Alibaba forciert seine Neuausrichtung auf künstliche Intelligenz und Cloud-Dienstleistungen mit messbarem Erfolg. Wie das Unternehmen heute bekannt gab, hat die hauseigene KI-Modellfamilie Qwen innerhalb von nur sechs Monaten die Marke von drei Milliarden Downloads weltweit überschritten. Damit positioniert sich der chinesische Konzern beim reinen Downloadvolumen deutlich vor westlichen Konkurrenten wie Google oder Meta.
Diese Entwicklung unterstreicht den radikalen Umbau des Geschäftsmodells, den das Management vorantreibt, während am kommenden Donnerstag die Veröffentlichung der Ergebnisse für das erste Geschäftsquartal 2027 ansteht.
Cloud-Wachstum und Restrukturierung im Fokus
Die technologische Dominanz im Bereich der Open-Source-KI-Modelle spiegelt sich auch in der operativen Strategie wider. Medienberichten zufolge steht Alibaba kurz davor, seine Gaming-Sparte für rund 1,5 Milliarden US-Dollar an Trustar zu verkaufen.
Dieser Schritt wäre ein deutliches Signal für die Konzentration auf die Kernbereiche KI und Cloud. Mit dem erst Anfang August veröffentlichten Modell Qwen 3.8-Max, das über 2,4 Billionen Parameter verfügt, greift Alibaba zudem direkt etablierte US-Konkurrenten in den Bereichen Programmierung und multimodale Benchmarks an.
Das Cloud-Geschäft gilt dabei als wichtigster Wachstumstreiber für die kommenden Jahre. Analysten beobachten genau, ob die Skalierung der KI-Modelle bereits zu einer nachhaltigen Monetarisierung führt. Die hohe Verbreitung der Qwen-Modelle bildet die Basis dafür, Unternehmenskunden langfristig an die Cloud-Infrastruktur von Alibaba zu binden und wiederkehrende Umsätze zu generieren.
Analysten blicken auf die Quartalszahlen
Im Vorfeld des Finanzberichts am 20. August äußerten sich Experten gestern optimistisch zu den Aussichten. Der Analyst Jiong Shao von Barclays erklärte, er erwarte ein Übertreffen der Markterwartungen für das erste Quartal.
Als Gründe nannte er ein beschleunigtes Cloud-Wachstum und die Tatsache, dass die wiederkehrenden KI-Einnahmen bereits über den gesteckten Zielen liegen dürften. Zudem gelinge es dem Konzern zunehmend, die Verluste im Bereich Quick-Commerce zu reduzieren.
Gestern passte auch Gary Yu von Morgan Stanley seine Einschätzung an. Er bestätigte zwar die Einstufung „Overweight“, senkte jedoch das Kursziel von 190 auf 180 US-Dollar.
Yu begründete diesen Schritt mit Erwartungen an ein Cloud-Umsatzwachstum von 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bei einer gleichzeitigen Cloud-Marge von 11 Prozent. Der Markt reagierte am Freitag moderat positiv auf die Gemengelage; die Aktie ging im deutschen Handel bei 107,00 Euro aus dem Markt.
Kapitalmaßnahmen und rechtliche Risiken
Neben der operativen Entwicklung stehen strukturelle Themen auf der Agenda. Für die Hauptversammlung am 22. September plant das Management, sich neue Mandate für Aktienemissionen und Rückkäufe von jeweils bis zu 10 Prozent der ausgegebenen Anteile einzuholen. Dies würde das bestehende Rückkaufprogramm im Volumen von 65 Milliarden US-Dollar ergänzen, das bis März 2027 läuft.
Aus einer aktuellen Pflichtmitteilung geht zudem hervor, dass Alibaba zum Ende des letzten Quartals US-gelistete Aktienpositionen im Gesamtwert von rund 509 Millionen US-Dollar hielt.
Trotz der technologischen Fortschritte bleibt das rechtliche Umfeld herausfordernd. Investoren wurden kürzlich an eine Frist am 5. Oktober erinnert, um sich einer Sammelklage in den USA anzuschließen. Dabei geht es um Vorwürfe, das Unternehmen habe unrechtmäßig auf KI-Modelle von Anthropic zugegriffen und regulatorische Risiken nicht ausreichend offengelegt. Zudem veräußerte Finanzvorstand Hong Xu am Donnerstag Anteile im Wert von rund 2,1 Millionen US-Dollar, um Steuerverpflichtungen zu decken.
An der Börse hat Alibaba trotz der jüngsten KI-Erfolge noch Aufholpotenzial. Das Papier notiert aktuell 16 Prozent unter dem Niveau vom Jahresanfang. Zudem liegt der Kurs mit einem Abschlag von 9,9 Prozent noch immer deutlich unter dem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage. Anleger dürften daher mit Spannung auf die Zahlen am Donnerstag blicken, um zu sehen, ob die operativen Fortschritte die Trendwende im Chart einleiten können.
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