Gleich zwei Belastungen auf einmal: Chinas Marktaufsicht hat Alibaba und weitere E-Commerce-Anbieter zu einem Krisengespräch über Qualitätskontrollen einbestellt. Parallel rutschen Chinas Technologiewerte im Zuge eines breiten Ausverkaufs weiter ab. Die Alibaba-Aktie verlor in Hongkong zuletzt rund sechs Prozent.
Neue Aufsicht über den Onlinehandel
Die Marktaufsichtsbehörde SAMR teilte mit, sie habe kürzlich ein Symposium in Peking abgehalten. Thema: die Qualität von Produkten und Dienstleistungen bei Alibaba, JD.com und weiteren Plattformen. Auch Kuaishou, Douyin, Pinduoduo und Dewu waren dabei.
Die Behörde erkannte an, dass die Betreiber Maßnahmen im Sinne der Vorgaben aus dem Vorjahr umgesetzt haben. Dennoch sieht sie weiter Qualitäts- und Sicherheitsrisiken, vor allem beim Livestreaming-Handel und im Schnelllieferangebot. Konkrete Auflagen nannte die SAMR nicht.
Alibaba gab in Hongkong um 5,9 Prozent auf 97,55 Hongkong-Dollar nach, JD.com um 4,7 Prozent. Beide gehörten zu den größten Belastungsfaktoren für den Hang Seng, der um 2,9 Prozent einbrach. Kuaishou verlor mehr als vier Prozent.
Der Marktbeobachtern zufolge dürfte die Sitzung als neue Stufe der Kontrolle gelesen werden. Peking greift in der Branche seit Längerem ein: In diesem Jahr gab es kartellrechtliche Schritte gegen mehrere Anbieter, am prominentesten gegen Trip.com. Zudem bremste die Regierung wiederholt den Preiskampf im Schnellhandel, in dem Alibaba, JD.com und Meituan um Marktanteile rangeln.
Der Tech-Ausverkauf verstärkt den Druck
Zur Regulierung kommt das Marktumfeld. Der CSI 300 fiel im Handelsverlauf mehr als 20 Prozent unter sein Junihoch und rutschte damit erstmals seit 2020 in einen Bärenmarkt. Es ist die zehnte Verlustwoche in Folge.
Auslöser sind Zweifel, ob die hohen Ausgaben für KI-Infrastruktur ausreichende Erträge abwerfen. Chinesische KI-Werte standen unter starkem Verkaufsdruck, der Chipkonzern SMIC verlor gut sechs Prozent, NetEase knapp sieben. Der STAR 50 büßte im laufenden Halbjahr fast 40 Prozent ein.
Alibaba traf es im Tagesverlauf ähnlich hart wie den Sektor: Zeitweise lag das Minus bei gut sechs Prozent. Hinzu kommen strukturelle Bremsen der chinesischen Wirtschaft, etwa schwacher Konsum, Überkapazitäten und die lange Immobilienflaute. Der Wettbewerb drückt die Margen auch bei Unternehmen, die global konkurrenzfähig sind.
Ein anhaltender Kursrutsch könnte die Finanzierung von Chinas Technologieambitionen erschweren. Er erhöht zugleich den Druck auf die Politik, Marktstützung oder Finanzreformen zu beschleunigen. Für Alibaba entscheidet sich damit, ob die SAMR ihren Worten konkrete Maßnahmen folgen lässt.
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