Airbus Aktie: EBIT springt 70 Prozent auf 2,7 Milliarden

Airbus verzeichnet starkes erstes Halbjahr mit Umsatz- und Gewinnsprung, kündigt 5-Milliarden-Aktienrückkauf an und sieht sich zugleich mit Arbeitskämpfen in Spanien konfrontiert.

Auf einen Blick:
  • Umsatzplus von zwölf Prozent
  • EBIT steigt um 70 Prozent
  • Fünf Milliarden für Aktienrückkäufe
  • Streiks in Madrid belasten Produktion

Es gibt Momente, in denen ein Konzern zwei Geschichten gleichzeitig erzählt. Die eine handelt von Rekordgewinnen, milliardenschweren Aktienrückkäufen und einem Ausblick bis 2029, der Anleger aufhorchen lässt. Die andere spielt sich in einer Fabrikhalle südlich von Madrid ab, wo Beschäftigte seit Wochen gegen Lohnerhöhungen protestieren, die mit der Inflation nicht Schritt halten. Beide Geschichten gehören zu Airbus – und beide sagen etwas darüber aus, wie fragil und zugleich robust der Luftfahrtboom dieser Jahre wirklich ist.

Ein Halbjahr, das die Wende bestätigt

Ende Juli legte Airbus Zahlen vor, die den Ton für den Rest des Jahres setzen dürften. Der Umsatz kletterte im ersten Halbjahr 2026 um 12 Prozent auf 33,176 Milliarden Euro, das operative Ergebnis (EBIT) sprang um 70 Prozent auf 2,745 Milliarden Euro, der Nettogewinn legte um 47 Prozent auf 2,243 Milliarden Euro zu. Hinter diesen Zahlen steckt vor allem ein handfestes operatives Signal: 351 Verkehrsflugzeuge wurden ausgeliefert, 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Konzern hatte zu Jahresbeginn einen Lieferrückstand aufgebaut – und ihn im zweiten Quartal wieder aufgeholt.

Das gab dem Management offenbar genug Vertrauen, um am bekannten Kurs festzuhalten: Rund 870 Auslieferungen sollen es 2026 werden, ein bereinigtes EBIT von etwa 7,5 Milliarden Euro und ein freier Cashflow vor Kundenfinanzierung von rund 4,5 Milliarden Euro. Konzernchef Guillaume Faury stellte klar, dass „rund“ eine Spanne von 20 Flugzeugen in beide Richtungen bedeutet – zwischen 850 und 890 Maschinen liegt also der reale Korridor. Wer genau hinschaut, erkennt darin auch ein Eingeständnis: Trotz aller Fortschritte bleibt die Produktionskette ein Bereich mit Unsicherheiten, keine Präzisionsmaschine.

Kapitalrückgabe als Vertrauensbeweis

Bemerkenswerter als die Quartalszahlen war vielleicht die strategische Ansage einen Tag zuvor. Der Verwaltungsrat billigte ein Aktienrückkaufprogramm über 5 Milliarden Euro, verteilt auf drei Jahre und vorbehaltlich fortlaufender Zustimmung der Aktionäre. Gleichzeitig präsentierte das Unternehmen ein neues EBIT-Zielband von 12 bis 13 Milliarden Euro für 2029. Das ist kein kurzfristiges Versprechen, sondern eine Wette auf die Dekade – auf eine Nachfrage nach Flugzeugen, die trotz geopolitischer Spannungen und Lieferengpässen ungebrochen scheint.

Diese Nachfrage zeigte sich zuletzt handfest: Air China orderte 15 A350-900 sowie 40 A320neo-Maschinen für Shenzhen Airlines im Volumen von 12,4 Milliarden US-Dollar, Hainan Airlines bestellte 40 A320neo für 5,36 Milliarden US-Dollar. Auf der Farnborough Airshow präsentierte Airbus zudem das „Wing of Tomorrow“-Projekt – Tragflächen, die an den Spitzen klappbar sein sollen, um trotz größerer Spannweite auf bestehenden Flughäfen operieren zu können. Ein dreijähriges Testprogramm mit einem A321neo-Demonstrator soll die Technik erproben. Es ist der Versuch, technologisch dort weiterzudenken, wo die aktuelle Generation an physische Grenzen stößt.

Reibung im System

Doch der Ramp-up hat seinen Preis. In Getafe bei Madrid streikten im Juli rund 3.000 der etwa 9.000 Beschäftigten, organisiert von der unabhängigen Luftfahrtgewerkschaft SIPA. Es geht um Löhne, die der Inflation hinterherhinken, und strengere Anwesenheitskontrollen. Die Gewerkschaft UGT schloss sich an, während Comisiones Obreras eine mögliche unbefristete Arbeitsniederlegung nach dem 7. September in Aussicht stellte. Parallel dazu bleibt die Triebwerksversorgung ein Thema: Mit Pratt & Whitney wurden zwar Stückzahlen vereinbart, die die aktuelle Lieferprognose stützen, doch über die kommerziellen Folgen der früheren Kürzung der Triebwerksmengen wird weiter verhandelt. Immerhin: Airbus hatte zuletzt keine sogenannten „Gliders“ mehr – Flugzeuge, die einzig auf fehlende Triebwerke warten.

Was der Kurs daraus macht

Die Börse hat die Halbjahresbilanz honoriert. Mit 214,60 Euro notiert die Aktie nur noch knapp drei Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch und liegt binnen zwölf Monaten 20,90 Prozent im Plus. Der Markt preist damit ein, was die Zahlen nahelegen: ein Unternehmen, das seinen Ramp-up trotz Streiks und Lieferkettenreibung im Griff behält. Ob dieses Vertrauen trägt, wird sich zeigen, sobald der A350F seinen für Ende 2026 angepeilten Erstflug absolviert oder die spanischen Tarifkonflikte eskalieren. Der Himmel über Airbus ist derzeit klar – aber Wettervorhersagen in der Luftfahrt waren schon immer eine heikle Disziplin.

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