Ausgangslage
Airbus steht vor einem Monat mit gleich mehreren Weichenstellungen. Der Erstflug des A350F-Frachters soll im dritten Septemberfenster stattfinden – ein vorgezogener Termin gegenüber der ursprünglich für Jahresende geplanten Premiere, um die Zertifizierung für Auslieferungen ab 2027 nicht zu gefährden.
Parallel dazu hat der Konzern im Juli operative Stärke demonstriert: 138 Nettobestellungen und 67 Auslieferungen an 39 Kunden, womit die Jahressumme auf 418 von angepeilten 870 Flugzeugen steigt.
Zugleich belasten regulatorische Nebengeräusche das Bild – ein Vergleich mit der britischen Steuerbehörde über 6,4 Millionen Pfund wegen mutmaßlicher Exportkontrollverstöße sowie eine von Boeing angestoßene Prüfung eines 3-Milliarden-Euro-Kreditpakets der Europäischen Investitionsbank an Airbus.
Die Aktie notierte zuletzt bei 207,60 Euro und damit rund 6,2 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 221,25 Euro, das im Januar erreicht wurde. Warum zählt das jetzt? Weil der A350F-Termin und die operativen Zahlen zusammen zeigen, ob Airbus sein Lieferziel für 2026 tatsächlich erreichen kann – die entscheidende Kennzahl für die kommenden Wochen.
Die entscheidende Frage
Ob Airbus die anvisierten 870 Auslieferungen für das laufende Jahr schafft, ist die zentrale Variable für die Bewertung der Aktie. Nach 418 ausgelieferten Maschinen bis Ende Juli muss der Konzern im verbleibenden Jahresfünftel ein deutlich höheres Tempo vorlegen als in den Vormonaten.
Der A350F-Erstflug im September ist dabei kein Auslieferungs-Meilenstein selbst, doch er ist die Voraussetzung für die Zertifizierung, die wiederum die für 2027 geplanten Frachterlieferungen absichert. Verzögert sich der Testflug erneut, würde das Vertrauen in die Lieferkettenstabilität insgesamt belasten – nicht nur beim Frachterprogramm.
Bullisches Szenario
Gelingt der A350F-Erstflug im geplanten Fenster und hält Airbus das Auslieferungstempo, dürfte sich die positive Dynamik aus dem Sommer fortsetzen. Der Auftrag von SMBC Aviation Capital über 100 A320neo-Maschinen im Juli und ein Zehn-Hubschrauber-Kontrakt der US Army für UH-72B Lakota-Modelle im Volumen von 115,4 Millionen Dollar, mit Optionen bis 140,7 Millionen Dollar, unterstreichen die breite Nachfragebasis über mehrere Programme hinweg.
Auch der Ausbau der Belfast-Fertigung für die A220-Rate von 13 Maschinen monatlich bis 2028 signalisiert, dass Airbus in die Kapazitätserweiterung investiert statt nur bestehende Rückstände abzuarbeiten.
Sollte sich diese operative Breite fortsetzen, könnte die Aktie den Abstand zum Jahreshoch verringern; das 50-Tage-Mittel von 193,11 Euro liegt bereits rund 7,5 Prozent unter dem aktuellen Kurs und damit deutlich tiefer, was auf einen intakten mittelfristigen Aufwärtstrend hindeutet.
Bärisches Szenario
Das Risiko liegt weniger im Auftragseingang als in der Ausführung. Eine Sadif Investment Analytics stufte die Aktie mit Datum vom 11. August auf „Hold“ von zuvor „Buy“ herab und senkte das Kursziel – ein Warnsignal, dass nicht alle Marktteilnehmer die aktuelle Bewertung mittragen. Hinzu kommen regulatorische Reibungspunkte: Die von Boeing initiierte Untersuchung des EIB-Kredits könnte, sollte die EU-Kommission Verstöße gegen den Subventionswaffenstillstand von 2021 feststellen, neue Handelsspannungen auslösen.
Auch die von der US-Luftfahrtbehörde FAA angeordnete, ab 17. September verpflichtende Inspektion von Heckrotor-Getriebehalterungen bei mehreren Airbus-Helicopters-Modellen zeigt, dass technische Nacharbeiten das operative Tempo bremsen können. Sollte sich beim A350F-Erstflug eine erneute Verschiebung abzeichnen oder das Juli-Auslieferungstempo im August nicht gehalten werden, dürfte der Markt das 870-Einheiten-Ziel zunehmend infrage stellen – mit Belastung für die Kursentwicklung.
Ausblick
Solange Airbus sein Auslieferungstempo aus dem Sommer hält und der A350F-Erstflug im angepeilten Septemberfenster gelingt, spricht die operative Breite über Verkehrsflugzeug-, Helikopter- und Regionalflugzeugprogramme für eine Fortsetzung des seit dem Jahrestief im März verzeichneten Erholungspfads – der Kurs liegt inzwischen rund 34 Prozent über jenem Tiefpunkt von 154,50 Euro.
Kippt hingegen der Zeitplan beim Frachter erneut, oder verschärfen sich die regulatorischen Fronten mit den USA und Großbritannien, dürfte die Skepsis einzelner Analysten wie bei Sadif breiteren Widerhall finden.
Der nächste konkrete Prüfstein ist der Erstflug des A350F in der dritten Septemberwoche, gefolgt vom Inkrafttreten der FAA-Anweisung für die AS355-Hubschrauberflotte am 17. September. Beide Termine werden zeigen, ob Airbus die operative Kontrolle über sein ambitioniertes Jahresprogramm behält.
Airbus-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Airbus-Analyse vom 20. August liefert die Antwort:
Die neusten Airbus-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Airbus-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 20. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
