Airbus hat einen zwei Jahre alten Streit mit britischen Behörden beigelegt. Wie Reuters berichtete, zahlt der Flugzeugbauer knapp über 6,4 Millionen Pfund an die britische Steuer- und Zollbehörde, um eine Untersuchung wegen Exportkontrollverstößen abzuschließen. Der Fall belastet die operative Bilanz kaum, zeigt aber, wie akribisch Regulierer im Rüstungs- und Luftfahrtgeschäft mittlerweile prüfen.
Die Einigung fällt in eine Phase, in der Airbus operativ eigentlich Rückenwind hat. Am selben Tag bestätigte der Konzern laut Reuters seine Jahresziele für Lieferungen und Ergebnis, nachdem das zweite Quartal besser ausgefallen war als erwartet.
Verbesserte Fertigungszahlen bei zivilen Jets und Fortschritte im Verteidigungsgeschäft stützten das Zahlenwerk. Der Vorstand hält demnach an sämtlichen Jahreszielen fest, ohne Abstriche bei Auslieferungsplänen oder Margenerwartungen.
Lieferrückstand bleibt die eigentliche Herausforderung
Genau hier liegt die Krux: Reuters meldete, dass Airbus im Juli mit 67 Maschinen stagnierte und lediglich 204 neue Bestellungen einbuchte. Damit stehen nach sieben Monaten 418 Auslieferungen zu Buche. Um das Jahresziel zu erreichen, müsste der Konzern für den Rest des Jahres im Schnitt rund 90 Jets pro Monat ausliefern – ein Tempo, das deutlich über dem bisherigen Durchschnitt liegt.
Bestätigte China-Aufträge und ein Flottentausch von A330neo zu A220 bei AirAsia X und SMBC Aviation liefern zwar positive Signale, ändern aber nichts an der Grundspannung zwischen ambitioniertem Ziel und bisherigem Auslieferungstempo.
Zusätzlichen Druck erzeugt die Zulieferseite. Reuters berichtete zudem, dass Honeywell Aerospace nach der Abspaltung seine Prognose für das laufende Jahr gesenkt hat, weil Lieferengpässe das Unternehmen zwingen, Originalausrüstung vorrangig an Boeing und Airbus zu liefern. Das entlastet Airbus kurzfristig etwas, unterstreicht aber die Fragilität der gesamten Lieferkette. Auch bei A220-Fenstern gab es laut Reuters Engpässe, die die Produktion bislang jedoch nicht verzögert haben.
Kurs nahe Rekordniveau trotz operativer Fragezeichen
Trotz der ungelösten Lieferfrage bewegt sich die Airbus-Aktie in robuster Verfassung. Am Freitag schloss das Papier bei 215,75 Euro, ein Plus von 1,1 Prozent zum Vortag. Damit liegt der Kurs nur 2,5 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 221,25 Euro, das erst im Januar markiert wurde. Zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand 13 Prozent nach oben – ein Signal, dass die jüngste Rally weit fortgeschritten ist.
Ein zusätzlicher Auftrag stützt die langfristige Story: Reuters zufolge erhält Sun PhuQuoc Airways acht A330-Maschinen bis Ende April 2027, die ersten vier Exemplare noch in diesem Jahr. Solche Order-Meldungen häufen sich, während die eigentliche Bewährungsprobe im operativen Alltag liegt.
Anleger honorieren bislang die bestätigte Jahresprognose und die Auftragslage, blenden den engen Zeitplan bis Jahresende aber nicht komplett aus. Die Kombination aus Rekordnähe beim Kurs und ungelöstem Lieferrückstand macht die kommenden Monate zum eigentlichen Test für den Konzern.
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