800 Millionen US-Dollar platziert — Kupon 2,25 Prozent, Laufzeit bis 2031. Zeichner haben ihre Mehrzuteilungsoption voll ausgeübt und damit 100 Millionen US-Dollar zum ursprünglichen Volumen addiert. Der Nettoemissionserlös beläuft sich auf rund 772,7 Millionen US-Dollar. Davon fließen rund 543 Millionen in Working Capital und allgemeine Unternehmenszwecke, der Rest stärkt die Sangdong-Mine direkt.
Phase 1 verarbeitet 640.000 Tonnen Erz pro Jahr. Phase 2, geplant für 2027, soll die Kapazität auf 1,2 Millionen Tonnen verdoppeln. Bei voller Auslastung könnte Sangdong rund 40 Prozent der weltweiten Wolframnachfrage außerhalb Chinas decken — bei einer Minenlebensdauer von über 45 Jahren.
Der Wolframpreis hat diese Perspektive bereits eingepreist. Der Benchmark-Kontrakt für Ammoniumparawolframat in Rotterdam stieg binnen zwölf Monaten von rund 920 auf zeitweise 3.185 US-Dollar je Tonneneinheit. Zuletzt notierte er bei etwa 3.040 US-Dollar.
Molybdän als Zusatzwette
Neben Wolfram entwickelt sich Sangdong zum Zweistoff-Hub. Almonty bohrt derzeit am benachbarten Sangdong-Molybdänprojekt. Von 26 geplanten Bohrlöchern über insgesamt rund 12.000 Meter sind bereits 37 Prozent abgeteuft. Die bisherigen Gehalte entsprechen historischen Ergebnissen.
Ein Abnahmevertrag mit SeAH, einem der größten südkoreanischen Industriekonzerne, sichert dem Projekt bereits einen festen Abnehmer. Molybdänpreise sind im vergangenen Jahr um rund 23,5 Prozent gestiegen.
Indexaufnahme und nächster Katalysator
Ab dem 29. Juni ist Almonty Teil des Russell 1000 und Russell 3000. Institutionelle Fondsmanager, die diese Indizes als Benchmark nutzen, müssen die Aktie nun aktiv beobachten. Das verbreitert die Aktionärsbasis und verbessert die Liquidität — für einen Titel mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von knapp 97 Prozent kein unwichtiger Faktor.
Einen konkreten nächsten Impuls liefert Almonty bereits in dieser Woche: Das Unternehmen will in der Woche ab dem 22. Juni ein Produktions-Update veröffentlichen. Wie nah Sangdong und Montana an den Planzielen liegen, wird zeigen, ob die Markterwartungen gedeckt sind — oder ob der Abstand zum April-Hoch von 33,35 CAD weiter wächst.
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