Während der Tarifstreit in Spanien die Schlagzeilen zu Airbus zuletzt dominierte, rückt der Flugzeugbauer mit zwei Terminen sein operatives Geschäft in den Vordergrund: den geplanten Erstflug des Frachtflugzeugs A350F und den Ausbau der Fertigungskapazitäten in Nordirland.
Beide Vorhaben zeigen, wie sehr Airbus auf mittelfristiges Wachstum bei Fracht- und Schmalrumpfflugzeugen setzt, während der Konzern im Tagesgeschäft mit Lieferverzögerungen und Arbeitskonflikten kämpft.
A350F soll Ende September erstmals abheben
Der lange verzögerte Erstflug des A350F, der Frachtversion des Langstreckenjets A350, ist laut Reuters vorläufig für Ende September terminiert. Branchenkreise nannten der Nachrichtenagentur den 24. September als angepeiltes Datum.
Der Zeitplan war zuvor mehrfach nach hinten verschoben worden, das Frachtflugzeug gilt als wichtiger Baustein im Wettbewerb mit Boeing um den globalen Luftfrachtmarkt. Ein erfolgreicher Erstflug würde den Zulassungsprozess einleiten und wäre ein greifbares Signal, dass Airbus das Programm nach den Verzögerungen wieder im Griff hat.
Ausbau in Belfast zielt auf höhere A220-Produktion
Parallel dazu hat Airbus am Standort Belfast mit dem Bau einer gut 6.200 Quadratmeter großen Erweiterung der Flügelfertigung begonnen. Das Werk soll die Produktion des Schmalrumpfjets A220 bis 2028 auf 13 Maschinen pro Monat hochfahren.
Der Ausbau ist Teil eines umfangreicheren Investitionsprogramms am nordirischen Standort und soll im ersten Halbjahr 2028 abgeschlossen sein. Die Investition unterstreicht, dass Airbus trotz aktueller Lieferengpässe an seinen langfristigen Kapazitätszielen für die A220-Familie festhält, deren Nachfrage in den vergangenen Jahren spürbar zugelegt hat.
Auch bei den größeren Schmalrumpfjets bleibt die Nachfrageseite robust: United Airlines erklärte, man rechne mit ausreichend Lieferungen der A321XLR-Variante, um die geplante Europa-Expansion der Fluggesellschaft im kommenden Sommer zu stützen.
Die Aussage verknüpft die Airbus-Lieferfähigkeit direkt mit den Wachstumsplänen einer der größten US-Airlines im Transatlantikverkehr und zeigt, dass Kunden trotz bekannter Lieferkettenprobleme an ihren Bestellungen festhalten.
Aktie pendelt seitwärts, Belastung durch Streik hält an
An der Börse spiegelt sich diese Gemengelage aus operativem Fortschritt und anhaltenden Störungen in einer eher verhaltenen Kursentwicklung wider. Die Airbus-Aktie schloss am Freitag bei 202,40 Euro, ein Rückgang von 0,8 Prozent gegenüber dem Vortag.
Auf Wochensicht steht ein Minus von 0,4 Prozent zu Buche, auf Monatssicht von 0,7 Prozent. Der Titel notiert damit rund 8,5 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 221,25 Euro, das im Januar erreicht wurde, hat sich aber deutlich vom 52-Wochen-Tief bei 154,50 Euro im März entfernt.
Der spanische Streik, der am vergangenen Donnerstag erneut aufflammte, nachdem die Belegschaft ein Lohnangebot des Unternehmens abgelehnt hatte, belastet die Stimmung zusätzlich. Reuters berichtete zwar, die Produktion sei bislang nicht beeinträchtigt worden, doch der Konflikt um Bezahlung und Arbeitsbedingungen bleibt ungelöst.
Airbus hatte zuvor bereits bei der umstrittenen Präsenzpflicht im Büro nachgegeben und Managern erlaubt, an ihren bisherigen hybriden Arbeitsmodellen mit rund zwei Homeoffice-Tagen pro Woche festzuhalten – ein Zugeständnis, das den Druck aus den Protesten in Spanien nehmen sollte, den eigentlichen Tarifkonflikt aber nicht beendet hat.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Auf der operativen Seite treibt Airbus zentrale Wachstumsprogramme bei Fracht- und Schmalrumpfflugzeugen voran, während ungelöste Arbeitskonflikte in Spanien und die Marktreaktion darauf kurzfristig für Unsicherheit sorgen.
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