Zweieinhalb Jahre nach einem gescheiterten Übernahmeversuch schlägt die Allianz in Singapur wieder zu. Der Münchener Versicherer sichert sich HSBC Life Singapore für rund zwei Milliarden Euro. Für Konzernchef Oliver Bäte ist der Deal auch eine Art Wiedergutmachung.
Die zweite Übernahme in Singapur
Die Allianz kauft HSBC Life Singapore, wie der Konzern in der Nacht zum Freitag mitteilte. Der Kaufpreis liegt bei 2,9 Milliarden Singapur-Dollar, umgerechnet knapp zwei Milliarden Euro. Davon entfallen 2,7 Milliarden Singapur-Dollar auf den kompletten Versicherer, der Rest auf eine 15-jährige Vertriebspartnerschaft mit der HSBC Bank Singapur.
Die Allianz kauft über ihre Tochter Allianz Asia Holding. Der Deal braucht noch die Zustimmung der Behörden. Der Abschluss ist für das erste Halbjahr 2027 geplant.
Der Konzern nennt klare Renditeziele: Mittelfristig soll die Investition zweistellige Prozentwerte abwerfen. HSBC Life Singapore erwirtschaftete 2025 einen operativen Gewinn von 80 Millionen Euro. Das Eigenkapital liegt bei 1,2 Milliarden Euro.
Wiedergutmachung nach gescheitertem Anlauf
Der historische Kontext macht den Deal bemerkenswert. Ende 2024 scheiterte die Allianz in Singapur an der Übernahme von Income Insurance. Das Volumen lag damals bei 1,15 Milliarden Euro.
Die Regierung blockierte den Deal aus Sorge um bezahlbare Versicherungen für Geringverdiener. Income Insurance war ein genossenschaftlich organisierter Versicherer mit einem gesellschaftlichen Auftrag. Diesen Konflikt umgeht die Allianz nun geschickt: HSBC Life Singapore ist ein gewöhnlicher Komposit-Versicherer, ohne genossenschaftliche Eigentumsstruktur und ohne politisch heikle Gemeinwohlverpflichtung.
Im Bieterverfahren setzte sich die Allianz laut Berichten gegen die japanischen Versicherer Daiichi Life und Sumitomo durch. Ein klares Signal: Der Markteintritt in Singapur gelingt diesmal reibungsloser als beim ersten Versuch.
Strategie: Wachstum in Asien
Der Zukauf passt zur Wachstumsstrategie von CEO Oliver Bäte. Im Juli sagte er dem Handelsblatt: „Wir wollen grundsätzlich in Asien im Asset-Management, in der Lebensversicherung und in der Krankenversicherung wachsen.“ Indien und Südostasien nannte er als besonders wichtige Märkte.
Vorstandsmitglied Renate Wagner betonte die strategische Ausrichtung: „Als weltweit führende Versicherungsmarke vertrauen unsere Kundinnen und Kunden weltweit darauf, dass die Allianz ihre Zukunft absichert und ihnen zur Seite steht.“ Die 15-jährige Vertriebspartnerschaft mit HSBC Singapur baut auf einer bereits langjährigen Geschäftsbeziehung auf. Kunden erhalten künftig Zugang zu Allianz-Lösungen in Absicherung, Gesundheit, Altersvorsorge und Vermögensaufbau.
Aktie nahe Rekordhoch
Der Aktienkurs reagiert auf die Nachricht kaum – er setzt lediglich den bestehenden Aufwärtstrend fort. Am Freitag schloss die Allianz bei 425,30 Euro, nur 1,23 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 430,60 Euro vom 22. Juli. Über die vergangenen 30 Tage legte der Titel um 5,43 Prozent zu.
Die Übernahme dürfte den Kurs kurzfristig kaum bewegen. Der Abschluss ist erst für 2027 terminiert, entscheidend bleiben bis dahin die Genehmigungen der Behörden. Näher am Kalender liegt die Berichterstattung zu den Halbjahreszahlen – sie dürfte den Kurs in den kommenden Wochen stärker prägen als der Asien-Deal.
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