Alibaba verbrennt Milliarden – Doch ist das die Chance?

Alibaba opfert kurzfristige Gewinne für massive Investitionen in KI-Infrastruktur und Cloud-Dienste, um langfristiges Wachstum zu sichern. Die Bewertung erscheint im globalen Vergleich moderat.

Auf einen Blick:
  • Operatives Ergebnis bricht um 74 Prozent ein
  • Cloud-Sparte wächst um 36 Prozent durch KI
  • Eigene KI-Chips und Plattform Wukong entwickelt
  • Bewertung günstiger als bei US-Konkurrenten

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
der Kurs von Alibaba hat in den vergangenen Monaten kräftig nachgegeben. Seit November 2025 verlor die Aktie rund 19 Prozent. Wer nur auf die Quartalszahlen schaut, versteht den Absturz. Wer tiefer gräbt, erkennt etwas anderes: ein Unternehmen im radikalen Umbau, das eine strategische Wette mit enormem Potenzial eingeht.

Gewinne eingebrochen – aber aus einem guten Grund

Das jüngste Quartalsergebnis war auf den ersten Blick ernüchternd. Das operative Ergebnis brach um 74 Prozent ein. Der freie Cashflow kollabierte. Die Aktie wurde abgestraft. Doch hinter diesen Zahlen steckt kein operativer Niedergang, sondern eine bewusste Entscheidung: Alibaba investiert massiv in KI-Infrastruktur, und zwar in einem Ausmaß, das an die großen amerikanischen Hyperscaler erinnert.
Die Investitionsausgaben, der sogenannte CapEx, wurden drastisch hochgeschraubt. Gleichzeitig trennte sich das Unternehmen von zwei Einzelhandelsgeschäften, Sun Art und Intime, was das ausgewiesene Umsatzwachstum optisch drückte. Bereinigt um diese Abgänge wuchs der Umsatz tatsächlich um solide 9 Prozent. Das Kerngeschäft zeigt sich also robuster als die Schlagzeilen vermuten lassen.
Wichtig für die Einschätzung: Alibaba sitzt trotz aller Investitionen auf einer Kriegskasse von 80,1 Milliarden US-Dollar in liquiden Mitteln. Das ist einer der stärksten Kassenbestände im globalen Technologiesektor. Diese Polster ermöglicht es, den Investitionszyklus durchzuhalten, ohne auf externe Finanzierung angewiesen zu sein.

Die Cloud wird zur Wachstumsmaschine

Das Herzstück der neuen Strategie ist die Cloud Intelligence Group. Dieser Geschäftsbereich wuchs im Jahresvergleich um 36 Prozent, eine bemerkenswerte Dynamik in einem hart umkämpften Markt. Treiber sind KI-bezogene Workloads: Unternehmen, die bislang wenig in Cloud-Dienste investiert haben, steigen nun ein. Bestehende Kunden weiten ihre Ausgaben aus.
Das Geschäftsmodell basiert zunehmend auf dem sogenannten Model-as-a-Service-Ansatz. Alibaba vermarktet seine eigene KI-Modellfamilie Qwen und berechnet Nutzern den Verbrauch von Tokens sowie die damit verbundene Rechenleistung. Tokens sind die kleinsten Verarbeitungseinheiten, mit denen KI-Modelle Sprache und Daten verarbeiten. Je mehr Anfragen eingehen, desto höher fallen die Einnahmen aus. Je stärker KI in Unternehmensprozesse einzieht, desto direkter profitiert Alibaba davon.

Eigene Chip-Technologie als strategischer Vorteil

Was Alibaba von vielen Wettbewerbern unterscheidet, ist der Aufbau einer eigenen Halbleiterbasis. Das Unternehmen lieferte zuletzt 470.000 KI-Chips aus, darunter Edge-AI-Prozessoren und leistungsstarke Cloud-Beschleuniger. Besonders hervorzuheben ist der Zhenwu 810E, ein hauseigener GPU, der nach Unternehmensangaben mit Nvidias H20-Chip konkurrieren kann.
Hinzu kommt eine proprietäre Technologie namens Aegaoun, ein System zur Zeitplanung und Speicherverwaltung. Es ermöglicht, dass ein einzelner GPU dutzende KI-Modelle gleichzeitig betreibt. Datenpakete werden dabei in den Hauptspeicher des Hostrechners ausgelagert, was physische Speicherbeschränkungen überwindet. Das Resultat: eine Reduktion des GPU-Ressourcenbedarfs für Inferenzierungsaufgaben um bis zu 82 Prozent. Inferenzierung bezeichnet den Prozess, bei dem ein trainiertes KI-Modell aktiv Antworten oder Analysen generiert, also den eigentlichen Betrieb. Diese Effizienzgewinne haben direkte Auswirkungen auf die Margen des Cloud-Segments.

