Erst der Jubel, dann die Ernüchterung. Nachdem Alibaba seine Expansionspläne für Cloud und künstliche Intelligenz vorgestellt hatte, sprang die Aktie zunächst deutlich nach oben. Nur einen Tag später schickt eine Analystenrevision das Papier wieder auf Talfahrt.
Auslöser ist die Ankündigung, die weltweite Rechenzentrumskapazität bis 2032 auf 20 Gigawatt auszubauen. Neue Cloud-Regionen sollen in den kommenden zwölf Monaten in der Türkei, Finnland und den Niederlanden entstehen, weitere Kapazitäten in Deutschland, Malaysia, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Frankreich und Hongkong hinzukommen. Damit tritt Alibaba außerhalb Asiens zunehmend gegen Amazon und Alphabet an.
Citi schraubt Investitionsschätzungen deutlich hoch
Die Citigroup hat als Reaktion ihre Prognosen für Alibabas Investitionsausgaben zwischen 2027 und 2029 kräftig angehoben. Für 2027 rechnen die Analysten nun mit umgerechnet 38,5 Milliarden Dollar, für 2028 mit 42,2 Milliarden Dollar und für 2029 mit 42,0 Milliarden Dollar. Das liegt 13 bis 57 Prozent über den bisherigen Schätzungen.
Begründet wird die Anhebung mit Aussagen von CEO Eddie Wu auf der Apsara-Konferenz, wonach Alibaba die milliardenschweren Investitionen teilweise gemeinsam mit Industriepartnern stemmen will.
Langfristig sieht Citi in dem globalen Rechenzentrumsnetzwerk Potenzial für mehr als 160 Milliarden Dollar an externen Cloud-Umsätzen. Kurzfristig überwiegt an der Börse allerdings die Sorge um die Profitabilität, die durch hohe Capex-Ausgaben in den vergangenen Quartalen bereits belastet war.
Die Kombination aus wachsenden Investitionszusagen und ungeklärter Marge lässt Anleger nervös reagieren. Vor dem offiziellen US-Handel notiert die Aktie am Mittwoch rund sieben Prozent unter ihrem am Vortag markierten Monatshoch.
Eigene Chips als zweite Säule
Parallel zur Infrastruktur-Offensive treibt Alibaba die Entwicklung eigener KI-Chips voran, die für das Training sogenannter Frontier-Modelle ausgelegt sein sollen. Hinzu kommt die Arbeit an neuen Basismodellen mit fünf bis zehn Billionen Parametern. Der Konzern will damit zentrale Teile seiner KI-Infrastruktur selbst kontrollieren und Abhängigkeiten von externen Zulieferern senken.
Ob sich die höheren Ausgaben in absehbarer Zeit in Umsätzen niederschlagen, bleibt für die kommenden Quartalsberichte die entscheidende Messgröße. Bis dahin dürfte die Aktie zwischen Wachstumsfantasie und Margendruck schwanken.
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