Kaum ist der Zollstreit zwischen den USA und der EU um Flugzeugsubventionen offiziell beigelegt, wackelt der Burgfrieden schon wieder. Boeing hat die US-Regierung aufgefordert, von der EU vollständige Transparenz über ein milliardenschweres Darlehen an Airbus einzufordern. Der Zeitpunkt ist heikel: Die Verlängerung des Zoll-Waffenstillstands liegt gerade einmal wenige Tage zurück.
Ein Kredit, der Fragen aufwirft
Auslöser ist ein Kreditpaket der Europäischen Investitionsbank über 3 Milliarden Euro an Airbus, das die EIB Ende Juni bekanntgegeben hatte — nur vier Tage, nachdem die EU der Verlängerung des Waffenstillstands zugestimmt hatte. Boeing verlangt in einem Brief an den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer nun Aufklärung über Zinssätze, Laufzeiten und mögliche Sonderkonditionen. Die EIB weist das zurück und spricht von einem gewöhnlichen verzinslichen Darlehen im Rahmen ihrer üblichen Finanzierungstätigkeit.
Trotzdem bleibt die Größenordnung bemerkenswert: Es ist das größte Unternehmenskreditpaket, das die Bank je genehmigt hat. Eine erste Tranche über eine Milliarde Euro ist bereits unterzeichnet und soll bis 2030 Forschung und Entwicklung in Frankreich, Deutschland und Spanien finanzieren — von Verkehrsflugzeugen über Verteidigung bis Raumfahrt. Airbus selbst sprach von sehr wettbewerbsfähigen Konditionen und großer finanzieller Flexibilität.
Der Subventionsstreit zwischen den beiden Flugzeugbauern zieht sich seit fast zwei Jahrzehnten hin und hatte 2021 in einem fünfjährigen Zollwaffenstillstand gemündet. Bislang fordert Boeing lediglich mehr Transparenz, weder der US-Handelsbeauftragte noch die EU-Kommission haben offiziell reagiert. Kommt Washington jedoch zu dem Schluss, dass der Kredit gegen die Vereinbarung von 2021 verstößt, könnte der alte Streit neu aufflammen.
Operativ läuft es weiter rund
Während der politische Ton schärfer wird, füllt sich das Orderbuch unbeirrt weiter. Die tadschikische Fluggesellschaft Shohin Airlines hat vier Maschinen aus der A320neo-Familie bestellt — zwei A320neo und zwei A321neo. Die 2025 registrierte Airline will damit ihr regionales und internationales Streckennetz aufbauen. Insgesamt zählt die A320-Familie inzwischen 20.000 Bestellungen weltweit.
Parallel dazu expandiert Airbus Helicopters im Verteidigungsgeschäft: Mit Voyageur Aviation wurde eine Vereinbarung zur Lieferung des unbemannten Flugsystems U030 Flexrotor in Kanada geschlossen. Das System ist auf Aufklärungs- und Überwachungseinsätze ausgelegt und bringt mit über zwölf Stunden Flugausdauer bei einem maximalen Startgewicht von 25 Kilogramm ein für seine Klasse hohes Durchhaltevermögen mit.
Für die Aktie dürfte kurzfristig weniger der Kredit selbst den Ausschlag geben als die politische Reaktion aus Washington. Bleibt die Auseinandersetzung auf der Ebene von Transparenzforderungen, ist das Störgeräusch überschaubar. Eskaliert sie zu neuen Zollandrohungen, würde das sowohl Airbus als auch Boeing treffen.
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