Die Welt kommt beim Klimaschutz voran, aber zu langsam. Zu diesem Ergebnis kommt die Forschungsabteilung des Versicherers in der zweiten Ausgabe ihres „Green Transition Tracker“. Beim aktuellen Tempo wäre die globale Klimaneutralität erst 2064 erreicht, 14 Jahre später als angestrebt.
Erneuerbare überholen Kohle
Der Tracker bewertet 65 Volkswirtschaften, die zusammen 81 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verursachen. 56 Länder verbesserten sich in diesem Jahr, im Schnitt um 2 Punkte. Nur rund ein Drittel liegt allerdings auf einem Kurs, der zum Pariser Abkommen passt.
Ein Meilenstein: 2025 überholten erneuerbare Energien mit 33,5 Prozent erstmals die Kohle als größte Stromquelle der Welt. Sinkende Kosten treiben den Wandel. Die Installationskosten für Batteriespeicher fielen seit 2015 um 91 Prozent, die neu installierte Kapazität stieg auf 307 Gigawattstunden.
Für 2026 erwarten die Ökonomen einen leichten Rückgang der CO₂-Emissionen aus fossilen Brennstoffen um 0,5 Prozent. Treiber sind demnach günstige Technologien und teures Öl, nicht die Klimapolitik. Chefökonom Ludovic Subran formuliert es so: „Ein Preisschock ist keine Strategie.“
Gespaltenes Bild bei den Staaten
Die Spitze bilden Luxemburg, Dänemark und Estland, alle zehn Bestplatzierten stammen aus Europa. Die obere Hälfte der Rangliste legte fast doppelt so stark zu wie die untere. Die USA fielen auf Platz 41 zurück, weil ihre Emissionen das zweite Jahr in Folge stiegen. China und Indien zeigen dagegen Anzeichen einer Trendwende.
Deutschland belegt Rang 12. Österreich rutschte um einen Platz auf Rang 19, vor allem weil die erneuerbare Stromproduktion 2025 um 9,5 Prozent sank. Fortschritte gab es bei Energieeffizienz und Elektromobilität.
Risiken: Strombedarf und Netze
Als größte kurzfristige Risiken nennt die Studie den steigenden Strombedarf und Engpässe in den Netzen. Allein KI und Rechenzentren könnten die globalen Emissionen bis 2030 um rund 0,6 Prozent erhöhen. Hohe Finanzierungskosten, Handelsbarrieren und politische Unsicherheit könnten den Ausbau grüner Technologien zusätzlich bremsen.
Die Investitionen in saubere Energie sollen 2026 um 6,5 Prozent auf 2,2 Billionen Dollar steigen. Besonders stark wachsen die Ausgaben für Speicher mit 36 Prozent und für Netze mit 21 Prozent. Ob der globale Emissionshöchststand schon erreicht ist, lässt die Studie ausdrücklich offen.
Die Forscher fordern von Regierungen eine vorhersehbare CO₂-Bepreisung statt neuer Subventionen für fossile Brennstoffe. Die nächste Gelegenheit für politische Weichenstellungen bietet die Klimakonferenz COP31 in Antalya.
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