Alibaba forciert seine Strategie im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) durch eine neue Großinvestition. Laut einem Bericht von Bloomberg gestern soll der chinesische Technologiekonzern eine Finanzierungsrunde in Höhe von 300 Millionen US-Dollar für das Startup UniPat AI anführen.
Die Bewertung des Unternehmens, das sich auf das Benchmarking und die Belastungstests von KI-Modellen spezialisiert hat, wird dabei auf rund 2,5 Milliarden US-Dollar taxiert.
Expansion im KI-Sektor und regulatorischer Druck
An der geplanten Finanzierung für UniPat AI sollen sich dem Vernehmen nach auch Tencent sowie HSG, ehemals Sequoia China, beteiligen. Der Abschluss des Geschäfts stehe laut Bloomberg unmittelbar bevor, wobei die Verhandlungen noch andauern und sich die finalen Konditionen verschieben könnten. UniPat gilt als strategisch wichtiges Ziel, da die Überprüfung von KI-Modellen für die industrielle Anwendung zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Gleichzeitig gerät Alibaba ins Visier der US-Regierung. Am Mittwoch berichteten die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters über Vorwürfe aus Washington, wonach Alibaba und andere chinesische Technologieunternehmen US-Spitzenmodelle im großen Stil extrahieren oder „destillieren“. Damit solle versucht werden, die technologische Lücke zu amerikanischen KI-Entwicklungen zu schließen. Diese Vorwürfe belasten die ohnehin angespannten Handelsbeziehungen im Hochtechnologiesektor.
Milliardenschwere Kapitalmaßnahme für Infrastruktur
Die neuen Investitionspläne stehen im Zusammenhang mit einer massiven Kapitalbeschaffung. Am 26. August schloss Alibaba die Platzierung von 710 Millionen Stammaktien ab, die einen Bruttoerlös von 80 Milliarden Hongkong-Dollar (rund 10,2 Milliarden US-Dollar) einbrachte.
Laut einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC vom 3. September sind diese Mittel vollständig für den Ausbau der KI-Fähigkeiten reserviert, insbesondere für die Entwicklung eigener Chips, den Ausbau der Cloud-Infrastruktur sowie die Modellentwicklung.
Trotz der Expansionspläne sieht sich der Konzern rechtlichem Gegenwind ausgesetzt. Am 3. September gaben mehrere US-Anwaltskanzleien bekannt, Sammelklagen im Namen von Aktionären eingereicht zu haben. Diese beziehen sich auf Wertpapierkäufe im Zeitraum zwischen dem 26. Juni 2025 und dem 24. Juni 2026.
Analysten bewerten Kapitalintensität unterschiedlich
An der Börse wird die Aktie derzeit vorsichtig bewertet. Das Papier notiert aktuell bei 94,40 € und verzeichnete am heutigen Freitag ein leichtes Plus von 0,8 %. Seit Beginn des Kalenderjahres hat der Wert jedoch 26 % verloren. Dennoch liegt der Kurs gegenwärtig 19 % über dem 52-Wochen-Tief, das im Juni markiert wurde.
Die Analysten reagierten am Montag mit unterschiedlichen Einschätzungen auf die jüngsten Entwicklungen. Das Analysehaus Bernstein senkte das Kursziel von 180 auf 165 US-Dollar, behielt die Einstufung jedoch bei „Outperform“.
Als Grund nannten die Experten die hohe Kapitalintensität und Sorgen der Investoren bezüglich der jüngsten Aktienplatzierung. Im Gegensatz dazu hob die Analystin Joyce Ju von der Bank of America ihr Kursziel leicht von 172 auf 175 US-Dollar an und bekräftigte ihre Kaufempfehlung.
Bereits im August hatte Alibaba Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 vorgelegt. Während der bereinigte Gewinn pro Aktie mit 1,26 US-Dollar unter den Schätzungen lag, konnte die Cloud-Sparte ein Umsatzplus von 45 % im Vorjahresvergleich ausweisen. Besonders die Erlöse mit KI-bezogenen Produkten wuchsen das zwölfte Quartal in Folge im dreistelligen Prozentbereich.
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