Aerovironment übertrieben abgestraft: Jetzt auf Trendwende setzen?
Der Defense-Sektor hat in diesem Jahr mit ordentlich Gegenwind zu kämpfen. Besonders bei schlechten News wurde in Windeseile der Verkaufsknopf gesucht. Mit von der Partie war 2026 insbesondere das US-Defense-Unternehmen Aerovironment.
Der Drohnen-Spezialist hat seit Jahresbeginn gut ein Drittel an Wert eingebüßt und wer auf den langfristigen Chart schaut, sieht einen noch deutlicheren Kursverfall: Vom 52-Wochen-Hoch bei knapp 420 US-Dollar im Oktober vergangenen Jahres ist die Aktie inzwischen über 60% entfernt. Schaut man auf die Wachstumsraten und das Auftragsbuch, passt der Kurs-Einbruch so gar nicht zur operativen Entwicklung Unternehmen.
Darum verliert die AeroVironment-Aktie über 60%
Doch nichts geschieht an der Börse zufällig und die Gründe für den Absturz lassen sich klar benennen. Den ersten schweren Schlag setzte die US-Regierung Ende Januar dieses Jahres, als sie für das geheim eingestufte BADGER-Antennenprogramm im Rahmen eines milliardenschweren Vertrags mit der US Space Force eine sogenannten „Stop-Work-Order“ erließ.
Die Aktie verlor daraufhin an einem einzigen Tag knapp 16%, weil Investoren genau diesen Auftrag zuvor als gesicherten Wachstumstreiber eingepreist hatten.
Wenige Wochen später folgte mit den Zahlen zum dritten Geschäftsquartal der nächste Tiefschlag: Der Umsatz verfehlte die Analystenschätzungen um hohe 14%, zusätzlich musste das Unternehmen wegen des gestoppten Programms eine Firmenwert-Abschreibung von 151,3 Mio. Dollar vornehmen, sodass sich ein Nettoverlust von 156,6 Mio. Dollar anhäufte.
Und als wenn das noch nicht genug wäre, kam Anfang Juni die Ankündigung hinzu, dass der Finanzchef Kevin McDonnell das Unternehmen Ende Juli verlässt. Wenn in einer ohnehin angespannten Phase ein Finanzchefwechsel bekannt gegeben wird, verstärkt das die Unsicherheit darüber, wie es operativ läuft enorm und Investoren stellen sich die Frage, ob es nicht noch weitere bislang unbekannte Probleme gibt.
Große Hoffnungen auf ein starkes viertes Quartal (Geschäftsjahresende ist der 30. April) sollten Anleger vor diesem Hintergrund nicht haben.
AeroVironment Aktie Chart
Switchblade-Familie als Zugpferd
Aus meiner Sicht wird bei Aerovironment jedoch inzwischen sehr viel Pessimismus eingepreist, vielleicht zu viel. Die Verkettung schlechter Nachrichten überzeichnet das starke Geschäftsmodell des Unternehmens im Zukunftsmarkt Drohnen. Das eigentliche Rückgrat von Aerovironment, die Drohnen-Sparte rund um die Switchblade-Familie, läuft operativ unverändert auf Hochtouren.
So bestellte erst vor wenigen Monaten die US-Armee für 186 Mio. Dollar erstmals die neue Switchblade-600-Block-2 und Switchblade-300-Block-20-Generation. Im Mai erhielt Aerovironment dann zusätzlich noch den Lieferauftrag für die Switchblade 400 von der US-Armee und seit diesem Monat laufen beim US Marine Corps im Rahmen von „Organic Precision Fires-Light“ die ersten scharfen Auslieferungen der Switchblade 300. Von klein bis groß wird also in den USA die komplette Switchblade-Familie nachgefragt.
Taiwan-Kooperation mit viel Potenzial
Auch auf internationaler Ebene ist mit weiter zunehmenden Geschäft zu rechnen. Vor knapp 2 Wochen unterzeichnete das Unternehmen eine Absichtserklärung mit dem taiwanischen Hersteller Ubiqconn, einem Anbieter robuster Steuerungs- und Industrierechner-Lösungen.
Ziel ist es, Aerovironments Tomahawk Common Control Ecosystem und die hauseigene Kinesis-Missionssoftware mit Ubiqconns Hardware zu einer gemeinsamen Steuerungsplattform für Taiwans Verteidigungsministerium zu verschmelzen. Dabei geht es um das selbstentwickelte Drohnenprogramm der Insel, das die Beschaffung von zehntausenden im Inland produzierter Drohnen vorsieht. Taiwan will bei der Drohnenbeschaffung nicht auf das Ausland angewiesen sein, was mit Blick auf die geopolitische Lage verständlich ist.
Zweistelliges Wachstum bis 2029 – durchschnittliches Kursziel doppelt so hoch wie Börsenkurs
Während sich also die Aerovironment-Schlagzeilen um viele Negativ-Meldungen drehen, sichert sich das Unternehmen parallel dazu Zugang zu einem der geopolitisch sensibelsten und am schnellsten wachsenden Rüstungsmärkte. Und man darf nicht übersehen, dass der Umsatz im dritten Quartal trotz der Enttäuschung beim Ausblick um 143% gegenüber dem Vorjahr auf 408 Mio. Dollar anstieg.
Auch der Vergleich mit den Wachstumsraten der Branche unterstreicht die Diskrepanz: Analysten rechnen für Aerovironment in den kommenden drei Jahren im Schnitt mit 16% Umsatzwachstum pro Jahr, gegenüber rund 8,7% für die US-Luft- und Verteidigungsindustrie. Für das am 30.04 beendete Jahr wir mit einem Gewinnsprung von 94% gerechnet.
Das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt trotz aller Skepsis weiterhin bei rund 300 Dollar – in etwa 100% über dem aktuellen Börsenpreis.
AeroVironment Aktie Chart
Aktie mit großen Chancen – aber auch höherem Risiko
Im fragilen Börsenumfeld ist es fraglich, ob Aerovironment vor einer Trendwende steht. Nächste Woche kommen die Jahresendergebnisse und der kürzliche Rücktritt des Finanzchefs lässt nichts Gutes erahnen. Vorstellbar, dass eine Enttäuschung weiteres Investorenvertrauen kosten wird und die Aktie noch einmal unter Druck gerät.
Doch den Blick nach vorne gerichtet, gibt es Vieles, was einem Investor auf dem aktuellen Bewertungsniveau gefallen sollte.
Die Substanz des Drohnen- und Munitionsgeschäfts ist nicht dauerhaft beschädigt und die Branche wird bis auf weiteres hohe Wachstumsraten aufweisen. Die moderne Kriegsführung wird von autonomen Drohnen bestimmt sein und Aerovironment zählt zu den Unternehmen, die davon stark profitieren.
Die aktuelle Kursschwäche kann also durch aus eine attraktive antizyklische Chance darstellen.
AeroVironment-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue AeroVironment-Analyse vom 25. Juni liefert die Antwort:
Die neusten AeroVironment-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für AeroVironment-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 25. Juni erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
