Ein Kursziel wird gesenkt, das Rating bleibt trotzdem „Outperform“ — dieser scheinbare Widerspruch bringt die aktuelle Lage bei Alibaba auf den Punkt. Baird kappte das Kursziel für die US-Notierung von 164 auf 160 Dollar, sieht aber weiterhin erhebliches Aufwärtspotenzial. Der breitere Analystenkonsens rechnet sogar mit Kurssteigerungen von rund 46 Prozent.
Der Grund für die Zurückhaltung liegt auf der Hand: Alibaba investiert aggressiv in Künstliche Intelligenz, während das E-Commerce-Geschäft in einem schwierigen Umfeld verteidigt werden muss. Das drückt kurzfristig auf Marge und Cashflow. Baird zählt Alibaba dennoch zu den führenden Playern im Cloud- und KI-Bereich und empfiehlt die Aktie eher langfristig orientierten Investoren.
Starke Cloud-Zahlen, schwache Profitabilität
Die zugrunde liegenden Quartalszahlen zeigen genau dieses Spannungsfeld. Der Umsatz stieg um 9 Prozent auf 268,95 Milliarden Yuan, das Cloud-Geschäft wuchs sogar um 45 Prozent — angetrieben von KI-Workloads, die bereits im zwölften Quartal in Folge dreistellig zulegen. Gleichzeitig brach der Nettogewinn um rund 75 Prozent ein, deutlich unter den Erwartungen der Analysten.
Auch im Quick-Commerce-Geschäft verbessern sich zwar die Unit Economics, das Segment schreibt aber weiterhin Verluste. Die Investitionen ins Kerngeschäft und in KI-Infrastruktur belasten die Kasse spürbar — hinzu kommt eine Belastung durch eine EU-Kartellstrafe.
An der Hongkonger Börse reagierten die Anleger entsprechend nervös: Die Aktie fiel am Freitag rund 2 bis 3 Prozent, während der breitere Hang-Seng-Index zulegte. Konkurrent JD.com konnte sich dem Abwärtstrend sogar leicht entziehen.
Wachstumsbremse im Kerngeschäft
Besonders die schwächelnde China-Kundenmanagement-Sparte bereitet Sorgen. Die Erlöse fielen um 7 Prozent, bereinigt um Bilanzierungseffekte blieb nur ein mageres Plus von 1 Prozent. Als Ursache nannte das Unternehmen eine schwächere Transaktionsaktivität im Kerngeschäft.
Analysten wie bei Tiger Securities argumentieren dagegen, die hohen Investitionsausgaben des Quartals ließen sich nicht einfach hochrechnen, da Hardware-Lieferungen und Beschaffungszyklen schwanken. Andere Häuser wie Benchmark und Mizuho bestätigten trotz der schwachen Gewinnzahlen ihre Kaufempfehlungen mit Kurszielen von 220 beziehungsweise 195 Dollar für die US-Notierung.
Die Spanne der Kursziele zeigt: Ein einheitliches Bild gibt es nicht. Zwischen 160 und 220 Dollar liegen die Erwartungen der Analysten für die US-Aktie — je nachdem, wie stark man das Cloud-Wachstum gegen die kurzfristige Margenbelastung gewichtet.
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