Der Halbleitersektor zeigt sich zum Wochenschluss in Kauflaune – und Aixtron profitiert kräftig davon. Die Aktie des Herzogenrather Anlagenbauers legt am heutigen Freitag um 2,7 Prozent zu und notiert bei 36,40 Euro. Auslöser ist ein Zahlenwerk von Nvidia vom Donnerstag, das die Stimmung im gesamten Chipsektor aufgehellt hat.
Sektor-Rally trifft auf angeschlagenes Chartbild
Der Kursanstieg fällt in eine Phase, in der Aixtron charttechnisch unter Druck stand. Die Aktie notiert derzeit rund 10 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 40,51 Euro – ein Hinweis darauf, dass der jüngste Sprung zunächst eine Erholungsbewegung innerhalb eines mittelfristigen Abwärtstrends ist, keine Trendwende.
Bereits Mitte August war der Titel unter seine 20-Tage-Linie gefallen, nachdem Gewinnmitnahmen im gesamten Chipsektor die Kurse belastet hatten. Auch Anfang August hatten Berichte über Zurückhaltung bei SK Hynix die Branche gedämpft, ehe sich die Stimmung kurzzeitig besserte und Aixtron sich bei rund 40 Euro stabilisierte.
Der aktuelle Impuls ist damit branchenweiter Natur und nicht auf eine Aixtron-eigene Meldung zurückzuführen. Anleger reagieren auf die verbesserte Perspektive für Chiphersteller insgesamt, von der Zulieferer wie Aixtron als Ausrüster indirekt profitieren.
Fundamentaler Rahmen bleibt angespannt
Der positive Kurstag ändert nichts an der Ausgangslage, die Aixtron mit seinen Zahlen zum ersten Halbjahr vor rund einem Monat gezeichnet hatte: Der Umsatz war deutlich rückläufig, während der Auftragseingang im zweiten Quartal kräftig zulegte und der Auftragsbestand auf 457 Millionen Euro anwuchs.
Das Unternehmen bestätigte damals seine Jahresguidance von 560 Millionen Euro Umsatz bei einer EBIT-Marge zwischen 17 und 20 Prozent – ein Signal, dass das Management trotz schwacher laufender Quartalszahlen von einer Erholung im weiteren Jahresverlauf ausgeht.
Diese Diskrepanz zwischen kurzfristig schwachen Umsätzen und deutlich anziehenden Bestellungen erklärt auch, warum Analysten nach den Zahlen ihre Kursziele zwar senkten, an positiven Einstufungen aber festhielten. Die Bewertungslücke zwischen operativer Gegenwart und erhoffter Zukunft bleibt der zentrale Streitpunkt für die Aktie.
Blick nach vorn
Für die kommenden Wochen dürfte die Aixtron-Aktie weiterhin stark von der allgemeinen Stimmung im Chipsektor getrieben werden, solange keine unternehmensspezifischen Nachrichten anstehen. Der nächste konkrete Prüfstein folgt erst später im Herbst: Am 29. Oktober legt Aixtron seine Zahlen zum dritten Quartal vor.
Bis dahin dürfte der Kurs zwischen Sektor-Sentiment und der Frage schwanken, ob sich der kräftige Auftragseingang aus dem zweiten Quartal in den kommenden Monaten tatsächlich in höheren Umsätzen niederschlägt. Die hohe Volatilität des Titels von 60 Prozent auf Jahressicht deutet darauf hin, dass solche Tagesbewegungen wie die heutige keine Seltenheit bleiben werden.
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