Zwei Milliarden-Deals in Asien binnen weniger Tage. Die Allianz treibt ihre Expansion in Südostasien mit einem Tempo voran, das selbst gestandene Marktbeobachter aufhorchen lässt. Am Mittwoch bestätigte der Versicherungskonzern die Übernahme von UOB Asset Management durch die Fondstochter Allianz Global Investors.
Ein Deal mit klarer Rechnung
Allianz Global Investors zahlt 555 Millionen Singapur-Dollar für die Vermögensverwaltungssparte der Großbank United Overseas Bank. Umgerechnet sind das 376 Millionen Euro. UOB Asset Management verwaltet aktuell rund 28 Milliarden Euro und ist neben Singapur in sieben weiteren Ländern aktiv.
Nach dem Zukauf kommt AllianzGI in Asien auf ein verwaltetes Vermögen von 170 Milliarden Euro. In Singapur selbst kann die Allianz-Tochter ihr Geschäft mit dem Deal sogar verdoppeln. CEO Oliver Bäte hat Wachstum in Asien zur Priorität erklärt — der zweite große Zukauf binnen weniger Tage unterstreicht das.
Vertrieb und Personal als Teil des Pakets
Der Deal geht über den reinen Assetkauf hinaus. Allianz Global Investors sichert sich Zugang zum Kundennetzwerk der Bank. Die übernommenen Geschäfte erstrecken sich über Singapur, Brunei, Indonesien, Japan, Malaysia, Taiwan, Thailand und Vietnam.
Beide Seiten vereinbaren zusätzlich eine langfristige Vertriebspartnerschaft. Über sie können UOB und AllianzGI künftig gemeinsam Anlageprodukte an mehr als 8 Millionen Kunden in der Region verkaufen. Für die rund 500 Mitarbeiter von UOB Asset Management gibt es eine Zusage: Sie wechseln komplett zu Allianz Global Investors, ihre Jobs bleiben erhalten.
Auch der Verkäufer profitiert finanziell. UOB erwartet aus der Transaktion einen Gewinn vor Steuern von etwa 330 Millionen Singapur-Dollar. Die Bank ordnet den Verkauf als Teil ihrer strategischen Fokussierung ein. Der Abschluss ist für 2027 geplant, vorbehaltlich der üblichen regulatorischen Genehmigungen.
Serie statt Einzelfall
Bereits Anfang Juni waren exklusive Verhandlungen zu diesem Deal bekannt geworden. Jetzt folgt die offizielle Bestätigung. AllianzGI-Chef Tobias Pross treibt damit eine ganze Serie von Zukäufen in Südostasien voran. Er beschreibt UOBAM als „einen der führenden Vermögensverwalter Südostasiens, mit sehr angesehenen Investmentfähigkeiten und einem starken Vertriebsnetz“.
Aktie bleibt nahe Rekordhoch
Der Markt nimmt die Nachricht gelassen auf. Die Allianz-Aktie notiert bei 437,70 Euro und damit nur knapp unter ihrem am selben Tag erreichten 52-Wochen-Hoch von 438,50 Euro. Binnen zwölf Monaten hat das Papier fast 26 Prozent zugelegt — die Zukäufe in Asien scheinen die Wachstumsstory bei Anlegern eher zu bestätigen als zu erschüttern.
Der nächste Prüfstein steht bereits an: Kurz nach der UOB-Übernahme legt der Konzern seine Quartalszahlen vor. Sie werden zeigen, ob die operative Stärke der Allianz auch im laufenden Jahr Bestand hat.
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