Ein Vertrag im Volumen von bis zu 20 Milliarden Dollar lässt die Akamai-Aktie vorbörslich zweistellig steigen. Noch bemerkenswerter als der Kurssprung selbst ist aber, wie unterschiedlich Analysten die Tragweite des Deals einschätzen.
Anthropic bindet sich langfristig
Akamai und der KI-Anbieter Anthropic haben ihre Zusammenarbeit deutlich ausgeweitet. Über sieben Jahre soll die Akamai Cloud die wachsenden CPU-Workloads von Anthropic übernehmen — ein Auftragsvolumen von 11,6 Milliarden Dollar, das sich um weitere 9 Milliarden Dollar aufstocken lässt.
Als Gegenleistung erhält Anthropic Optionsscheine auf Akamai-Aktien: Zunächst rund 2 Prozent der ausstehenden Anteile, bei voller Vertragsausweitung bis zu 5 Prozent, zum Ausübungspreis von 111,33 Dollar je Aktie.
Die jährliche Vertragssumme entspricht mehr als dem Fünffachen der Cloud-Infrastruktur-Umsätze, die Akamai 2025 verbuchte, und rund 40 Prozent des gesamten Konzernumsatzes. Zur Einordnung: Die Vereinbarung ergänzt bereits bestehende mehrjährige Zusagen anderer Kunden von über 2,8 Milliarden Dollar aus diesem Jahr.
Die Umsatzprognose für 2026 bleibt unverändert, allerdings steigen die Investitionsausgaben um rund 1,7 Milliarden Dollar, um Lieferkettenkomponenten wie Speicher frühzeitig zu sichern.
Gespaltenes Analystenbild trotz Kaufwelle
Die Reaktion der Investmenthäuser fällt fast einhellig positiv aus, bei der Höhe der neuen Kursziele klaffen die Einschätzungen jedoch weit auseinander. UBS hob sein Ziel auf 148 Dollar an, bleibt aber bei „Neutral“ und verweist auf mögliche Belastungen bei Marge und freiem Cashflow durch die anlaufenden Großverträge.
Guggenheim zeigt sich deutlich optimistischer: Das Kursziel wandert auf 225 Dollar, die Einstufung bleibt „Kaufen“. Insgesamt liegen die Ziele der Wall-Street-Häuser damit in einer Spanne von 148 bis 225 Dollar — ein Hinweis darauf, wie unterschiedlich der langfristige Margeneffekt des Deals bewertet wird.
UBS gibt zudem zu bedenken, dass Akamai für die zusätzlichen Investitionsausgaben von 5,5 Milliarden Dollar über die kommenden zwei Jahre möglicherweise zusätzliche Finanzierung benötigt. Mit 4,6 Milliarden Dollar Barmitteln und einer Kreditlinie von 1 Milliarde Dollar verfügt der Konzern zwar über Spielraum, die Aktie handle laut UBS aber bereits mit einem Bewertungsaufschlag, der einen Großteil des Optimismus vorwegnimmt.
Kündigungsrechte als Unsicherheitsfaktor
Der Vertrag räumt Anthropic Kündigungsrechte ein, etwa bei erheblichen Ausfällen oder Vertragsverstößen. Die genannte Gesamtsumme von bis zu 20 Milliarden Dollar entspricht damit nicht automatisch bereits gesichertem Umsatz.
Wie sich die Partnerschaft konkret auf die kommenden Quartalszahlen auswirkt, dürfte für Anleger der nächste wichtige Prüfstein sein — insbesondere mit Blick darauf, ob sich die Investitionen in der Marge niederschlagen, bevor die vollen Umsatzeffekte greifen.
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