Alibaba Aktie: Rosen Law Firm kündigt Sammelklage an

US-Kanzlei kündigt Sammelklage gegen Alibaba an. Vorwurf: unzureichende Aufklärung über KI-Risiken. Aktie fällt um 1,79 Prozent.

Auf einen Blick:
  • Sammelklage wegen irreführender Aussagen
  • Aktie verliert 1,79 Prozent
  • EU-Bußgeld für AliExpress verhängt
  • Neues KI-Modell Qwen 3.8-Max vorgestellt

Die Alibaba-Aktie gerät heute erneut unter Druck. Die US-Kanzlei Rosen Law Firm kündigte an, eine Sammelklage gegen den chinesischen Technologiekonzern wegen mutmaßlich irreführender Aussagen einzureichen. Im Zentrum steht laut der Kanzlei das Verhältnis Alibabas zum chinesischen Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) sowie mögliche Sicherheitsrisiken der firmeneigenen KI-Modelle der Qwen-Reihe. Alibaba habe Anleger über diese Risiken nicht ausreichend informiert, so der Vorwurf der Kanzlei.

Das Papier verlor im heutigen Handel 1,79 Prozent und notiert bei 109,60 Euro. Damit gibt die Aktie einen Teil ihrer jüngsten Gewinne ab: In den vergangenen 30 Tagen hatte sie um 27,44 Prozent zugelegt, getrieben von der KI-Offensive des Konzerns und Berichten über schrumpfende Verluste im Instant-Commerce-Geschäft. Zwischen dem 23. Juli und dem 3. August war die US-notierte Aktie bereits um 10,7 Prozent gestiegen.

Neues KI-Flaggschiff mitten in der Kritik

Die juristische Attacke trifft Alibaba ausgerechnet in einer Phase intensiver KI-Expansion. Erst am Montag hatte der Konzern sein neues Flaggschiffmodell „Qwen 3.8-Max“ vorgestellt – ausgestattet mit 2,4 Billionen Parametern, von denen 95 Milliarden aktiv genutzt werden. Parallel startete die öffentliche Beta-Version von „QwenWork“, einem Unternehmensprodukt auf Basis derselben Technologie. Medienberichten zufolge testet inzwischen auch Tesla Qwen-Modelle für eine mögliche Integration in sein Fahrzeug-Ökosystem auf dem chinesischen Markt. Gerade diese wachsende Verbreitung der Qwen-Technologie in sicherheitsrelevanten Anwendungen dürfte die Vorwürfe der Kanzlei zusätzlich nähren. Ob die angekündigte Klage tatsächlich vor Gericht landet und welche Erfolgsaussichten sie hat, ist derzeit offen.

Zusätzlicher regulatorischer Druck aus Brüssel

Die Sammelklage ist nicht das einzige juristische Ungemach. Medienberichten zufolge verhängten EU-Regulierungsbehörden bereits am Montag gegen die Alibaba-Tochter AliExpress eine Geldbuße von 550 Millionen Euro nach dem Digital Services Act. Begründet wurde die Strafe mit unzureichenden Kontrollen gegen illegale und gefälschte Waren auf der Plattform.

Rückkaufprogramm und Investitionen als Gegengewicht

Dem gegenüber steht eine offensiv finanzierte Wachstumsstrategie. Der Vorstand genehmigte am 30. Juli ein zusätzliches Aktienrückkaufprogramm über 30 Milliarden US-Dollar, das die bestehende Ermächtigung ergänzt – von dieser waren Ende 2025 noch 19,1 Milliarden US-Dollar offen. Medienberichten zufolge beteiligte sich Alibaba zudem an einer Finanzierungsrunde über 1,2 Milliarden US-Dollar für den Zahlungsdienstleister Ant International, der damit sein international ausgerichtetes Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen ausbauen will. Berichten zufolge bereitet sich außerdem das von Alibaba unterstützte KI-Start-up Moonshot AI, aktuell mit rund 31,5 Milliarden US-Dollar bewertet, auf einen Börsengang in Hongkong vor – befeuert von starker Nachfrage nach dessen Kimi-K3-Modell. Eine Bestätigung dafür liegt bislang nicht vor.

Auch institutionelle Anleger zeigten sich zuletzt von der KI-Strategie überzeugt: Die britische Investmentgesellschaft Rathbones Group erhöhte ihre Alibaba-Position im ersten Quartal um 8,8 Prozent auf rund 73.600 Aktien im Wert von etwa 9,24 Millionen US-Dollar, wie aus einer Pflichtmitteilung hervorgeht.

Quartalszahlen als nächster Prüfstein

Am 17. August legt Alibaba seine Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor, das im Juni endete. Analysten erwarten im Konsens einen Umsatz von rund 268,86 Milliarden Renminbi. Für Anleger dürfte entscheidend sein, ob sich die zuletzt gemeldete Verlustreduktion im Instant-Commerce-Geschäft bestätigt und wie das Management auf die neuen juristischen Risiken eingeht. Nach dem Kursrücksetzer der vergangenen Tage bleibt offen, ob sich die Rally der vergangenen Wochen fortsetzt oder die Belastungen aus den Rechtsstreitigkeiten überwiegen.

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