Politische Spannungen auf dem Heimatmarkt haben den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus zu Beginn der Woche spürbar ausgebremst. Gestern gerieten französische Standardwerte nach Protesten am Wochenende unter Verkaufsdruck, da an den Märkten neue Sorgen über die öffentlichen Finanzen des Landes laut wurden.
Laut der Nachrichtenagentur Reuters führten französische Aktien die europäischen Verluste an, wobei die Airbus-Papiere zu Wochenbeginn um rund 2,2 Prozent nachgaben. Heute setzt sich die zurückhaltende Stimmung fort: Im Handel notiert die Aktie bei 191,60 Euro, was einem weiteren Rückgang von 1,0 Prozent entspricht.
Robuster Auftragseingang trotzt Marktunruhe
Die kurzfristige Marktskepsis steht in deutlichem Kontrast zur operativen Entwicklung der zivilen Flugzeugsparte. Erst am Freitag besiegelte die Leasinggesellschaft Aviation Capital Group einen Festauftrag über 75 Maschinen der A320neo-Familie. Durch diese bislang größte Einzelbestellung des Kunden wuchs dessen historisches Ordervolumen für diesen Flugzeugtyp auf insgesamt 190 Flugzeuge an.
Bereits eine Woche zuvor hatte das Leasingunternehmen Avolon einen Großauftrag über 110 Verkehrsflugzeuge bei den Europäern platziert, der sich auf 35 A330-900 sowie 75 Jets der A320neo-Reihe verteilt.
Operativ verzeichnete der Konzern im Vormonat September 72 Auslieferungen im Segment der Verkehrsflugzeuge, womit das Gesamtergebnis im laufenden Jahr bis Ende September 547 ausgelieferte Maschinen erreichte.
Zukunftsmarkt Service und Kapazitätsfragen
Neben dem klassischen Flugzeugbau richtet das Management den Blick verstärkt auf das langfristige Dienstleistungsgeschäft. Nach eigenen Modellrechnungen prognostiziert der Konzern, dass sich die weltweite Nachfrage nach zivilen Luftfahrtdienstleistungen von 209 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf 422 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2045 ausweiten wird. Dies entspräche einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 3,8 Prozent, gestützt auf eine dann erwartete Weltflotte von 45.550 Verkehrsflugzeugen.
Gleichzeitig prüft das Unternehmen die künftige Ausrichtung seiner Bestsellerprogramme. Lars Wagner, CEO of Commercial Aircraft bei Airbus, stellte diesbezüglich in Aussicht, eher früher als später über eine Aufstockung der A350-Produktionskapazitäten zu entscheiden. Darüber hinaus untersuche das Haus gegenwärtig die Machbarkeit vergrößerter Varianten der Muster A350 und A220.
Neunmonatszahlen rücken näher
Auf der Analystenseite sieht man die fundamentale Lage ungeachtet der jüngsten Kursabschläge positiv. Die Experten von Deutsche Bank Research bekräftigten am 16. Oktober ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 232 Euro.
Den nächsten konkreten Einblick in die operative und finanzielle Entwicklung erhalten Anleger in Kürze: Airbus hat die Vorabinformationen zum dritten Quartal veröffentlicht und wird seine Geschäftszahlen für die ersten neun Monate des Jahres 2026 am 28. Oktober vorlegen. Bis zu diesem Termin dürfte sich entscheiden, ob die soliden Orderbücher die makroökonomischen Sorgen am Heimatmarkt überwiegen.
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