Allianz vor der Belastungsprobe: Trägt die Analysten-Zuversicht über den Sommer hinaus?

Allianz-Aktie trotzt Gewinnrückgang und nähert sich Rekordhoch. Analysten streiten über Kursziele zwischen 325 und 465 Euro.

Auf einen Blick:
  • Kurs nahe 52-Wochen-Hoch
  • Analystenziele zwischen 325 und 465 Euro
  • Gewinnrückgang durch Restrukturierungskosten
  • Operatives Jahresziel von 17,4 Milliarden Euro

Ausgangslage

Die Allianz-Aktie notiert bei 442,30 Euro und damit nur knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 443,80 Euro. Der Kurs hat sich seit dem Halbjahresbericht vom vergangenen Freitag spürbar gefestigt, gestützt durch eine Serie von Kurszielanhebungen namhafter Investmentbanken.

Doch genau darin liegt die Frage, vor der Anleger jetzt stehen: Ist die aktuelle Bewertung noch eine Reaktion auf reale Geschäftszahlen, oder trägt sie bereits Erwartungen, die erst noch eingelöst werden müssen?

Der jüngste Kursschub fällt in eine Phase, in der die Analystenmeinungen deutlich auseinanderdriften. Während einige Häuser ihre Kursziele in den vergangenen Tagen kräftig angehoben haben, verweisen andere weiterhin auf strukturelle Schwächen im Konzernergebnis. Diese Kluft dürfte in den kommenden Wochen zum eigentlichen Prüfstein werden.

Die entscheidende Frage

Der zentrale Faktor, an dem sich die weitere Kursentwicklung entscheidet, ist die Diskrepanz zwischen dem robusten operativen Ergebnis und dem schwächeren bereinigten Konzerngewinn.

Reuters hatte berichtet, der Nettogewinn sei im zweiten Quartal wegen Restrukturierungskosten auf IT-Assets stärker gesunken als erwartet. Ob der Markt diesen Rückgang als einmaligen Sondereffekt abhakt oder als Vorbote weiterer Belastungen wertet, entscheidet darüber, ob die aktuelle Kursstärke Substanz hat.

Bullisches Szenario

Für die Optimisten spricht die Breite der jüngsten Analystenreaktionen. JPMorgan hob am 14. August das Kursziel von 430 auf 460 Euro an, blieb dabei aber bei der neutralen Einstufung. Goldman Sachs zog am 12. August nach und erhöhte sein Ziel von 450 auf 465 Euro bei einer Kaufempfehlung. Auch RBC bestätigte mit einer Anhebung auf 450 Euro die grundsätzlich konstruktive Tendenz.

Trägt dieses Bild, dürfte die Aktie ihre Position nahe dem Rekordhoch behaupten. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 15 Prozent zeigt, wie deutlich sich der mittelfristige Aufwärtstrend bereits gefestigt hat. Bleibt der Konzern beim bestätigten Jahresziel von 17,4 Milliarden Euro operativem Ergebnis plus oder minus einer Milliarde, hätte die Aktie einen soliden fundamentalen Anker, um weitere Kursziel-Anhebungen zu rechtfertigen.

Bärisches Szenario

Die Gegenposition ist ernst zu nehmen. Jefferies beließ die Aktie am Freitag bei „Hold“ mit einem auffällig niedrigen Kursziel von 325 Euro – deutlich unter dem aktuellen Kursniveau. UBS votierte am selben Tag für „Neutral“ mit einem Ziel von 430 Euro, ebenfalls unterhalb des derzeitigen Kurses. Diese Häuser gewichten den Rückgang des bereinigten Konzernergebnisses offenbar stärker als den operativen Rekordwert.

Sollte sich der Gewinnrückgang im laufenden Jahr fortsetzen oder als struktureller Trend statt als Einmaleffekt herausstellen, könnte der Markt die derzeitige Bewertung als überzogen einstufen. Ein RSI von 67,3 signalisiert zudem, dass die Aktie technisch bereits recht weit gelaufen ist – ein Warnsignal für kurzfristige Rücksetzer, sollte positive Nachrichtenlage ausbleiben.

Ausblick

Solange die Mehrheit der Analysten – wie zuletzt Goldman Sachs, JPMorgan und RBC – ihre Kursziele weiter anhebt und der Konzern am Jahresziel von 16,4 bis 18,4 Milliarden Euro operativem Ergebnis festhält, dürfte die Aktie ihre Nähe zum Rekordhoch verteidigen können.

Kippt hingegen die Wahrnehmung des Gewinnrückgangs von Einmaleffekt zu strukturellem Problem, drohen Bewertungskorrekturen in Richtung der skeptischeren Kursziele von Jefferies und UBS.

Ein konkreter nächster Prüfstein für diese Frage steht noch aus: Erst die kommenden Quartalszahlen werden zeigen, ob sich der Rückgang des bereinigten Konzernergebnisses fortsetzt oder ob die Restrukturierungskosten tatsächlich ein einmaliger Belastungsfaktor waren. Bis dahin bleibt die Aktie ein Spiegelbild der Analysten-Uneinigkeit – zwischen Kurszielen von 325 und 465 Euro liegt eine Bandbreite, die selten so groß war.

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