Ein Ergebnis, das auf den ersten Blick verblüfft: Affirm meldete für das vierte Fiskalquartal einen Gewinn je Aktie von 4,62 Dollar, obwohl Analysten nur mit 0,85 Dollar gerechnet hatten. Die Aktie reagierte prompt mit einem Kurssprung von rund neun Prozent. Wer genauer hinschaut, entdeckt allerdings einen Sondereffekt, der die Zahl deutlich aufbläht.
Ein Einmaleffekt sorgt für die Gewinn-Explosion
Der spektakuläre Ergebnissprung geht größtenteils auf die Auflösung einer Wertberichtigung auf latente Steueransprüche zurück — ein bilanzieller Einmaleffekt, der sich im nächsten Quartal nicht wiederholen wird. Das operative Geschäft liefert dagegen echte Substanz: Der Umsatz kletterte auf 1,17 Milliarden Dollar und übertraf die Erwartung von 1,11 Milliarden Dollar klar.
Das Bruttowarenvolumen erreichte 14,1 Milliarden Dollar, ein Plus von 36 Prozent zum Vorjahr und bereits das elfte Quartal in Folge mit einem Wachstum von über 30 Prozent.
Auch bei den Nutzerzahlen zeigt sich Dynamik: Die aktiven Kunden stiegen um 21 Prozent auf 27,8 Millionen, die Transaktionen je Nutzer legten um 20 Prozent zu. Affirm-Chef Max Levchin verwies gegenüber US-Medien zudem auf steigende Spritpreise in den USA, die Verbraucher stärker zur Ratenzahlung greifen ließen — ein Umfeld, das dem Geschäftsmodell des Buy-now-pay-later-Anbieters in die Karten spielt.
Analysten überbieten sich mit Kurszielen
Nach den Zahlen zogen mehrere Häuser ihre Kursziele deutlich nach oben. Piper Sandler hob sein Ziel von 103 auf 115 Dollar an, Bank of America von 93 auf 104 Dollar, Needham von 90 auf 100 Dollar. Insgesamt stehen 25 Kaufempfehlungen neun Halten-Voten gegenüber — eine Verkaufsempfehlung findet sich unter den erfassten Analysten nicht.
Für das laufende Fiskaljahr stellte das Management ein Bruttowarenvolumen von über 64 Milliarden Dollar in Aussicht, ein Wachstum von mehr als 27 Prozent gegenüber den rund 50 Milliarden Dollar des Vorjahres. Wachstumstreiber wie eine mögliche Bankenlizenz, das B2B-Kreditgeschäft, die Expansion nach Großbritannien und die Kartenpartnerschaft mit Fiserv sind in dieser Prognose noch gar nicht eingepreist.
Bewertung bleibt umstritten
Bei einem Kurs von rund 84,50 Dollar liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der letzten zwölf Monate bei 13,4 — optisch günstig, aber durch den Steuereffekt verzerrt. Auf Basis der Gewinnschätzungen für die kommenden Quartale ergibt sich ein realistischeres Bild von 21,4. Modellbasierte Fair-Value-Schätzungen sehen die Aktie hingegen bereits um gut 20 Prozent überbewertet, während der Analystenkonsens noch Luft nach oben sieht.
Technisch gilt die Aktie kurzfristig als überkauft nach dem Kurssprung. Eine Konsolidierung in Richtung der Marke von 78 bis 80 Dollar würde nach der starken Bewegung nicht überraschen — das operative Bild bleibt davon unberührt.
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