Die Allianz hat mit ihrem zweiten Quartal die eigenen Bestmarken gebrochen – und die Analystenzunft reagiert mit einer Welle angehobener Kursziele. Das operative Ergebnis kletterte im zweiten Quartal um 10,6 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro, ein Rekordwert.
Für das erste Halbjahr summiert sich das operative Ergebnis auf 9,4 Milliarden Euro, ein Plus von 8,6 Prozent. Der Münchener Versicherungskonzern bestätigte sein Jahresziel von 17,4 Milliarden Euro operativem Ergebnis mit einer Schwankungsbreite von einer Milliarde Euro nach oben oder unten.
Getragen wird das Wachstum von einer breiten Basis. Das Geschäftsvolumen legte im zweiten Quartal um 5,7 Prozent auf intern bereinigter Basis zu und erreichte 45,6 Milliarden Euro, für das Halbjahr stehen 98,6 Milliarden Euro in den Büchern.
Im Schaden- und Unfallgeschäft stieg das operative Ergebnis im ersten Halbjahr um 9,1 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro, während sich die Schaden-Kosten-Quote auf 91,4 Prozent verbesserte – und damit unterhalb der eigenen Zielspanne von 92 bis 93 Prozent liegt. Das Segment Leben und Kranken wuchs operativ um 2,4 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro, die Neugeschäftsmarge lag bei 5,4 Prozent.
Asset Management liefert Rekordzuflüsse
Besonders stark entwickelte sich die Vermögensverwaltung. Im ersten Halbjahr flossen netto 84 Milliarden Euro neue Gelder zu, das verwaltete Vermögen erreichte mit 2,161 Billionen Euro einen Höchststand. Unter dem Strich blieb der bereinigte Überschuss mit 6,4 Milliarden Euro um 15,5 Prozent über dem Vorjahreswert, das Ergebnis je Aktie stieg um 17,5 Prozent auf 16,44 Euro.
Im zweiten Quartal allein sank der ausgewiesene Überschuss dagegen um 12,7 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro – ein Effekt, der die operative Stärke des Halbjahres nicht schmälert, aber zeigt, dass Einzelquartale volatiler ausfallen können als die kumulierte Halbjahressicht.
Die Kapitalausstattung bleibt komfortabel: Die Solvency-II-Quote kletterte um 7 Prozentpunkte auf 225 Prozent. Von dem laufenden Aktienrückkaufprogramm über bis zu 2,5 Milliarden Euro hat der Konzern bereits 1,4 Milliarden Euro umgesetzt.
Diese Kombination aus Kapitalpolster und Ausschüttungsbereitschaft ist es, die Beobachter zuletzt besonders hervorhoben – in einem Marktumfeld, in dem viele große Indexkonzerne ihre Dividendenpolitik zurückfahren, setzt die Allianz auf steigende Ausschüttungen.
Analysten erhöhen Kursziele nach den Zahlen
Die Reaktion der Investmenthäuser fiel überwiegend positiv aus. RBC Capital Markets hob das Kursziel von 440 auf 450 Euro an und bestätigte die Einstufung „Sector Perform“. Analyst Ben Cohen begründete den Schritt damit, dass die Allianz im Vergleich zur Konkurrenz besser abgeschnitten habe; er erhöhte seine Gewinnschätzungen je Aktie um 2 bis 4 Prozent.
Berenberg bestätigte seine Kaufempfehlung mit einem deutlich höheren Kursziel von 684 Euro und rechnet für den Zeitraum 2024 bis 2027 mit einem jährlichen Wachstum des operativen Ergebnisses von 6 Prozent sowie einem bereinigten Gewinn je Aktie, der um 7 bis 9 Prozent pro Jahr zulegen soll. Eine Investition von 1,1 Milliarden Euro in Restrukturierungsmaßnahmen soll dabei eine Rendite von 20 Prozent erzielen.
Auch Oddo BHF stufte die Aktie weiter mit „Outperform“ ein und erhöhte das Kursziel von 450 auf 460 Euro, nachdem das operative Ergebnis die Erwartungen um 6 Prozent übertroffen hatte. DZ Bank rundet das Bild mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 486 Euro ab.
Die Kursziele der großen Häuser bewegen sich damit in einer breiten Spanne, doch die Richtung ist einheitlich: nach oben. Zugleich weisen Chartmodelle auf ein kurzfristiges Korrekturrisiko hin, das die Aktie in eine Spanne von 401 bis 441 Euro zurückführen könnte – ein Hinweis darauf, dass nach der jüngsten Rekordserie nicht jede Bewegung geradlinig nach oben verläuft.
Aktie nahe am Rekordhoch
Am heutigen Montag notiert die Allianz-Aktie bei 438,20 Euro und damit nur 1,26 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 443,80 Euro, das erst am Donnerstag markiert wurde.
Der Relative-Stärke-Index von 68,5 signalisiert eine bereits ambitionierte Kursdynamik, ohne die klassische Überkauft-Schwelle von 70 zu überschreiten. Mit einer Marktkapitalisierung von 167,15 Milliarden Euro zählt die Allianz weiterhin zu den Schwergewichten im europäischen Versicherungssektor.
Die Kombination aus bestätigter Jahresguidance, steigenden Vermögenszuflüssen im Asset Management und einer soliden Schaden-Kosten-Quote liefert den fundamentalen Unterbau für die optimistischeren Kursziele der Analysten – auch wenn kurzfristige Rücksetzer angesichts der Nähe zum Allzeithoch nicht ausgeschlossen sind.
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