Ein kleines Team, ein KI-Codegenerator und ein kostenloser Nachbau der Creative Cloud: Die Meldung über ein Open-Source-Projekt namens ArtCraft hat bei HSBC zu einer Abstufung von Adobe geführt. Die Bank senkt das Votum von „Buy“ auf „Hold“ und das Kursziel auf 267 Dollar, zuvor waren es 310 Dollar.
Was ArtCraft angeblich liefert
Die Software soll Nachbauten von Photoshop, Illustrator, Premiere, Lightroom, Acrobat, After Effects und InDesign enthalten. Die Entwickler wollen binnen eines Monats volle Funktionsgleichheit mit Adobes Programmen erreichen. Entstanden sei das Projekt mit „Auto-Coding“, wobei die Firma nur aus wenigen Personen bestehen soll.
HSBC-Analyst Stephen Bersey ordnet das nüchtern ein. Beim Auto-Coding erhalte das Modell die volle Kontrolle, Code zu prüfen, zu schreiben und ohne menschliche Aufsicht zu übernehmen. Professionelles „Vibe Coding“ setze dagegen auf eine Partnerschaft, in der ein Mensch den Code prüft, bevor er freigegeben wird.
Die Bank sieht den Effekt vorerst vor allem bei Nutzern von Gratis- und Open-Source-Angeboten. Sie verweist auf Sicherheits-, Rechts- und Wartungsrisiken solcher Projekte sowie auf Zweifel an deren Fortbestand.
Ein Konzern unter Beobachtung
Die Aktie schloss zuletzt bei 238,14 Dollar und liegt seit Jahresbeginn fast 32 Prozent im Minus. Im vorbörslichen Handel gab sie weiter nach, auf rund 235 Dollar. Fundamental steht Adobe nicht schlecht da: Die Bruttomarge liegt bei 89 Prozent.
Im jüngsten Quartal übertraf der Konzern die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn. Das Wachstum der wiederkehrenden Jahreserlöse verlangsamte sich allerdings. Das Ziel von zehn Prozent für das Geschäftsjahr 2026 bekräftigte das Management. Wells Fargo verweist auf den steilen Anstieg, der dafür im vierten Quartal nötig wäre.
Das Analystenbild ist uneinheitlich:
- UBS hebt das Kursziel auf 255 Dollar, zuvor 225 Dollar
- Baird erhöht auf 250 Dollar, zuvor 230 Dollar
- Stifel bleibt bei „Hold“ und 225 Dollar
- Wells Fargo stuft auf „Underweight“ ab, Ziel 225 Dollar
Die Spanne zeigt, wie wenig Einigkeit über Adobes Wachstumspfad herrscht. Die Preise, bei denen die Skeptiker ansetzen, liegen teils unter dem aktuellen Kurs. HSBC bleibt mit 267 Dollar zwar darüber, nimmt dem Papier aber die Kaufempfehlung.
Rückenwind liefert immerhin das KI-Geschäft im Handel. Adobe erwartet in der anstehenden Weihnachtssaison einen Anstieg des KI-getriebenen Traffics auf Einzelhandelsseiten um 130 Prozent. Ob solche Zahlen den Druck durch Billig-Konkurrenz ausgleichen, dürfte sich ab dem nächsten Quartalsbericht an den Erlösen ablesen lassen.
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