Die Aktie von Alibaba gerät am heutigen Donnerstag massiv unter Verkaufsdruck. Neben einer schwachen Branchenstimmung belasten vor allem neue juristische Fronten in den USA sowie schwere Vorwürfe im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) das Papier. Im deutschen Handel verliert der Wert 4,1 % und notiert bei 98,80 €.
US-Sammelklagen wegen verschwiegener Militärkontakte
Mehrere US-Anwaltskanzleien, darunter Hagens Berman, Robbins LLP und die Rosen Law Firm, haben Wertpapier-Sammelklagen gegen die Alibaba Group Holding Limited eingeleitet.
Den Kern der Vorwürfe bildet die Behauptung, der Konzern habe seine Einstufung als „chinesisches Militärunternehmen“ durch das US-Verteidigungsministerium (DoD) sowie enge Verbindungen zum Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) nicht rechtzeitig offengelegt.
Anleger, die im Zeitraum vom 26. Juni 2025 bis zum 24. Juni 2026 Anteile erworben haben, können sich bis zum 5. Oktober 2026 als Hauptkläger registrieren lassen. Die Kläger werfen dem Management vor, irreführende Angaben über die nationale Sicherheitsexposition des Unternehmens gemacht zu haben. Diese Unklarheiten führten laut den Kanzleien zu erheblichen Kursverlusten, als die tatsächlichen Einstufungen durch die US-Behörden bekannt wurden.
Schwere Vorwürfe wegen KI-Diebstahls bei Anthropic
Zusätzlich zu den juristischen Auseinandersetzungen mit Investoren sieht sich Alibaba mit dem Vorwurf des Technologiediebstahls konfrontiert. Berichten zufolge beschuldigt das KI-Unternehmen Anthropic den chinesischen Konzern, durch sogenannte „KI-Destillationsangriffe“ Wissen aus dem Sprachmodell Claude extrahiert zu haben. Dabei sollen rund 25.000 gefälschte Konten genutzt worden sein, um über 28,8 Millionen Abfragen (Prompts) zu generieren.
Ziel dieser koordinierten Aktion sei es gewesen, fortgeschrittene Fähigkeiten von Claude in den Bereichen Software-Engineering und logisches Denken für die eigene Modellentwicklung zu übernehmen.
Das Weiße Haus stuft solche Vorfälle als Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA ein, da sie den unrechtmäßigen Transfer von KI-Fortschritten ermöglichen. Alibaba wehrt sich indessen rechtlich gegen die Einstufung durch das US-Verteidigungsministerium und hat eine Klage eingereicht, um von der Liste der Militärunternehmen gestrichen zu werden.
Strategischer Fokus auf KI-Wachstum trotz Gegenwind
Trotz der rechtlichen und geopolitischen Spannungen hält die Konzernführung an ihrem Expansionskurs im Bereich der Künstlichen Intelligenz fest. CEO Wu Yongming betonte in einer Stellungnahme zum Abschluss des Geschäftsjahres, dass die Investitionssicherheit im KI-Sektor hoch sei und man in den kommenden zwei Jahren weiterhin massiv investieren werde.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte die Cloud-Sparte ihren externen Umsatz um 40 % steigern, wobei KI-bezogene Produkte bereits rund 30 % dieses Volumens ausmachen.
Der Kapitalmarkt reagiert dennoch skeptisch auf die Kombination aus regulatorischem Druck und strategischen Investitionskosten. Mit dem aktuellen Kursrücksetzer vergrößert sich der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 117,38 € auf minus 16 %.
Auch vom 52-Wochen-Hoch bei 164,20 € bleibt die Aktie mit einem Abschlag von 40 % weit entfernt. Anleger dürften in den kommenden Wochen vor allem die Entwicklungen im US-Rechtsstreit und mögliche politische Konsequenzen aus den Spionagevorwürfen beobachten.
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