Airbus vor dem A350F-Erstflug: Entscheidet sich hier die nächste Kursrichtung?

Symbolbild, KI-generiert

Airbus verzeichnet neue Aufträge und Auslieferungen, während der Spanien-Streik anhält und der geplante A350F-Erstflug am 24. September näher rückt.

Auf einen Blick:
  • Arbeitskampf an drei spanischen Werken
  • 46 Bestellungen und 47 Auslieferungen
  • A350F-Erstflug für 24. September angesetzt
  • Erste Group erhöht Gewinnschätzung

Ausgangslage

Airbus steckt zwischen zwei Baustellen fest. Der Streik in Spanien läuft seit vergangenem Donnerstag weiter, nachdem Beschäftigte der Werke Getafe, San Pablo und Tablada ein „finales Angebot“ des Managements erneut abgelehnt haben – nur die Belegschaft in Illescas stimmte für eine Aussetzung.

Parallel dazu rückt ein technischer Meilenstein näher: Für den 24. September ist der Erstflug des A350F-Frachters angesetzt, nachdem das Unternehmen Bodenschwingungstests abgeschlossen und Flatterversuche zur Validierung der Strukturmodelle eingeleitet hat.

Genau diese Gleichzeitigkeit macht die kommenden Wochen entscheidend: Operative Störung auf der einen Seite, ein potenzieller Wachstumstreiber auf der anderen. Die Aktie notiert bei 195,68 Euro und hat sich seit dem Streikbeginn um 4,1 Prozent verbilligt.

Die entscheidende Frage

Für Anleger läuft alles auf eine Frage hinaus: Gefährdet der Arbeitskampf in Spanien die Liefertermine spürbar, oder bleibt er ein lokal begrenztes Ärgernis, während das Auftragsbuch und die neuen Programme wie der A350F den Kurs stützen?

Airbus hatte den Gewerkschaften ein Angebot mit 7,6 Prozent Kaufkraftausgleich bis 2030 und unveränderten Homeoffice-Grenzen von 40 Prozent vorgelegt – die Mehrheit der Belegschaft lehnte es ab. Damit bleibt offen, wie lange sich die Produktion an den betroffenen Standorten verzögert und ob sich der Konflikt auf weitere Werke ausweitet.

Bullisches Szenario

Für eine Stabilisierung spricht die operative Breite des Konzerns. Im August meldete Airbus 46 neue Bestellungen, darunter 30 A330-900neo für Cathay Pacific und zehn A220-300 für airBaltic, bei 47 Auslieferungen an 31 Kunden. Die Nachfrage nach Airbus-Mustern bleibt also intakt, unabhängig vom Streikgeschehen.

Auch international expandiert das Liefernetzwerk: Ibom Air aus Nigeria erhielt ihre dritte A220-300 aus der kanadischen Endmontage in Mirabel, und Biman Bangladesh Airlines bereitet eine Order über zehn Maschinen – vier A350-900 sowie sechs A321neo – vor, mit Lieferbeginn ab 2031. Gelingt der A350F-Erstflug am 24. September planmäßig, wäre das ein Signal, dass die Frachterentwicklung trotz der Unruhen in Spanien im Zeitplan bleibt.

Erste Group Bank hob am 27. August ihre Gewinnschätzung für das laufende Geschäftsjahr auf 2,13 US-Dollar je Aktie an, von zuvor 2,10 US-Dollar, und rechnet für das Folgejahr mit 2,51 US-Dollar – ein Hinweis darauf, dass zumindest ein Analystenhaus die operative Substanz höher gewichtet als die Streikrisiken.

Bärisches Szenario

Das Risiko liegt im Zeitfaktor. Ein andauernder Streik an mehreren spanischen Kernwerken kann sich auf Zulieferketten und Montagetakte auswirken, gerade wenn die Ablehnung des Angebots signalisiert, dass eine schnelle Einigung nicht in Sicht ist.

Sollte sich die Eskalation auf weitere Standorte ausweiten oder länger andauern als bislang eingepreist, drohen Lieferverzögerungen, die dem ohnehin sensiblen Zeitplan für Programme wie den A350F schaden könnten. Hinzu kommt operative Unsicherheit an anderer Stelle: Ermittler und Airbus-Techniker untersuchen einen dreifachen Hydrauliksystemausfall an einem A320neo von Air India, der zu einem Höhenverlust von 300 Fuß und 24 verletzten Passagieren führte – ein noch offener Vorgang, der zusätzliche Aufmerksamkeit auf die Flottensicherheit lenkt.

Auch die laufende strategische Überprüfung der US-Raumfahrtsparte, einschließlich eines möglichen Verkaufs der Satellitenfertigung in Merritt Island, bleibt ein unentschiedener Nebenschauplatz, der kurzfristig keine Klarheit bringt. Charttechnisch zeigt sich die Schwäche der vergangenen Woche auch im RSI von 36,6, der auf nachlassenden Kaufdruck hindeutet, ohne dass dies für sich genommen ein Kaufsignal wäre.

Ausblick

Solange sich der Streik auf die genannten spanischen Werke begrenzt und das Auftragsbuch wie im August weiter wächst, dürfte der Kursrückgang der vergangenen Tage eher eine Verschnaufpause als eine Trendwende sein. Kippt die Lage jedoch – etwa durch eine Ausweitung des Arbeitskampfs oder eine Verschiebung des A350F-Erstflugs – würde sich das Chance-Risiko-Verhältnis kurzfristig verschlechtern.

Der 24. September bleibt der nächste konkrete Prüfstein: Ein planmäßiger Erstflug des Frachters wäre ein Gegengewicht zu den Störungen in Spanien, ein weiteres Verschieben hingegen würde die Zweifel an der operativen Verlässlichkeit verstärken. Bis dahin bleibt der Ausgang der Tarifverhandlungen der wichtigste kurzfristige Belastungsfaktor für die Aktie.

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