Berenberg hält Befürchtungen für übertrieben, künstliche Intelligenz könne den Versicherungsvertrieb der Allianz rasch verdrängen. In der heute bekannt gewordenen Einschätzung bestätigt Analyst Michael Huttner seine Kaufempfehlung. Für Anleger rückt damit eine Frage in den Mittelpunkt: Wie schwer wiegen mögliche Veränderungen im Agenturmodell gegenüber den erwarteten Erträgen des Konzerns?
Keine schnelle Verdrängung des Agenturmodells
Die Sorge betrifft insbesondere KI-Assistenten, die klassische Versicherungsagenten ersetzen könnten. Berenberg hält diese Befürchtung mit Blick auf das Allianz-Agenturnetz für überzogen. Die Einschätzung richtet sich damit gegen die Erwartung einer schnellen Verdrängung des bisherigen Vertriebsmodells.
Das ist keine Aussage, dass künstliche Intelligenz für den Versicherungsvertrieb grundsätzlich folgenlos bleibt. Der entscheidende Punkt ist vielmehr das Tempo einer möglichen Veränderung. Berenberg sieht darin derzeit keinen ausreichenden Grund, von der positiven Bewertung der Allianz abzurücken. Huttner bezeichnet die Aktie weiterhin als attraktiv bewertet.
Das unveränderte Kursziel liegt bei 684 Euro. Es bleibt eine Analystenerwartung und keine Zusage für die künftige Kursentwicklung. Inhaltlich stützt sich die Kaufempfehlung nicht allein auf die relativierten KI-Risiken, sondern auch auf die erwartete operative Entwicklung.
Pimco soll höhere Schäden teilweise abfedern
Für das dritte Quartal 2026 erwartet Berenberg gegenüber dem Vorquartal um 300 Millionen Euro höhere Naturkatastrophenschäden. Gleichzeitig rechnet die Bank mit rund 100 Millionen Euro zusätzlichem Gewinn aus der Vermögensverwaltung. Unterstützung soll dabei von Pimco kommen.
Die erwartete Mehrbelastung durch Naturkatastrophen würde damit durch den zusätzlichen Gewinn aus der Vermögensverwaltung nur teilweise ausgeglichen. Hinzu kommen nach Einschätzung der Bank stabile Erträge aus dem Lebensversicherungsgeschäft. Berenbergs Zuversicht beruht folglich auf mehreren Ertragsquellen und nicht auf der Annahme eines durchweg unbelasteten Quartals.
Huttner sieht Allianz mindestens auf Kurs zum oberen Ende der Ausblicksspanne für 2026. Diese reicht beim operativen Gewinn von 16,4 bis 18,4 Milliarden Euro.
Quartalszahlen als nächster Prüfstein
Am 12. November stehen die Zahlen zum dritten Quartal 2026 an. Dann lässt sich die Erwartung überprüfen, dass Pimco und das Lebensversicherungsgeschäft höhere Naturkatastrophenschäden abfedern können.
Für Anleger sind die beiden Ebenen auseinanderzuhalten: Die KI-Debatte betrifft die mögliche Veränderung des Vertriebsmodells. Die anstehenden Geschäftszahlen zeigen dagegen, wie tragfähig die kurzfristigen Ertragserwartungen sind. Berenbergs Kaufempfehlung verbindet eine gelassenere Einschätzung des technologischen Risikos mit einem zuversichtlichen Blick auf das operative Ergebnis.
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