Akamai: Der nächste KI-Überflieger an der Börse?

Der Siebenjahresvertrag umfasst 11,6 Milliarden Dollar, erfordert hohe Vorabinvestitionen und kann Anthropic bis zu fünf Prozent Beteiligung ermöglichen.

Auf einen Blick:
  • Anthropic sagt 11,6 Milliarden Dollar zu
  • Vertrag umfasst sieben Jahre Laufzeit
  • Akamai plant rund 5,5 Milliarden Dollar Investitionen
  • Anthropic erhält Optionen auf bis zu fünf Prozent

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

vor wenigen Tagen hat Akamai Technologies den größten Auftrag seiner 28-jährigen Firmengeschichte gemeldet. Viele Anleger haben das Unternehmen noch als Internet-Lieferdienst aus den Neunzigerjahren im Kopf. Nun sagt ausgerechnet Anthropic, der Entwickler des KI-Modells Claude, Zahlungen über 11,6 Milliarden Dollar zu. Die Laufzeit beträgt sieben Jahre. Die Aktie legte daraufhin zweistellig zu.

Wer nur auf die Summe schaut, übersieht allerdings den brisantesten Teil der Vereinbarung. Anthropic kauft nicht bloß Rechenleistung ein. Der KI-Konzern erhält zusätzlich das Recht, sich an Akamai zu beteiligen. Für Aktionäre ändert das die Rechnung.

Akamai: Vom Datenkurier zum KI-Rechenzentrum

Akamai ist mit einem einfachen Prinzip groß geworden. Das Unternehmen betreibt Server in über 130 Ländern und mehr als 700 Städten. Videostreams, Software-Updates und Webseiten kommen so aus der Nähe des Nutzers statt vom anderen Ende der Welt. Dieses klassische Auslieferungsgeschäft schrumpft jedoch. Im zweiten Quartal fiel der Umsatz der Sparte um sechs Prozent auf 396 Millionen Dollar. Kunden setzen bei Vertragsverlängerungen niedrigere Preise durch. Die großen Cloud-Konzerne bieten vergleichbare Dienste längst selbst an.

Aus der Rolle als Verkehrsknoten des Internets entstand das zweite Standbein. Wer den Datenverkehr sieht, kann ihn auch schützen. Die Sicherheitssparte wehrt Überlastungsangriffe ab, filtert schädliche Bots und sichert Programmierschnittstellen. Mit 604 Millionen Dollar Umsatz und zehn Prozent Wachstum stellt sie inzwischen mehr als die Hälfte der Konzernerlöse. Nach Angaben von Akamai hat sich der schädliche Bot-Verkehr zwischen Juli 2025 und Juni 2026 mehr als verdoppelt. KI-Agenten, die selbstständig im Netz agieren, verschärfen diesen Trend.

Das dritte Standbein ist das jüngste. Seit 2025 vermietet Akamai unter dem Namen Cloud Infrastructure Services Rechenleistung, vor allem für KI-Anwendungen. Das Unternehmen verteilt diese Kapazität auf viele kleinere Standorte in Nutzernähe. Amazon, Microsoft und Google setzen dagegen stärker auf große Zentralrechenzentren. Im zweiten Quartal wuchs die Cloud-Sparte um 39 Prozent auf 99 Millionen Dollar. Gemessen am Quartalsumsatz von 1,1 Milliarden Dollar blieb sie damit ein kleiner Posten.

Anthropic-Deal: Die Dimension in Zahlen

Die Größe des Vertrags erschließt sich erst im Vergleich. Auf sieben Jahre verteilt ergeben 11,6 Milliarden Dollar gut 1,6 Milliarden Dollar pro Jahr. Die gesamte Cloud-Infrastruktur-Sparte setzte 2025 lediglich 314 Millionen Dollar um. Ein einzelner Kunde bringt damit rechnerisch mehr als das Fünffache des bisherigen Jahresumsatzes der Sparte. Für den Gesamtkonzern peilt Akamai 2026 Erlöse zwischen 4,45 und 4,53 Milliarden Dollar an.

Dazu kommt eine Option. Anthropic kann die Abnahme um weitere neun Milliarden Dollar ausweiten. Das Gesamtvolumen läge dann bei rund 20 Milliarden Dollar. Schon zuvor hatte Akamai in diesem Jahr Cloud-Aufträge über mehr als 2,8 Milliarden Dollar eingesammelt. Darunter ist ein Vertrag über mehr als 600 Millionen Dollar mit einem US-Technologiekonzern aus der Robotik.

Auffällig ist die Art der gebuchten Rechenleistung. Der neue Vertrag betrifft ausschließlich klassische Prozessoren, sogenannte CPUs. Der KI-Boom drehte sich bisher vor allem um Grafikchips, mit denen Modelle trainiert werden. KI-Agenten erledigen jedoch viele Arbeitsschritte auf herkömmlichen Prozessoren. Sie rufen Webseiten ab, führen Programmcode aus und koordinieren Teilaufgaben. Mit jedem neuen Agenten wächst dieser Bedarf. Akamai betreibt seit Jahrzehnten riesige CPU-Flotten für Auslieferung und Sicherheit und kennt dieses Geschäft daher gut.

Der Haken: Aktien als Zugabe

Nun zu dem Teil, den Aktionäre genau lesen sollten. Akamai räumt Anthropic Optionsrechte auf bis zu fünf Prozent der ausstehenden Aktien ein. Rund zwei Prozent werden mit dem Basisvertrag wirksam. Jeder zusätzliche Auftrag über drei Milliarden Dollar schaltet ein weiteres Prozent frei.

