Betriebsunterbrechungen werden im Schadenfall teurer. Allianz Commercial berichtete am Donnerstag, dass die durchschnittliche Schadenhöhe in den vergangenen zwei Jahren jährlich um rund 30 % gestiegen sei. Für Anleger lenkt das den Blick auf die Entwicklung der Versicherungsrisiken. Zugleich stehen bei Allianz die Wiederanlage von Gewinnen und mögliche Belastungen durch schwankende Anleihemärkte im Fokus.
Betriebsunterbrechungen werden kostspieliger
Der Bericht von Allianz Commercial umfasst 7.888 Betriebsunterbrechungs-Versicherungsschäden aus dem Zeitraum vom 1. Januar 2021 bis zum 31. Dezember 2025. Damit betrachtet die Untersuchung einen mehrjährigen Zeitraum und nicht nur einzelne Großschäden.
Die entscheidende Aussage für Anleger liegt in der steigenden durchschnittlichen Schadenhöhe. Sie beschreibt die Kosten je Schadenfall und ist von der Zahl der erfassten Fälle zu unterscheiden.
Der Gesamtwert der untersuchten Schäden beträgt rund 6,74 Mrd. Euro. Der jährliche Anstieg der durchschnittlichen Schadenhöhe um rund 30 % bezieht sich dagegen auf die vergangenen zwei Jahre. Die beiden Kennzahlen beleuchten somit unterschiedliche Aspekte: das erfasste Schadenvolumen und die jüngere Kostenentwicklung.
Für die Einordnung der Allianz ist diese Unterscheidung wichtig. Ein Bericht über Versicherungsschäden ist nicht mit einer Ergebnisrechnung des Konzerns gleichzusetzen. Aus dem steigenden Durchschnitt allein folgt daher noch keine konkrete Aussage über den Gewinn. Er macht aber deutlich, weshalb die Schadenentwicklung für die Beurteilung des Versicherungsgeschäfts relevant ist.
Wiederanlage bringt eine zweite Risikoperspektive
Neben den Versicherungsschäden verdient die Kapitalanlage Aufmerksamkeit. Jefferies erhöhte am Donnerstag das Kursziel für Allianz von 420 auf 440 Euro. Die Einstufung blieb bei „Hold“; die höhere Zielmarke ging somit nicht mit einer positiveren Empfehlung einher.
Analyst Philip Kett begründete die Anpassung mit realisierten Gewinnen aus Allianzs indischem Gemeinschaftsunternehmen. Diese reinvestiere der Versicherer beschleunigt in festverzinsliche Wertpapiere. Wegen der anhaltenden Anleihemarktvolatilität hielt Kett Verluste aus solchen Papieren auch bei anderen Versicherern für möglich.
Damit stehen zwei unterschiedliche Risikoperspektiven nebeneinander: steigende Kosten einzelner Versicherungsschäden und mögliche Wertpapierverluste. Die Gewinne aus Indien bilden dabei einen positiven Faktor, während die Wiederanlage den Blick auf die Entwicklung der Anleihemärkte richtet.
Quartalszahlen als nächster Prüfpunkt
Die nächsten Quartalszahlen sollen am 12. November 2026 veröffentlicht werden. Für Anleger bieten sie den nächsten Anlass, die Geschäftsentwicklung der Allianz zu beurteilen. Entscheidend ist dabei die Trennung zwischen dem branchenbezogenen Schadenbild, den Überlegungen zur Kapitalanlage und den tatsächlich gemeldeten Konzernergebnissen.
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