Rund 18 Prozent nach oben im nachbörslichen Handel. Agilent Technologies hat am Mittwochabend Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt, und die hatten es in sich: Non-GAAP EPS von 1,49 Dollar, 8 Cent über dem, was Analysten erwartet hatten. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum standen noch 1,31 Dollar in der Büchern. Umsatz von 1,83 Milliarden Dollar, gut 30 Millionen über Konsens, ein Plus von 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der eigentliche Treiber
Besonders auffällig war das Wachstum im Segment Life Sciences and Diagnostics Markets Group. 12 Prozent mehr Umsatz im Jahresvergleich, auf 732 Millionen Dollar. Wer Agilent bislang vor allem als Laborausrüster für die Chemiebranche kannte, sollte das zur Kenntnis nehmen. Der Konzern hat seine Abhängigkeit von einzelnen Endmärkten zuletzt spürbar verringert, und genau das zahlt sich gerade aus.
Die Kassenposition zum Quartalsende am 30. April: rund 1,8 Milliarden Dollar, annähernd identisch mit dem Stand vom 31. Oktober 2025. Kein Schuldenabbau, aber auch keine Erosion der Liquidität trotz der 950 Millionen Dollar schweren Übernahme von Biocare Medical.
Guidance angehoben, aber mit Maß
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Agilent nun einen Umsatz zwischen 7,39 und 7,49 Milliarden Dollar, der Mittelpunkt liegt damit 30 Basispunkte höher als zuvor. Non-GAAP EPS soll zwischen 6,00 und 6,10 Dollar landen, 8 Cent mehr als bislang in Aussicht gestellt. Für das dritte Quartal peilt das Unternehmen einen Umsatz von 1,83 bis 1,85 Milliarden Dollar an, EPS zwischen 1,48 und 1,50 Dollar, was ziemlich genau dem Konsens entspricht.
Keine Überraschung also für Q3, die Latte liegt exakt dort, wo der Markt sie erwartet hatte. Das ist solide, aber kein Grund für weitere Kurssprünge.
Agilent Technologies Aktie Chart
RBC sieht das schon länger so
RBC Capital Markets hatte schon vor den Zahlen, in einer Notiz vom 26. Mai, das Outperform-Rating bekräftigt und ein Kursziel von 153 Dollar gesetzt. Die Begründung: Agilent wächst organisch schneller als die Peer-Gruppe, 5,5 Prozent zwischen 2026 und 2028 gegenüber 4,5 Prozent im Branchendurchschnitt. Bewertet wird die Aktie demnach mit rund dem 18-fachen des Forward-EBITDA, einem Aufschlag gegenüber dem Median von etwa 16,5 mal.
Auf der Risikoseite hält RBC fest, dass Agilent konjunktursensibler ist als viele Wettbewerber, und dass 18 Prozent des Umsatzes aus China kommen. Wer das ignoriert, tut das auf eigene Rechnung.
Was bleibt
Starke Quartalszahlen, angehobene Jahresziele, ein Analyst mit Rückenwind. Agilent hat geliefert, was gefordert war, und ein bisschen mehr. Ob 8 Prozent nachbörslicher Anstieg am Ende des Tages hält, ist eine andere Frage. Aber dass der Konzern gerade besser läuft als viele gedacht hatten, lässt sich nach diesem Abend kaum noch bestreiten.
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