Für Altaktionäre bedeutet das eine mögliche Verwässerung ihres Anteils. Gleichzeitig zeigt die Konstruktion, wie knapp Rechenkapazität derzeit ist. Anthropic lässt sich die Treue zu einem Anbieter mit Beteiligungsrechten vergüten. Akamai wiederum bindet den Großkunden enger an sich. Beide Seiten gewinnen, solange die Geschäftsbeziehung wächst.

Wichtig ist auch das Kleingedruckte in der Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC. Die Zahlungszusagen hängen davon ab, dass Akamai bestimmte Liefer- und Verfügbarkeitsanforderungen erfüllt. Unter bestimmten Bedingungen können beide Seiten den Vertrag beenden. Die 11,6 Milliarden Dollar sind also kein garantierter Umsatz.

Erst investieren, dann kassieren

Zunächst kostet der Auftrag viel Geld. Akamai beziffert die nötigen Investitionen auf rund 5,5 Milliarden Dollar. Allein 2026 steigen die Ausgaben um etwa 1,7 Milliarden Dollar. Das Unternehmen kauft Bauteile wie Speicherchips vorab ein, um Lieferengpässen zuvorzukommen. Steigende Kosten für Speicher oder Hardware kann Akamai nach Angaben des Managements über Preisanpassungen an die Kunden weitergeben. Das begrenzt das Risiko steigender Einkaufspreise. Die Umsatzprognose für 2026 bleibt vom Vertrag unberührt. Nennenswerte Erlöse aus dem Deal erwarten Marktbeobachter erst ab Ende 2027.

Schon vor dem Anthropic-Vertrag lagen die Investitionen hoch. Im zweiten Quartal flossen 347 Millionen Dollar in neue Anlagen, das entsprach 32 Prozent des Umsatzes. Für das Gesamtjahr plante das Management mit rund 40 Prozent. Die Folgen zeigen sich in der Marge. Die operative Marge nach US-Bilanzierungsregeln fiel im zweiten Quartal auf sieben Prozent. Ein Jahr zuvor waren es noch 15 Prozent.

Die Risiken der Akamai-Aktie

Das offensichtlichste Risiko ist die Abhängigkeit von wenigen Großkunden. Anthropic dürfte in den kommenden Jahren zum mit Abstand wichtigsten Abnehmer der Cloud-Sparte aufsteigen. Gerät der KI-Konzern ins Stocken, trifft das Akamai direkt. Hinzu kommt der Wettbewerb mit Amazon, Microsoft und Google, die über ungleich größere Budgets verfügen. In der Sicherheitssparte kämpfen Cloudflare, CrowdStrike und Palo Alto Networks um dieselben Kunden.

Auch die Finanzierung verdient Aufmerksamkeit. Akamai hat den Ausbau bereits mit Wandelanleihen in Milliardenhöhe finanziert. Weitere Kapitalaufnahmen sind wahrscheinlich, und höhere Zinsen verteuern jeden zusätzlichen Dollar. Knappe Flächen in Rechenzentren und begrenzte Stromanschlüsse können zudem den Zeitplan verzögern. Das Management selbst verweist auf angespannte Lieferketten.

Auf der anderen Seite steht ein Signal, das über Anthropic hinausreicht. Finanzchef Ed McGowan berichtet von neuen Anfragen potenzieller Kunden. Viele von ihnen hatten Akamai Aufträge dieser Größenordnung bisher schlicht nicht zugetraut. Der Anthropic-Vertrag wirkt damit auch als Referenz im Wettbewerb um weitere KI-Kunden.

Fazit: Eine Wette auf die Rechenlast der KI-Agenten

Akamai hat mit dem Anthropic-Vertrag gezeigt, dass sein verteiltes Netz für die größten KI-Entwickler taugt. Die Aktie spiegelt damit weniger den Internet-Dienstleister von gestern als eine Wette auf den Rechenbedarf von KI-Agenten. Der Preis dieser Wette steht bereits fest. Er besteht aus Milliardeninvestitionen vorab, sinkenden Margen und bis zu fünf Prozent des Unternehmens für einen einzigen Kunden. Ob sich das lohnt, entscheidet sich erst ab 2027, wenn die ersten Umsätze aus dem Vertrag in die Bilanz fließen.

Akamai-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Akamai-Analyse vom 29. September liefert die Antwort:

Die neusten Akamai-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Akamai-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 29. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Akamai: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Disclaimer

Die auf finanztrends.de angebotenen Beiträge dienen ausschließlich der Information. Die hier angebotenen Beiträge stellen zu keinem Zeitpunkt eine Kauf- beziehungsweise Verkaufsempfehlung dar. Sie sind nicht als Zusicherung von Kursentwicklungen der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren ist risikoreich und birgt Risiken, die den Totalverlust des eingesetzten Kapitals bewirken können. Die auf finanztrends.de veröffentlichen Informationen ersetzen keine, auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtete, fachkundige Anlageberatung. Es wird keinerlei Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden übernommen. finanztrends.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinen Einfluss und vor Veröffentlichung sämtlicher Beiträge keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand dieser. Die Veröffentlichung der namentlich gekennzeichneten Beiträge erfolgt eigenverantwortlich durch Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen o.ä. Demzufolge kann bezüglich der Inhalte der Beiträge nicht von Anlageinteressen von finanztrends.de und/ oder seinen Mitarbeitern oder Organen zu sprechen sein. Die Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen usw. gehören nicht der Redaktion von finanztrends.de an. Ihre Meinungen spiegeln nicht die Meinungen und Auffassungen von finanztrends.de und deren Mitarbeitern wider. (Ausführlicher Disclaimer)