Mit dem Start von Premiere für Android versucht Adobe, seine Reichweite im Markt für mobile Videoerstellung auszubauen. Seit gestern steht die Anwendung im Google Play Store zum kostenlosen Download bereit. Die Veröffentlichung erfolgt rund ein Jahr nach der Einführung der iOS-Version und soll vor allem Video-Creator auf Smartphones ansprechen.
Mobile Expansion mit KI-Funktionen
Die Anwendung bringt grundlegende Schnittfunktionen wie Mehrspur-Bearbeitung, automatische Untertitel und Audio-Optimierung auf mobile Geräte. Zudem integriert das Unternehmen Werkzeuge der Firefly-KI für Videoerzeugung und Soundeffekte.
Während der Basisschnitt ohne Gebühren nutzbar ist, setzt Adobe für erweiterte KI-Werkzeuge und Cloud-Speicher auf Bezahlmodelle. Nutzer benötigen dafür ein Creative-Cloud-Abonnement oder einen separaten KI-Tarif für 8 US-Dollar im Monat.
Das Angebot zielt insbesondere auf Anwender ab, die Inhalte direkt auf dem Smartphone produzieren und veröffentlichen. Diksha Kuhar, Director of Product Marketing für Premiere bei Adobe, verweist in diesem Zusammenhang auf Creator in Märkten wie Indien und Brasilien, die vollständig auf mobile Arbeitsabläufe setzen.
Über eine Partnerschaft mit YouTube ermöglicht die Software zudem den direkten Upload zu YouTube Shorts. Der bisherige mobile Editor Premiere Rush wird zum 30. September eingestellt.
Monetarisierung im Fokus der Anleger
Für den Softwarekonzern steht bei dieser Expansion vor allem die Umwandlung von Mobilnutzern in zahlende Kunden im Vordergrund. Der Quartalsbericht für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 verdeutlicht die Bedeutung der wiederkehrenden Erlöse.
Die Abonnementeinnahmen im Bereich Creative und Marketing Professionals kletterten im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 4,65 Milliarden US-Dollar. Im Segment für Geschäftskunden und Verbraucher stieg der Abo-Umsatz um 16 Prozent auf 1,91 Milliarden US-Dollar.
Am Markt dominieren dennoch anhaltende Zweifel an der langfristigen KI-Preissetzungsmacht gegenüber neuen Rivalen und großen Plattformbetreibern. Analyst Mark Palmer von Northland Capital betont, dass Adobe zwar über eine etablierte Marke und eine große Nutzerschaft verfüge. Entscheidend sei jedoch das Tempo, mit dem neue Erlösmodelle im Markt für generative Software greifen. Kurzfristig hält er Margendruck für unvermeidbar.
Im deutschen Handel markierte das Papier gestern einen Schlusskurs von 208,25 Euro, was einem Tagesverlust von 4,3 Prozent entspricht. Seit Jahresanfang beläuft sich das Minus der Aktie auf 31 Prozent. Zusätzliche Unruhe brachte der vor gut drei Wochen bekannt gegebene Wechsel an der Konzernspitze, seit dem das Papier um 9,2 Prozent nachgab.
Anil Chakravarthy übernimmt am 1. Dezember 2026 den Posten des President und CEO, während Shantanu Narayen im Verwaltungsrat verbleibt. Ob der Vorstoß in das mobile Segment das Vertrauen rasch wiederherstellen kann, hängt von den tatsächlichen Konversionsraten der neuen Nutzerschaft ab.
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