Barclays hat das Kursziel für die Allianz-Aktie am Freitag von 350 auf 353 Euro angehoben. An der grundsätzlich negativen Einstufung „Underweight“ hielt Analystin Claudia Gaspari jedoch fest, wie dpa-AFX berichtete. Die minimale Anhebung ändert wenig an der insgesamt kritischen Haltung des Analysehauses gegenüber dem Münchener Versicherungskonzern.
Der Kontrast zur Marktrealität könnte kaum größer sein. Die Aktie notiert aktuell bei 447,10 Euro und liegt damit weiterhin deutlich über dem neuen Kursziel von Barclays. Selbst nach dem heutigen Rückgang um 0,9 Prozent bleibt der Abstand zum Kursziel erheblich – ein Signal dafür, dass der Markt die Wachstumsaussichten des Versicherers deutlich optimistischer einschätzt als Barclays.
Kurs nahe am Rekordhoch
Der Blick auf die Kursentwicklung der vergangenen Monate zeigt, warum viele Anleger die skeptische Haltung nicht teilen. Seit Jahresbeginn hat die Allianz-Aktie um 14 Prozent zugelegt, auf Zwölfmonatssicht sogar um 27 Prozent. Erst Anfang September markierte das Papier mit 454,50 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch, vom aktuellen Niveau trennen die Aktie nur noch 1,6 Prozent zu dieser Marke.
Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 432,93 Euro, aktuell notiert die Aktie gut drei Prozent darüber – ein Zeichen für einen intakten kurzfristigen Aufwärtstrend, auch wenn der jüngste Rücksetzer vom Freitagsschlusskurs von 451,20 Euro zeigt, dass Gewinnmitnahmen einsetzen.
AA-Übernahmegerücht belastet die Stimmung
Der Kursrückgang der vergangenen Handelstage dürfte auch mit einem Medienbericht zusammenhängen, wonach Allianz ein rund 6,77 Milliarden US-Dollar schweres Übernahmeangebot für den britischen Pannendienst-Anbieter AA prüfe.
Eine Bestätigung des Konzerns steht dazu weiterhin aus. Sollte sich das Gerücht bewahrheiten, würde es die Kapitaldisziplin des Konzerns auf die Probe stellen – ein Punkt, den auch kritische Analystenstimmen wie die von Barclays ins Feld führen dürften.
Für Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich: Auf der einen Seite steht ein Versicherungskonzern, dessen Aktie sich nahe historischer Höchststände bewegt und dessen Kapitalmarktkommunikation von Wachstum und Zuflüssen geprägt ist.
Auf der anderen Seite mahnt Barclays trotz leicht angehobenem Kursziel weiterhin zur Vorsicht und sieht das Papier deutlich überbewertet. Mit einer Marktkapitalisierung von 170,38 Milliarden Euro zählt Allianz zu den Schwergewichten im deutschen Aktienmarkt – Bewegungen bei diesem Titel wirken sich entsprechend spürbar auf breite Indizes aus.
Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob sich Allianz zum AA-Deal äußert und wie der Markt eine mögliche Bestätigung aufnimmt. Bis dahin bleibt die Diskrepanz zwischen Kursziel und tatsächlichem Kursniveau ein zentrales Thema für Beobachter des Titels.
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