Alibaba hat am Montag ein neues KI-Schwergewicht vorgestellt und den Aktienkurs in Hongkong prompt um rund sieben Prozent nach oben getrieben. Das neue Spitzenmodell namens Qwen3.8-Max soll laut Unternehmen auf Augenhöhe mit den stärksten globalen Systemen liegen, darunter auch Modellen aus den USA. Für Anleger ist das ein Signal, dass der chinesische Technologiekonzern im Rennen um künstliche Intelligenz kräftig aufgeholt hat.
Ein Modell der Superlative
Das neue System basiert auf 2,4 Billionen Parametern. Parameter sind vereinfacht gesagt die Stellschrauben, mit denen ein KI-Modell lernt, je mehr davon vorhanden sind, desto komplexer und leistungsfähiger kann es arbeiten. Alibaba betont vor allem die Stärken beim eigenständigen Programmieren. In internen Tests soll das Modell ein Softwareprojekt über einen Zeitraum von 16 Tagen komplett allein abgeschlossen haben. Bei mehreren Vergleichstests habe Qwen3.8-Max zudem das erst kürzlich veröffentlichte Modell eines Wettbewerbers übertroffen.
Offener Zugang als Kampfansage
Besonders brisant ist die Ankündigung, die sogenannten Gewichte des Modells kommende Woche zum freien Download bereitzustellen. Damit können Entwickler das System auf eigener Hardware betreiben und anpassen. Das steht im Gegensatz zur Strategie führender US-Anbieter wie OpenAi und Anthropic, die ihre stärksten Modelle meist unter Verschluss halten und dafür höhere Gebühren verlangen.
Analysten weisen darauf hin, dass chinesische Modelle mit offenen Gewichten oft nur einen Bruchteil der amerikanischen Konkurrenz kosten. Für viele Anwendungsfälle, in denen ausreichende Qualität genügt, könnte das den Preisvorteil der teuren Spezialanbieter untergraben.
Alibaba Aktie Chart
Wettlauf mit hohem Einsatz
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der Alibaba massiv in Rechenzentren und Cloud-Kapazitäten investiert, um sowohl gegen heimische Rivalen als auch gegen die großen US-Entwickler anzutreten. Die US-Aktie hat in den vergangenen vier Wochen bereits kräftig zugelegt. Der technologische Fortschritt ist beeindruckend und könnte den Konzernwert in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen.
Offen bleibt allerdings, wie profitabel das aggressive Preismodell auf Dauer trägt und wie stark die politischen Spannungen zwischen den USA und China das Geschäft noch belasten könnten. Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob die aktuelle Euphorie mehr ist als ein kurzes Strohfeuer.
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