Wer im Rollstuhl sitzt und fliegen will, kennt das Prozedere. Eigenen Stuhl abgeben, in einen engen Bordrollstuhl umsteigen, dann in einen normalen Sitz hieven. Und hoffen, dass der eigene Stuhl heil aus dem Frachtraum kommt. In US-Flughäfen allein werden jährlich mehr als 10.000 Rollstühle beschädigt, jeder Schadensfall kann bis zu 80.000 Dollar kosten. Airbus will das ändern.
Das Konzept heißt Airspace U Suite. Die Idee: Passagiere mit eingeschränkter Mobilität bleiben während des gesamten Flugs in ihrem eigenen Rollstuhl, der direkt am Kabinenboden befestigt wird. Kein Umsteigen, kein Risiko im Frachtraum, keine Abhängigkeit von Bordpersonal bei jedem Schritt.
Erster Flug, erster Beweis
Im März 2026 wurde das Konzept erstmals in der Realität getestet. Dirk Thalheim, Ingenieur bei Airbus und selbst Rollstuhlfahrer, saß als erster Passagier mit Reduced Mobility in seinem eigenen elektrischen Rollstuhl, gesichert mit einem speziellen Haltesystem, während des Reiseflugs. Thalheim hatte das Projekt nicht nur technisch begleitet, sondern auch die gelebte Perspektive eingebracht, die kein Simulationsmodell ersetzen kann.
„Weil der eigene Rollstuhl eine lebenswichtige Erweiterung des Körpers ist, ist die Nutzung eines Flughafenstuhls eine wirklich schreckliche Erfahrung“, sagte Thalheim. Das klingt nicht nach Marketing-Sprache. Das klingt nach jemandem, der weiß, wovon er redet.
Das vollständige Mockup der U Suite soll auf der Aircraft Interiors Expo in Hamburg am 14. April 2026 öffentlich vorgestellt werden. Die erste Auslieferung ist für 2032 geplant, bis dahin arbeitet Airbus mit den Luftfahrtbehörden an einem Zertifizierungsweg.
Hauptversammlung: Dividende, neue Gesichter, ein Abgang
Auf der Hauptversammlung am 14. April in Amsterdam stimmten die Aktionäre allen vorgeschlagenen Beschlüssen zu. Darunter die Ausschüttung einer Dividende von 3,20 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025. Neu in den Aufsichtsrat gewählt wurden unter anderem Henriette Hallberg Thygesen, CEO des dänischen Rüstungs- und Raumfahrtunternehmens Terma, sowie Oliver Zipse, Vorstandsvorsitzender von BMW.
Dazu kommt ein Führungswechsel, der schon länger in der Luft lag. René Obermann, seit fast einem Jahrzehnt Aufsichtsratsvorsitzender, gibt seinen Posten zum 1. Oktober 2026 ab und wird bei der Hauptversammlung 2027 kein neues Mandat anstreben. Amparo Moraleda, bislang Lead Independent Director, übernimmt dann den Vorsitz. Obermann selbst sprach von einem Unternehmen, das sich als Marktführer in der Zivilluftfahrt etabliert habe und dessen Defence-Sparte erfolgreich umgebaut worden sei. Eine ordentliche Abschlussbilanz.
Rollstuhl und Rücktritt
Zwei Nachrichten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Auf der einen Seite ein Konzept, das eine seit Jahrzehnten vernachlässigte Passagiergruppe endlich ernst nimmt. Auf der anderen ein geordneter Stabwechsel im Aufsichtsrat. Beides zusammen ergibt das Bild eines Unternehmens, das gerade versucht, Kontinuität und Erneuerung gleichzeitig zu liefern. Ob das bis 2032 gelingt, werden wir sehen. Dirk Thalheim hat schon mal Platz genommen.
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