Adidas hat im dritten Quartal den höchsten operativen Gewinn seiner Geschichte erzielt. Ein Teil davon stammt allerdings nicht aus dem laufenden Geschäft, sondern aus einer Erstattung zu viel gezahlter US-Zölle. Die Aktie notiert bei rund 167 Euro, Anfang Oktober lag sie noch unter 140 Euro.
Starkes Quartal, geliehene Marge
Der Umsatz stieg um 9 Prozent auf gut 7,25 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 7 Prozent. Das Betriebsergebnis sprang um 37 Prozent auf 1,008 Milliarden Euro, die operative Marge legte auf 13,9 Prozent zu. Unter dem Strich blieben 711 Millionen Euro.
Rund 200 Millionen Euro des Ergebnisses gehen auf die Zollerstattung zurück. Sie stützt die Bruttomarge von 54,3 Prozent, hat aber mit dem Tagesgeschäft wenig zu tun. Für das Gesamtjahr peilt der Konzern nun ein Betriebsergebnis von rund 2,5 Milliarden Euro an, zuvor waren es 2,3 Milliarden. Etwa 100 Millionen Euro will Adidas im Schlussquartal in Kostensenkungen und Rückstellungen stecken, um die Kostenbasis 2027 zu drücken.
Das Umsatzziel bleibt bei einem währungsbereinigten Plus von 9 bis 10 Prozent.
Europa und Lifestyle bremsen
Die Unterschiede zwischen den Segmenten sind groß. Bekleidung wuchs um 19 Prozent, Laufschuhe um 19 Prozent, Greater China um 13 Prozent. Das Schuhgeschäft insgesamt trat dagegen auf der Stelle, vor allem wegen schwacher Lifestyle-Modelle. In Europa sank der Umsatz um 4 Prozent, weil der Handel bei Lagerbeständen vorsichtig bleibt.
Die eigenen Kanäle zeigen ein anderes Bild: Das Direktgeschäft legte in Europa um 7 Prozent zu. Die Schwäche sitzt also im Großhandel, nicht bei der Nachfrage der Endkunden. CEO Gulden stellt für das vierte Quartal ein Wachstum im hohen einstelligen Bereich in Aussicht, auch in Europa.
Charttechnik und Kursziele
Die Aktie hat erstmals seit Mitte August wieder 165 Euro erreicht und liegt klar über dem 200-Tage-Durchschnitt, an dem sie seit dem Kurseinbruch Ende Juli mehrfach gescheitert war. Bei 180 Euro wartet der nächste markante Widerstand. Nach dem schnellen Anstieg wäre eine Verschnaufpause nicht ungewöhnlich.
Das Analystenbild ist breit gefächert:
- Bank of America: 176 Euro
- Jefferies: 200 Euro
- RBC: 210 Euro
- J.P. Morgan: 230 Euro
- Bernstein: 245 Euro
Bernstein stützt seine Einschätzung auch mit einer Verbraucherumfrage. Danach wollen in China 56 Prozent der Befragten 2027 mehr für Sportbekleidung ausgeben, in Deutschland 28 Prozent. Adidas schneidet dort im Heimatmarkt besonders stark ab.
Für 2027 stellt das Management ein Umsatzplus im hohen einstelligen Bereich und eine operative Marge von rund 10 Prozent in Aussicht. Gelingt es, diese Marge ohne Sondereffekte zu erreichen, wäre die Zollerstattung nur eine Fußnote. Hält die Aktie dagegen an der 180-Euro-Marke nicht, bleibt der 200er-Durchschnitt die nächste Unterstützung.
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