Airbus hat seinen Vorstoß zur Reduzierung von Homeoffice-Tagen nach Protesten der Belegschaft in Spanien abgeschwächt. Manager dürfen bestehende Vereinbarungen mit zwei Tagen Heimarbeit pro Woche weiterhin zulassen, wie Reuters berichtet. Die ursprünglich strengere Grenze von nur einem Tag Homeoffice wird damit vorerst ausgesetzt. Airbus betonte zugleich, die Flugzeugproduktion sei von den Protesten nicht beeinträchtigt worden.
Der Rückzieher markiert einen weiteren Schritt in einem seit Monaten schwelenden Konflikt um Präsenzpflichten am Konzernsitz und in den spanischen Werken. Für Anleger ist die Personalfrage vor allem deshalb relevant, weil Airbus mitten in einer ambitionierten Produktionshochlaufphase steckt, die reibungslose Abläufe in Fertigung und Verwaltung voraussetzt.
Lieferungen laufen, Ziel bleibt ambitioniert
Operativ zeigt sich der Flugzeugbauer auf Kurs: Im Juli wurden 67 Maschinen ausgeliefert, was die Jahressumme auf 418 Flugzeuge hievt. Das Unternehmen hält an seinem Ziel fest, 2026 rund 870 Verkehrsflugzeuge auszuliefern.
Der Auftragsbestand lag zum Ende des ersten Halbjahres bei 9.222 Flugzeugen, gestützt von Bruttoaufträgen über 886 und Nettobestellungen von 821 Maschinen im ersten Halbjahr.
Parallel treibt Airbus den Ausbau seiner Infrastruktur voran. In Belfast hat der Konzern mit dem Bau einer gut 6.200 Quadratmeter großen Erweiterung der Flügelfertigung begonnen, die den Hochlauf der A220-Produktion absichern soll. Die Fertigstellung ist für die erste Jahreshälfte 2028 vorgesehen – ein Signal dafür, dass Airbus seine Kapazitäten langfristig plant, trotz der aktuellen Reibungspunkte bei der Arbeitsorganisation.
A350F-Erstflug rückt näher
Beim Frachterprogramm A350F peilt Airbus laut Reuters den Erstflug für Ende September an, wobei sich der Termin auch bis Anfang Oktober verschieben könnte. Der Konzern selbst verwies lediglich auf seine zuletzt bestätigte Prognose eines Jungfernflugs vor Jahresende 2026 sowie einer ersten Auslieferung in der zweiten Jahreshälfte 2027. Das Frachterprogramm gilt als wichtiger Wachstumstreiber im zivilen Geschäft.
Im Verteidigungs- und Raumfahrtbereich kann Airbus ebenfalls Fortschritte vermelden: Die Sparte Defence and Space wurde vom spanischen Betreiber Hisdesat zum Hauptauftragnehmer für den Satelliten SpainSat NG-III bestimmt. Zudem lieferte Airbus Helicopters den ersten NH90-Transporthubschrauber der Standard-2-Version für Spezialoperationen an die französische Beschaffungsbehörde DGA aus.
Aktie unter Druck, operatives Bild intakt
An der Börse zeigte sich die Aktie zuletzt schwächer: Am Freitag schloss das Papier bei 203,50 Euro, ein Rückgang von 0,7 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht steht ein Minus von 4,9 Prozent zu Buche, womit sich der Titel spürbar vom 52-Wochen-Hoch bei 221,25 Euro vom 13. Januar entfernt hat – der Abstand beträgt 8,0 Prozent.
Gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt von 191,88 Euro notiert die Aktie dennoch weiterhin höher, ein Zeichen dafür, dass der übergeordnete Aufwärtstrend trotz der jüngsten Schwäche nicht gebrochen ist.
Für Anleger bleibt Airbus damit ein Konzern mit intakter operativer Substanz, dessen Aktie derzeit unter kurzfristigem Verkaufsdruck steht. Die interne Personaldebatte und die Unsicherheit um den exakten A350F-Termin liefern Diskussionsstoff, ändern aber wenig am fundamentalen Bild eines Herstellers mit prallem Auftragsbuch und wachsenden Lieferzahlen.
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