Nippon Paint und Sherwin-Williams wollten Akzo Nobel gemeinsam schlucken — der Vorstand hat nein gesagt. Und der Markt feiert dieses Nein mit einem Kurssprung, der seinesgleichen sucht.
Zwei Bieter, ein abgelehntes Angebot
Das Gemeinschaftsangebot sah 73,00 Euro je Aktie in bar vor — ein Aufschlag von rund 39 Prozent auf den Schlusskurs vor der Bekanntmachung. Dem Wert nach wäre Akzo Nobel damit mit knapp 12,5 Milliarden Euro bewertet worden. Nippon Paint hätte demnach die Dekorfarben und industriellen Lacksparten behalten, während Sherwin-Williams die Bereiche Automotive, Marine und Pulverlacke übernommen hätte — eine Aufspaltung des Konzerns unter zwei Käufer.
Genau daran stieß sich der Vorstand. Das Angebot unterbewertet das Unternehmen, biete keine ausreichende Sicherheit über regulatorische Genehmigungen und würde den Konzern zerschlagen, so die Begründung. Das sei kein „überlegenes Angebot“ im Sinne der bestehenden Fusionsvereinbarung — und werde diese Schwelle voraussichtlich auch nicht erreichen.
Axalta bleibt die Wahl des Vorstands
Akzo Nobel hält an der geplanten Fusion mit dem US-Konkurrenten Axalta fest, die im November 2025 angekündigt wurde. Der Zusammenschluss würde einen kombinierten Konzern mit einem Unternehmenswert von 25 Milliarden Dollar schaffen, zunächst doppelt gelistet in Amsterdam und New York. Bis Ende 2026 oder Anfang 2027 soll die Transaktion abgeschlossen sein. Akzo Nobel und Axalta rechnen dabei mit jährlichen Kosteneinsparungen von 600 Millionen Dollar, die innerhalb der ersten drei Jahre realisiert werden sollen.
Das Angebot von Nippon Paint und Sherwin-Williams war bereits das zweite: Ein erstes war Mitte April eingegangen und Ende April abgelehnt worden. Das nun öffentlich gemachte Angebot vom 1. Mai folgte demselben Schicksal.
Marktreaktion deutlich positiv
Der Aktienkurs sprang in der Spitze auf rund 61 Euro — ein Tagesgewinn von mehr als 16 Prozent und die stärkste Kursbewegung seit Oktober 2008. Das ist keine alltägliche Reaktion auf eine Ablehnung. Anleger scheinen das Scheitern des Angebots vor allem als Bestätigung zu interpretieren, dass Akzo Nobel mehr wert ist als der aktuelle Kurs lange vermuten ließ. Das Angebot hat den Boden des inneren Werts für viele neu kalibriert.
Ob Nippon Paint und Sherwin-Williams nachbessern oder das Feld räumen, entscheidet sich nun in den kommenden Wochen. Bis dahin liegt der Fokus auf der Axalta-Fusion — und auf der Frage, ob der Markt das Tempo der Integrationsplanung als glaubwürdig genug bewertet, um die neu gesetzten Kurserwartungen zu rechtfertigen.
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