American International Group hat sich einer Belastungsprobe gestellt, die viele Beobachter im Vorfeld skeptisch machte: Der Rückenwind aus der Corebridge-Beteiligung ist weg, im Mai verkaufte AIG die letzten Anteile für rund 710 Millionen Dollar. Das Quartal, das am Donnerstagabend vorgelegt wurde, zeigt: Das operative Geschäft trägt allein.
Der bereinigte Gewinn je Aktie (AATI) kletterte auf 2,00 Dollar, ein Plus von 10 Prozent im Jahresvergleich und über den Analystenschätzungen von 1,94 Dollar. Der unbereinigte Gewinn je Aktie sank dagegen auf 1,78 Dollar, ein Rückgang von 10 Prozent — Ausdruck des fehlenden Corebridge-Effekts im Vorjahresvergleich. Die verdienten Nettoprämien im Sachversicherungsgeschäft stiegen um 9 Prozent auf 7,5 Milliarden Dollar, getragen von Wachstum in allen drei Geschäftssegmenten.
Underwriting als Stützpfeiler
Das versicherungstechnische Ergebnis legte um 10 Prozent auf 686 Millionen Dollar zu. Die Combined Ratio verbesserte sich auf 89,0 Prozent, die um Kalendereffekte bereinigte Kennziffer auf 88,1 Prozent — jeweils 30 Basispunkte besser als vor einem Jahr. Die Eigenkapitalrendite lag bei 9,4 Prozent, operativ bereinigt bei 11,1 Prozent.
Parallel dazu schüttete AIG 904 Millionen Dollar an die Aktionäre aus, aufgeteilt in Aktienrückkäufe und Dividenden. CEO Eric Andersen verwies auf ein Marktumfeld, das sich von breiter Preisdisziplin hin zu einer selektiveren Phase verschiebt — Profitabilität hänge zunehmend von einzelnen Sparten ab. Tatsächlich verlangsamte sich das Preiswachstum im US-Gewerbeversicherungsgeschäft zuletzt spürbar, ein Punkt, den Marktbeobachter im Vorfeld als Risiko für die Margen im Blick hatten.
Gespaltenes Analystenbild
Vor den Zahlen zeigte sich am Optionsmarkt ein klar bullisches Bild: Der Handel konzentrierte sich stark auf Calls am 84-Dollar-Strike mit Laufzeit August 2026, während die implizite Volatilität auf 27,59 Prozent anzog — ein typisches Zeichen für erwartete größere Kursausschläge nach der Vorlage.
Die Kursziele der Analysten liegen weit auseinander: Piper Sandler senkte sein Ziel im Zuge einer Abstufung auf 80 Dollar, während ein Fair-Value-Modell rund 99 Dollar ausweist. Diese Streuung spiegelt die Unsicherheit darüber, ob AIG das nachlassende Preiswachstum im Gewerbegeschäft durch striktes Underwriting kompensieren kann.
Minderheitsbeteiligungen an der Convex Group und an Onex Corporation sollen laut Unternehmensangaben zusätzliche Wachstumsimpulse liefern, sobald organisches Wachstum schwieriger wird. Ob das reicht, um die für 2025 gesteckten Investor-Day-Ziele zu erreichen, dürfte sich in den kommenden Quartalen an der Entwicklung der Combined Ratio ablesen lassen.
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