Airbus hat eine der wichtigsten Wochen des Jahres hinter sich. Die Farnborough Airshow brachte eine neue Gewinnperspektive, ein milliardenschweres Rückkaufprogramm und einen möglichen Angriff auf Boeings Langstrecken-Dominanz.
Airbus verdoppelt seine Gewinnambitionen
Der Kern der Woche: ein neuer Mittelfristplan. Airbus peilt für 2029 einen Kerngewinn von 12 bis 13 Milliarden Euro an. Das liegt deutlich über den 7,13 Milliarden Euro aus dem Vorjahr und auch über dem eigenen Ziel von 7,5 Milliarden Euro für 2026.
Zur Finanzierung der Wachstumsstory legt Airbus ein Aktienrückkaufprogramm über 5 Milliarden Euro auf. Die Ankündigung kam am Dienstagabend. Die Reaktion der Börse folgte prompt: Airbus-Aktien sprangen am Mittwoch um mehr als 7 Prozent nach oben — der stärkste Tagesgewinn seit dem 8. April.
Airbus-Chef Guillaume Faury sprach von „sehr starker“ Nachfrage und einem langen Auftragsbestand. Allein in dieser Woche verbuchte der Konzern nach eigenen Angaben Bestellungen im Wert von knapp 18 Milliarden Dollar.
A350-Streckung als Antwort auf Boeings 777X
Airbus-Manager Lars Wagner drängt intern auf eine Entscheidung noch in diesem Jahr: Soll die A350-Produktionsrate über das aktuelle Ziel hinaus steigen? Zusätzlich prüft der Konzern eine gestreckte Version der A350, die über die bisherige -1000-Variante hinausgeht.
Diese Streckung würde Airbus in direkte Konkurrenz zu Boeings 777X bringen. Der Rivale kämpft seit Jahren mit Verzögerungen bei diesem Programm.
Auch bei den Schmalrumpfjets denkt Airbus groß. Die monatliche Produktion soll bis 2027 von aktuell rund 60 auf 70 bis 75 Maschinen steigen. Offen bleibt allerdings die Triebwerksversorgung: Airbus verhandelt noch mit Pratt & Whitney über die Liefermengen ab 2027.
Boeing gewinnt das Bestellrennen, Airbus die Strategie
Bei der reinen Order-Zählung lag Boeing in Farnborough leicht vorn: 173 Bestellungen gegen 154 bei Airbus. Saudi-Arabiens Riyadh Air bestellte unterdessen Breitrumpfjets bei beiden Herstellern — Teil der Expansionspläne der Fluggesellschaft, die bis 2030 mehr als 100 Ziele anfliegen will.
Die Auslieferungen laufen ebenfalls besser als im Vorjahr. Nach einem schleppenden Start wegen Lieferketten- und Triebwerksproblemen zog Airbus im ersten Halbjahr deutlich an — die Übergaben legten um 15 Prozent zu.
Analysten sehen Rückenwind, aber offene Baustellen
Jefferies-Analystin Chloe Lemarie nannte die Präsentation solide, mahnte aber: Die Botschaft einer verbesserten Lieferkette müsse sich erst noch in echter Produktionsbeschleunigung zeigen. Deutsche-Bank-Analyst Christophe Menard bewertete vor allem das Timing des Rückkaufprogramms positiv, auch wenn manche Marktteilnehmer die neuen Ziele als konservativ einstuften.
Die Kursziele der Analysten spiegeln den insgesamt positiven Grundton wider. Im Schnitt liegt das Zwölf-Monats-Kursziel bei 219,32 Euro, die Spanne reicht von 175 bis 258 Euro. 18 Analysten empfehlen den Kauf, keiner rät zum Verkauf.
Am deutschen Handelsplatz notiert die Aktie zuletzt bei 50,50 Euro, nach einem Rückgang von 1,94 Prozent am Freitag. Über die vergangenen 30 Tage steht dennoch ein Plus von 5,65 Prozent zu Buche — ein Zeichen dafür, dass der Rückschlag zum Wochenschluss die Airshow-Rally bislang nicht ernsthaft in Frage stellt.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob Airbus die angekündigte Beschleunigung auch operativ liefert. Entscheidend dafür sind zwei Baustellen: der Hochlauf der Schmalrumpfproduktion auf 70 bis 75 Maschinen pro Monat bis 2027 und die Klärung der Triebwerksfrage mit Pratt & Whitney.
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