Der US-Softwarekonzern Adobe baut seine Position im Bereich der generativen Künstlichen Intelligenz (KI) massiv aus, während das Unternehmen gleichzeitig einen bedeutenden Führungswechsel vorbereitet.
Am gestrigen Donnerstag gab Adobe die allgemeine Verfügbarkeit seiner Firefly-KI-Audiowerkzeuge für alle Creative-Cloud-Abonnenten bekannt. Die neuen Funktionen, darunter „Generate Music“, „Generate Speech“ und „Generate Sound Effects“, sollen kreative Arbeitsabläufe über verschiedene Programme hinweg beschleunigen und vereinfachen.
Produktinnovationen und Marktpositionierung
Neben den neuen Audio-Features hat Adobe am Montag ein vereinheitlichtes ChatGPT-Plugin eingeführt. Dieses integriert über 70 Kreativ- und Produktivitätswerkzeuge und ersetzt drei bisherige Anwendungen für Photoshop, Express und Acrobat Pro.
Zudem bestätigte das Unternehmen die Integration der KI-gestützten Video- und Bildoptimierungstechnologie von Topaz Labs in seine Firefly-Produktlinien. Diese technologische Aufrüstung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Aktie im deutschen Handel bei 234,95 Euro stabilisiert, nachdem sie seit Jahresbeginn einen Wertverlust von rund 22 Prozent verzeichnete.
Trotz der Innovationsgeschwindigkeit steht die operative Führung vor einer Zäsur. Berichten von BNP Paribas zufolge befindet sich Adobe derzeit in einer Übergangsphase, da der bevorstehende Abschied von CEO Shantanu Narayen und CFO Dan Durn bevorsteht. Das Ziel des Unternehmens ist es, die Nachfolge in der Führungsebene noch vor Beginn der Planungen für das Geschäftsjahr 2027 Ende Oktober zu regeln. Aktuell fungiert Steven Day als Interims-CFO.
Gespaltene Analystenlager und institutionelles Interesse
Die Expertenmeinungen zur weiteren Entwicklung von Adobe driften derzeit weit auseinander. Analysten von HSBC stuften die Aktie am gestrigen Donnerstag auf „Buy“ hoch und setzten ein Kursziel von 308,00 US-Dollar. Zur Begründung hießen sie die Widerstandsfähigkeit gegenüber der KI-Konkurrenz gut, die trotz allgemeiner Marktskepsis vorhanden sei.
Im Gegensatz dazu senkte Morgan Stanley das Rating am selben Tag auf „Underweight“ mit einem Kursziel von 240,00 US-Dollar. Die Analysten dort befürchten, dass Adobes „Freemium“-Strategie und Störungen durch generative KI die Erholung der wiederkehrenden Umsätze verzögern könnten.
Weitere Einschätzungen kamen am gestrigen Handelstag von CLSA, die eine Beobachtung mit „Outperform“ und einem Ziel von 300,00 US-Dollar begannen, während Stifel das Kursziel auf 200,00 US-Dollar kürzte. Während die Analysten streiten, zeigen sich große institutionelle Investoren kaufbereit.
Medienberichten zufolge hat die Bank of New York Mellon Corp heute eine neue Position im Umfang von etwa 4,66 Millionen Aktien offengelegt. Auch Tejara Capital meldete heute den Aufbau einer neuen Position, was das Vertrauen einiger Großanleger in die langfristige Strategie unterstreicht.
Rechtliche Herausforderungen und Ausblick auf die Quartalszahlen
Überschattet wird der technologische Fortschritt von rechtlichen Auseinandersetzungen. Eine Klage des US-Justizministeriums nach einer Empfehlung der FTC ist weiterhin anhängig. Adobe und zwei Führungskräften wird vorgeworfen, Verbraucher über versteckte Gebühren bei der Kündigung von Abonnements getäuscht zu haben.
Parallel dazu wurden am 14. August in Kalifornien Sammelklagen von Aktionären eingereicht. Diese werfen dem Management vor, durch KI-Entwicklungsstrategien, die angeblich Urheberrechte verletzen, hohe Haftungsrisiken für das Unternehmen geschaffen zu haben.
Anleger blicken nun gespannt auf den 10. September, wenn Adobe seine Ergebnisse für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 vorlegen wird. Der Marktkonsens erwartet einen Umsatz von 6,7 Milliarden US-Dollar sowie einen bereinigten Gewinn pro Aktie von 6,08 US-Dollar.
Das Papier notiert derzeit etwa 25 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch, das im September des vergangenen Jahres erreicht wurde. Die kommenden Zahlen dürften Aufschluss darüber geben, ob die Monetarisierung der neuen KI-Funktionen bereits Früchte trägt oder ob die von einigen Analysten befürchteten Verzögerungen eintreten.
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