Anzeige: Die Tatsache, dass Alibaba eigene KI-Chips entwickelt, ist kein Zufall – sie ist eine direkte Folge des eskalierenden Chip-Kriegs zwischen den USA und China. Peking hat Anfang 2026 Exportkontrollen für Silber und Seltene Erden als strategische Waffe eingeführt, während die USA über 500 Milliarden Dollar und die EU 43 Milliarden Euro in die eigene Chip-Unabhängigkeit pumpen. In dieser tektonischen Verschiebung der globalen Halbleiter-Lieferketten entstehen enorme Chancen für Anleger, die jetzt die richtigen Titel identifizieren. Eine aktuelle Analyse stellt 4 konkrete Chip-Aktien vor, die als größte Gewinner aus diesem Konflikt hervorgehen könnten – mit Gewinnpotenzialen, die weit über das hinausgehen, was der breite Markt derzeit einpreist. Wer verstehen will, welche Unternehmen von der Neuordnung der Halbleiter-Welt profitieren, findet hier die entscheidenden Zusammenhänge. Zur Analyse der 4 Chip-Aktien mit dem größten Potenzial

Wukong: KI für Unternehmen auf einer neuen Ebene

Neben der Hardware treibt Alibaba auch die Softwareseite voran. Mit Wukong hat das Unternehmen eine KI-native Plattform für den Unternehmensmarkt eingeführt. Wukong ist kein einfacher digitaler Assistent, sondern eine Orchestrierungsschicht, die mehrere spezialisierte KI-Agenten koordiniert und komplexe, mehrstufige Workflows automatisiert. Damit zielt Alibaba auf den Kernbereich der Unternehmens-IT, jenen Bereich, in dem Unternehmen traditionell erhebliche Budgets für Software und Beratung aufwenden.
Das Management sieht in diesem sogenannten Agentic Shift, dem Übergang von reaktiven KI-Assistenten zu proaktiv handelnden KI-Agenten, den Schlüssel zur Erweiterung des adressierbaren Markts für Cloud-Dienste. Wenn KI-Agenten Routineaufgaben in Unternehmen übernehmen, steigt der Anteil des Unternehmensbudgets, der auf Cloud- und Softwareleistungen entfällt. Das ist ein struktureller Wachstumstreiber, der über Quartalsberichte hinausgeht.

E-Commerce unter Druck, aber nicht am Ende

Das angestammte E-Commerce-Geschäft, das Plattformgeschäft um Taobao und Tmall, befindet sich in einer Phase der Stabilisierung. Chinas Online-Handel wuchs im vergangenen Quartal in Renminbi gemessen noch um 6 Prozent. Doch die Margen stehen unter Druck: Konkurrenten wie Pinduoduo und die Kurzvideoplattform Douyin setzen auf aggressive Preisstrategien. Alibaba hat Marktanteile verloren.
Als Reaktion stärkt das Unternehmen das Segment Sofortlieferung. Die Lebensmittel- und Expressdienste unter ele.me wurden in Taobao Instant Commerce umbenannt und enger mit der Haupt-Shopping-App verzahnt. Die kombinierten Plattformen erreichten Anfang 2026 80 Millionen tägliche Bestellungen, ein beachtliches Volumen. Bis der Bereich profitabel wird, dürfte es allerdings noch dauern: Analysten rechnen frühestens im Geschäftsjahr 2028 mit positivem Cashflow in diesem Segment.

Bewertung: Günstig im globalen Vergleich

Gerade wegen des Kursrückgangs erscheint die Bewertung interessant. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf bereinigter Non-GAAP-Basis liegt bei 23,4. Zum Vergleich: Amazon notiert beim 33-fachen Gewinn, Microsoft beim 24-fachen. Das EV/EBITDA-Verhältnis, das den Unternehmenswert ins Verhältnis zum operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen setzt, liegt bei 14,5, ebenfalls ein moderater Wert für ein Technologieunternehmen dieser Größenordnung.
Die freie Cashflow-Rendite ist durch die hohen Investitionen aktuell auf 2,9 Prozent gedrückt. Das ist der Preis für den Umbau. Wer auf einen klar profitablen Konzern setzt, wird vorerst warten müssen. Wer einen transformativen Investitionszyklus mit mittelfristigem Potenzial sucht, findet hier eine Ausgangssituation, die an frühere Phasen bei Amazon Web Services oder Microsofts Azure-Aufbau erinnert.

Risiken nicht unterschätzen

Ein ausgewogener Blick verlangt auch den Blick auf die Risiken. Das Margenprofil bleibt unter Druck, sowohl im E-Commerce durch Rabattschlachten als auch im Cloud-Geschäft durch hohe Investitionsausgaben. Die KI-Investitionen müssen sich mittelfristig in wiederkehrenden Umsätzen niederschlagen. Ob und wann das gelingt, ist nicht garantiert.
Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten. Spannungen zwischen den USA und China erzeugen ein Delisting-Risiko an amerikanischen Börsen. Marktteilnehmer preisen dieses Szenario zwar nicht als Basisfall ein, doch es bleibt als Restrisiko bestehen. Das internationale Wachstum über Plattformen wie Trendyol, das allein 2024 mehr als 7 Millionen Downloads in Mittel- und Osteuropa verzeichnete, schafft zwar geografische Diversifikation. Doch auch dort kämpft das Unternehmen in gesättigten Märkten gegen etablierte Akteure.

Fazit: Eine Transformationswette

Alibaba befindet sich mitten in einem der ambitioniertesten Umbauvorhaben im globalen Technologiesektor. Das Unternehmen hat die Hyperwachstumsphase im E-Commerce hinter sich gelassen und setzt nun konsequent auf KI-Infrastruktur und Cloud. Die kurzfristigen Gewinnrückgänge sind der kalkulierte Preis dafür. Die strategische Logik dahinter ist klar: Wer heute die KI-Infrastruktur aufbaut, kontrolliert morgen die Abrechnungsmodelle. Alibaba hat die Ressourcen, die Technologie und das strategische Fundament, um diesen Übergang zu schaffen. Der Markt hat das noch nicht vollständig eingepreist.

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