Der europäische Luftfahrtkonzern Airbus hat die Anleger mit einer umfassenden Strategieoffensive und einer massiven Kapitalrückführung überrascht. Das Unternehmen kündigte ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 5 Milliarden Euro an und gab gleichzeitig ambitionierte Ziele für das Ende des Jahrzehnts bekannt. Demnach strebt der Flugzeugbauer bis zum Jahr 2029 eine nahezu vollständige Verdoppelung seines Gewinns an. Die Nachricht sorgte am Mittwoch für eine deutliche Kursreaktion: Die Aktie stieg im Tagesverlauf um 4,64 Prozent und ging bei 49,60 Euro aus dem Handel.
Ambitionierte Gewinnziele bis 2029
Im Zentrum der neuen Mittelfristplanung steht ein bereinigtes Betriebsergebnis (EBIT), das bis 2029 auf eine Spanne von 12 bis 13 Milliarden Euro steigen soll. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2025 lag dieser Wert noch bei 7,13 Milliarden Euro. Allein das Segment der Verkehrsflugzeuge soll bis zum Zieljahr einen operativen Gewinn von etwa 10 Milliarden Euro beisteuern. Diese Prognose unterstreicht die Erwartung des Managements, dass sich die Lieferketten nachhaltig stabilisieren und die Produktionsraten deutlich gesteigert werden können.
Wie Reuters berichtet, wird das begleitende Aktienrückkaufprogramm über einen Zeitraum von drei Jahren durchgeführt. Analysten der Deutschen Bank werteten insbesondere den Zeitpunkt der Ankündigung als positive Überraschung. Die Experten von J.P. Morgan hoben hervor, dass Airbus mit diesem Schritt wichtige Maßnahmen geliefert habe, die vom Markt gefordert worden waren. Auch das Analysehaus Jefferies bezeichnete die Präsentation durch Analystin Chloe Lemarie als solide, wenngleich das Erreichen der Ziele eine konsequente Beschleunigung der Produktion voraussetze. Infolge der neuen Zielsetzungen hob MWB das Kursziel für den Titel an und bestätigte die Einstufung auf „Buy“.
Massive Ausweitung der Produktion geplant
Um das angestrebte Gewinnwachstum zu realisieren, plant Airbus eine erhebliche Steigerung der monatlichen Ausstoßraten. Bei den besonders gefragten Schmalrumpfflugzeugen (Narrowbodies) der A320-Familie liegt das Ziel bei 70 bis 75 Maschinen pro Monat bis zum Jahr 2027. Derzeit wird die monatliche Produktion auf etwa 60 Einheiten beziffert. Auch bei den Langstreckenmaschinen drückt der Konzern aufs Tempo: Für den A350 wird eine Rate von 12 Flugzeugen pro Monat bis 2028 angestrebt, wobei sogar Kapazitäten für bis zu 20 Maschinen geprüft werden. Eine endgültige Entscheidung über die weitere Produktionserhöhung des A350 soll noch im laufenden Jahr fallen.
Zusätzlich prüft Airbus die Einführung verlängerter Varianten der Modelle A220 und A350, um auf die Marktanforderungen zu reagieren. Die operativen Fortschritte zeigten sich bereits in den Auslieferungszahlen des ersten Halbjahres, die im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15 Prozent zulegten. Für das Gesamtjahr 2026 hält der Konzern an seinem Ziel fest, insgesamt 870 Verkehrsflugzeuge an Kunden zu übergeben. Trotz der Kursgewinne notiert das Papier mit dem aktuellen Schlussstand noch immer etwa -9,82 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 55,00 Euro, das im Januar erreicht wurde.
Kontinuität in der Führung und technologische Innovation
Parallel zu den Finanzzielen gab es Signale für personelle Kontinuität an der Konzernspitze. CEO Guillaume Faury, dessen aktueller Vertrag bis 2028 läuft, deutete seine Bereitschaft an, dem Unternehmen auch darüber hinaus erhalten zu bleiben. Flankiert wird die Führung künftig von Amparo Moraleda, die als nächste Vorsitzende des Verwaltungsrats benannt wurde.
Auf technologischer Ebene treibt Airbus Projekte zur Dekarbonisierung voran. Im Rahmen des Programms „Wing of Tomorrow“ startete das Unternehmen Flugtests für großflächige Flügelstrukturen an einem A321neo, wobei erstmals auch eine klappbare Flügelspitze im Flug erprobt wird. Zudem wird mit dem Projekt LEIA die Integration von hybrid-elektrischen Antriebsarchitekturen forciert, deren Bodendemonstration für das Jahr 2027 geplant ist. Auch der kommerzielle Erfolg setzt sich fort: Am Rande der Farnborough Airshow bestätigte BermudAir eine Bestellung über 10 Maschinen des Typs A220-300, wodurch der Auftragsbestand für dieses Modell Ende Juni auf über 1.100 Flugzeuge anwuchs.
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