Ein Auftragsplus von 81 Prozent, sinkender Umsatz und trotzdem ein Kurssprung von fast sechs Prozent — bei Aixtron passen die Einzelteile gerade nicht zusammen, wie man es erwarten würde. Der Grund liegt in der Zusammensetzung des Geschäfts: Optoelektronik für KI-Rechenzentren wächst rasant, während klassische Leistungselektronik weiter schwächelt.
Auftragsboom bei Lasertechnik
Der Anlagenbauer aus Herzogenrath meldete für das zweite Quartal einen Auftragseingang von 214,5 Millionen Euro — ein Plus von rund 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit wuchs der Auftragsbestand auf knapp 457 Millionen Euro. Treiber ist die Nachfrage nach Anlagen für Laserkomponenten, die in KI-Rechenzentren Kupferkabel durch optische Datenübertragung ersetzen.
Der Umsatz ging im gleichen Zeitraum um 16 Prozent auf 115 Millionen Euro zurück, der operative Gewinn sank um 38 Prozent auf 14,7 Millionen Euro. Vorstandschef Felix Grawert bezeichnete das erste Halbjahr dennoch als „wichtigen Wendepunkt“ mit hoher Visibilität für den bevorstehenden Produktionshochlauf. Größere Auslieferungen der Lasersysteme sollen ab dem dritten Quartal beginnen und sich weit über das laufende Jahr hinaus erstrecken.
Leistungselektronik bleibt Bremsklotz
Während Optoelektronik im zweiten Quartal rund drei Viertel der Anlagenaufträge ausmachte, bleibt die Nachfrage nach Anlagen für Leistungshalbleiter sowie für Micro-LED und LED verhalten. Aixtron-Management verwies in der Telefonkonferenz mit Analysten darauf, dass die komplexeren Lasersysteme ein etwas besseres Margenprofil mitbringen — die Bruttomarge könnte 2027 entsprechend anziehen. Parallel investiert das Unternehmen rund 40 Millionen Euro in eine neue Produktionsstätte in Malaysia, um Fertigungskapazitäten und Lieferketten breiter aufzustellen.
Für das dritte Quartal stellte Grawert Erlöse zwischen 160 und 200 Millionen Euro in Aussicht. Die im April angehobenen Jahresziele wurden bestätigt: Umsatz von 560 Millionen Euro plus/minus 30 Millionen bei einer EBIT-Marge zwischen 17 und 20 Prozent.
Die Aktie tat sich im frühen Handel zunächst schwer, zog dann aber deutlich an und notierte am Nachmittag bei 35,28 Euro — knapp sechs Prozent im Plus und einer der stärksten MDax-Werte des Tages. Damit versucht das Papier, sich vom jüngsten Rückschlag zu erholen: Seit dem Hoch von fast 63 Euro Mitte Juni hatte die Aktie zwischenzeitlich fast die Hälfte ihres Werts verloren, ausgelöst durch Gewinnmitnahmen bei stark gelaufenen KI-Titeln. Trotz des Rückschlags liegt Aixtron im laufenden Jahr noch immer rund doppelt so hoch wie zum Jahresstart.
Analyst Abed Jarad von MWB Research stufte die Aktie am Donnerstag von „Hold“ auf „Buy“ hoch, das Kursziel von 40 Euro blieb unverändert. Er begründet den Schritt mit mehrjährigem Rückenwind durch KI-getriebene Optoelektronik und zusätzlichem Potenzial aus der Leistungselektronik, sobald sich deren Nachfrage erholt.
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