Der Anlagenbauer Aixtron steht an einer Weggabelung. Auf der einen Seite festigt das Unternehmen seine Position in der Leistungselektronik – eine strategische Partnerschaft mit einem japanischen Hersteller untermauert das. Auf der anderen Seite warnen Analysten vor fundamentalen Problemen. Die Aktie reagiert dennoch positiv, notiert am Donnerstag bei 55,38 Euro und legt 4,06 Prozent zu.
Ein Meilenstein in Japan
Aixtron arbeitet künftig mit ROHM Semiconductor zusammen. Das japanische Unternehmen installiert in seinem Werk Hamamatsu ein G10-GaN MOCVD-System des deutschen Anlagenbauers. Die Maschine produziert 8-Zoll-GaN-Epitaxie-Wafer für Leistungsplattformen mit 650V und 100V. „Das stärkt unsere Position im Bereich der modernen Leistungselektronik“, heißt es aus dem Unternehmen. Die G10-Plattform gewinnt damit weiter an industrieller Relevanz.
Der Deal könnte die Abhängigkeit vom chinesischen Markt reduzieren helfen – ein strategischer Vorteil in einem geopolitisch unsicheren Umfeld.
Analysten warnen: „Verkaufen“
Doch die fundamentale Bewertung gibt Anlass zur Skepsis. Die mwb research AG hat die Aktie auf „SELL“ gesetzt. Das Kursziel: 40,00 Euro – gut 27 Prozent unter dem aktuellen Niveau. Die Begründung liest sich wie eine Risikoliste: Architekturverzögerungen bei optischen Technologien und Co-Packaged-Optics-Programmen belasten die Perspektiven. Hinzu kommen exportbedingte Engpässe bei Indiumphosphid-Substraten – ein Problem, das den wichtigen chinesischen Markt direkt trifft.
Die Analysten sehen den aktuellen Kurs als der fundamentalen Entwicklung weit vorausgeeilt. Kurz gesagt: Die Aktie ist teuer, wenn man auf die kurze Frist schaut.
Volatil, aber erholt
Die Aktie hat sich in den vergangenen Monaten massiv erholt. Vom 52-Wochen-Tief bei 12,02 Euro liegt sie inzwischen mehr als 360 Prozent entfernt. Das Hoch ist mit 61,10 Euro notiert – rund neun Prozent über dem aktuellen Niveau. Der 50-Tage-Durchschnitt von 47,97 Euro und der 200-Tage-Durchschnitt von 26,79 Euro sind klar überboten. Der RSI liegt mit 54,3 in neutraler Zone. Die annualisierte Volatilität beträgt 71,6 Prozent – ein Zeichen für die anhaltende Nervosität im Markt.
Ob Aixtron die Analystenzweifel widerlegen kann, zeigt sich in den kommenden Monaten. Neue Aufträge aus Japan und Fortschritte bei der Substratversorgung wären erste Signale. Die Messlatte liegt hoch.
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