Mittwoch, Paris. Die Airbus-Aktie schoss um mehr als 7 Prozent nach oben, und wer die Meldung gelesen hatte, verstand warum. Das Unternehmen präsentierte neue Mittelfristziele, die sich gewaschen haben: 12 bis 13 Milliarden Euro bereinigtes EBIT bis 2029, verglichen mit 7,13 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Dazu ein Aktienrückkaufprogramm über 5 Milliarden Euro, genehmigt vom Vorstand, laufend über drei Jahre. Für einen Konzern, der zuletzt vor allem durch Lieferkettenprobleme aufgefallen war, ist das ein ziemlich selbstbewusster Auftritt.
Die Zahlen im Detail
Das kommerzielle Flugzeuggeschäft soll bis 2029 rund 10 Milliarden Euro zum operativen Ergebnis beisteuern. Die Verteidigungs- und Raumfahrtsparte wird mit etwa 1,3 Milliarden Euro eingeplant, das Hubschraubergeschäft mit rund 1,2 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr bleibt Airbus bei seiner Prognose von rund 7,5 Milliarden Euro bereinigtem EBIT und rund 4,5 Milliarden Euro freiem Cashflow vor Kundenfinanzierung.
Im ersten Halbjahr lieferte Airbus 351 Flugzeuge aus, 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Jahresziel liegt bei rund 870 Maschinen. Trotz anhaltender Engpässe bei Triebwerken für die A320-Familie gilt dieses Ziel bei Analysten als erreichbar.
Die Analysten und ihre Kursziele
Die Reaktion der Analystenhäuser fiel erwartungsgemäß positiv aus. LBBW stufte die Airbus-Aktie von Neutral auf Kaufen hoch und hob das Kursziel von 190 auf 230 Euro an. JP Morgan-Analyst David H. Perry erhöhte sein Kursziel von 240 auf 245 Euro, Kaufen. RBC zog von 215 auf 225 Euro nach, ebenfalls Kaufen. Deutsche Bank-Analyst Christophe Menard, der die positive Überraschung beim Rückkaufprogramm besonders hervorhob, erhöhte sein Ziel von 226 auf 232 Euro. UBS-Analyst Ian Douglas-Pennant belässt sein Kursziel bei 236 Euro, Kaufen. DZ Bank ebenfalls Kaufen.
Neutral blieben Berenberg, die ihr Ziel immerhin von 190 auf 205 Euro anhoben, und Jefferies-Analystin Chloe Lemarie, die bei 200 Euro verharrt. Jefferies schrieb, das Update sei solide, aber die Botschaft zur verbesserten Lieferkette müsse sich erst noch in einer spürbaren Produktionsbeschleunigung niederschlagen. Das ist der Haken, den die Bullen gern übersehen.
Konservativ oder nicht?
Jefferies und Citi nannten die Ziele „konservativ“, mit Verweis auf die Nachfrage nach Großraumflugzeugen und den deutschen Verteidigungshaushalt als zusätzliche Rückendeckung für die Raumfahrtsparte. JP Morgan schrieb, Airbus habe „bei allem geliefert, was für eine Kursrally nötig war“. Beim Rückkaufprogramm allerdings ergänzten die JP-Morgan-Analysten, es falle wohl kleiner aus, als viele Investoren erhofft hatten. Ein positives Signal senden die 5 Milliarden dennoch.
Seit Jahresbeginn steht die Airbus-Aktie trotz des Sprungs vom Mittwoch nur rund 5 Prozent im Plus. Die Lieferkette hat Vertrauen gekostet. Jetzt soll ein Gewinnziel, das sich bis 2029 fast verdoppelt, dieses Vertrauen zurückbringen. Ob das gelingt, entscheidet sich nicht in Paris, sondern in den Werkhallen von Hamburg und Toulouse.
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