Ein technischer Zwischenfall bei Air India rückt Airbus in den Fokus der Ermittler. Eine vorläufige Analyse zum plötzlichen Höhenverlust einer A320 auf dem Flug AI2379 von Phuket nach Delhi zeigt: Alle drei Hydrauliksysteme der Maschine verloren nahezu gleichzeitig ihren Druck. Für rund vier Sekunden reagierten Höhen- und Querruder nicht mehr auf Eingaben der Piloten.
Airbus fordert umfassende Tests an
Airbus hat Air India aufgefordert, Hydraulik, Drucksensoren, Schalter und möglicherweise auch die Verkabelung der betroffenen Maschine zu überprüfen. Nach Angaben des Herstellers könnten weitere Kontrollen nötig werden, bevor die genaue Ursache feststeht. Bereits am 10. August hatte Airbus eigene Spezialisten entsandt, um die Untersuchung des Vorfalls vom 4. August zu unterstützen. Reuters berichtete über die Details der vorläufigen Auswertung.
Ein kurzzeitiger, aber vollständiger Ausfall aller drei redundanten Hydrauliksysteme gilt bei einem modernen Verkehrsflugzeug als seltenes und ernstzunehmendes Ereignis, da genau diese Mehrfachabsicherung Ausfälle einzelner Kreisläufe eigentlich abfangen soll. Bis zur Klärung der Ursache bleibt offen, ob es sich um ein isoliertes Problem der einzelnen Maschine handelt oder um eine Schwachstelle, die weitere A320-Modelle betreffen könnte.
Kurs bleibt trotz Ermittlungen stabil
An der Börse zeigt sich davon bislang wenig. Die Aktie notiert bei 214,95 Euro und damit nur leicht unter dem Freitagsschluss von 215,75 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 8,8 Prozent zu Buche, in den vergangenen zwölf Monaten legte das Papier um 17 Prozent zu. Zum 52-Wochen-Hoch von 221,25 Euro, erreicht im Januar, fehlen derzeit 2,8 Prozent.
Die Gelassenheit der Anleger dürfte auch mit dem operativen Umfeld zusammenhängen: Airbus hatte erst kürzlich seine Jahresprognose bekräftigt, seither ist der Kurs um 5,5 Prozent gestiegen. Der Konzern hatte im Zuge starker Quartalszahlen wachsendes Vertrauen in sein Auslieferungsziel von rund 870 Maschinen für 2026 signalisiert und zugleich einen versöhnlicheren Ton im Streit mit Pratt & Whitney um Triebwerkslieferungen angeschlagen.
Weitere Baustellen im August
Der Hydraulikvorfall ist nicht die einzige Angelegenheit, mit der sich Airbus derzeit auseinandersetzt. Anfang August zahlte der Konzern gut 6,4 Millionen britische Pfund an die britische Steuer- und Zollbehörde, um eine zweijährige Untersuchung wegen Verstößen gegen Exportkontrollen beizulegen. Zudem hatte Reuters über Engpässe bei A220-Fenstern berichtet, die nach Unternehmensangaben die Produktion bislang jedoch nicht verzögert haben.
Für Anleger dürfte entscheidend sein, wie schnell Airbus und Air India Klarheit über die Ursache des Hydraulikausfalls schaffen. Solange die Ermittlungen andauern, bleibt unklar, ob sich daraus Konsequenzen für die A320-Flotte oder das Auslieferungstempo ergeben könnten – ein Risiko, das der bislang robuste Kursverlauf noch nicht einpreist.
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