Zwei japanische Chemieunternehmen stoppen ab Juli 2026 die Produktion von Wolframhexafluorid — einem Gas, das für die Herstellung moderner Chips unverzichtbar ist. Samsung, SK Hynix und TSMC gehören zu den betroffenen Abnehmern. Für Almonty Industries, das seinen Sangdong-Komplex in Südkorea gerade zur kritischen Mineralienquelle für den Westen ausbaut, ist das Timing kaum zufällig.
Chip-Krise trifft den Rohstoff-Kern
Kanto Denka und Central Glass decken zusammen rund 25 Prozent der weltweiten Wolframhexafluorid-Kapazität. Das Gas ist essenziell für Chips unterhalb der 7-Nanometer-Grenze, für 3D-NAND-Speicher mit über 200 Schichten und für Hochbandbreitenspeicher. Ohne es stockt die Produktion.
Der Grund für den Rückzug: 60 bis 70 Prozent der Herstellungskosten entfallen auf hochreines Wolframpulver. Japan bezieht dieses Material fast ausschließlich aus China — und seit Peking Anfang 2026 die Exportkontrollen verschärft hat, sind die Lieferungen faktisch auf null gefallen.
Die Branche sucht Alternativen. Samsung setzt in einigen SSD-NAND-Produkten bereits auf Molybdän als Ersatzwerkstoff. SK Hynix prüft den Einsatz für künftige Hochlagen-NAND-Designs. Das rückt Sangdong in ein neues Licht.
Molybdän-Kampagne unter Hochdruck
Almonty hat am 16. Juni ein formelles Update zur Molybdän-Bohrung am Sangdong-Komplex veröffentlicht. Von 26 geplanten Bohrlöchern mit insgesamt rund 12.000 Metern sind bereits etwa 37 Prozent abgeteuft. Die bisherigen Gehalte entsprechen historischen Vergleichswerten.
Der Druck kommt auch von staatlicher Seite. Südkoreas Molybdän-Lagerbestände sind auf ein kritisches Niveau gefallen. Die Regierung hat öffentlich private Unternehmen aufgefordert, Versorgungsalternativen zu sichern. Almonty hat bereits einen Abnahmevertrag mit SeAH M&S geschlossen — Südkoreas größtem Molybdän-Verarbeiter und dem weltweit zweitgrößten Moly-Oxid-Schmelzer. Der Vertrag sichert 100 Prozent der Sangdong-Molybdänproduktion zu einem Mindestpreis von 19,00 US-Dollar je Pfund.
Der Molybdän-Spotpreis ist im vergangenen Jahr um rund 23,5 Prozent gestiegen. Das Erz liegt direkt neben der Wolfram-Flaggschiffmine.
800 Millionen Dollar als Rückenwind
Hinter der Zwei-Fronten-Strategie steht eine der größten Finanzierungen im Bereich kritischer Mineralien. Am 9. Juni 2026 schloss Almonty eine überzeichnete Wandelanleihe über 800 Millionen US-Dollar ab — netto rund 772,7 Millionen US-Dollar. Die Anleihe läuft bis Juli 2031, trägt einen Jahreskupon von 2,25 Prozent und ist zu etwa 27,40 US-Dollar je Aktie wandelbar. Das entspricht einem Aufschlag von 32,5 Prozent gegenüber dem Referenzschlusskurs vom 4. Juni.
Rund 83 Millionen US-Dollar fließen in sogenannte Capped-Call-Transaktionen, die Verwässerungseffekte für Bestandsaktionäre begrenzen sollen. Der Rest ist für Betriebskapital, allgemeine Unternehmenszwecke und mögliche Akquisitionen vorgesehen.
Zahlen bestätigen die Wende
Das erste Quartal 2026 lieferte den operativen Beweis. Der Umsatz stieg um 221 Prozent auf 25,4 Millionen CAD. Das bereinigte EBITDA lag bei 6,1 Millionen CAD — nach einem Verlust von 2,4 Millionen CAD im Vorjahreszeitraum. Die Kassenbestände beliefen sich zum 31. März auf 259,9 Millionen CAD.
Die Aktie hat diese Entwicklung vorweggenommen. Seit Jahresbeginn hat sie sich mehr als verdoppelt, über zwölf Monate beträgt das Plus rund 461 Prozent. Der Schlusskurs von 26,67 CAD am Freitag liegt knapp zwei Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt.
Russell-Aufnahme als nächster Katalysator
Am 29. Juni tritt Almontys Aufnahme in den Russell 1000 und Russell 3000 in Kraft. Passiv verwaltete Indexfonds müssen dann umschichten — ein strukturell erzwungener Kaufdruck in eine Aktie, die gerade erst vom Projektentwickler zum produzierenden Bergbauunternehmen aufgestiegen ist.
Ab Januar 2027 darf das US-Verteidigungsministerium kein chinesisches Wolfram mehr kaufen. Die USA haben das Metall seit 2015 nicht mehr kommerziell abgebaut. Sangdong ist damit nicht nur ein Bergbauprojekt — es steht an der Schnittstelle von Rüstungsbeschaffung, Chip-Lieferketten und westlicher Rohstoffpolitik.
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