Adidas Aktie: JPMorgan bestätigt 230-Euro-Ziel

JPMorgan sieht Adidas durch Nikes Probleme im Vorteil und bestätigt Kursziel von 230 Euro. Marktanteile steigen, WM-Geschäft beflügelt.

Auf einen Blick:
  • JPMorgan bestätigt Overweight-Einstufung
  • Nike-Schwäche öffnet Marktfenster
  • Adidas-Marktanteil steigt auf 19,2 Prozent
  • WM-Geschäft bringt Millionenbestellungen

JPMorgan hat seine positive Einschätzung zu Adidas bekräftigt und die Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 230 Euro bestätigt. Analystin Wendy Liu begründet ihre Position mit der schleppenden Erholung des US-Konkurrenten Nike, die Adidas und dem Schweizer Rivalen On ein längeres Zeitfenster verschafft, um weitere Marktanteile zu gewinnen. Liu verweist auf eine solide Markendynamik bei Adidas, getrieben durch Produktinnovation und regionale Wachstumschancen, die dem Unternehmen über mehrere Jahre Rückenwind geben dürfte.

Nike-Schwäche verschafft Adidas mehr Zeit

Wie sehr Adidas derzeit von der Krise des größten Konkurrenten profitiert, zeigt sich rund um das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Im Finale zwischen Argentinien und Spanien liefen beide Teams in Adidas-Trikots auf, Nike war ohne eigenen Finalisten. Adidas stattet insgesamt 14 Nationalmannschaften aus, Nike zwölf. Morningstar-Analyst David Swartz sieht darin für Nike ein Nebenproblem verglichen mit gewichtigeren Baustellen wie Schuhinnovation, Bestandskontrolle und der Stabilisierung des China-Geschäfts. Die Nike-Aktie hat im laufenden Jahr rund ein Drittel an Wert verloren, während Konzernchef Elliott Hill Gegenwind für die Erholungsstrategie signalisiert hat.

Marktanteile wachsen deutlich

Die Zahlen unterstreichen den Trend: Adidas hat seinen Marktanteil im Schuhsegment im Juni auf 19,2 Prozent gesteigert, ein Jahr zuvor lag er noch bei 16,0 Prozent. Parallel dazu gehen im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft Produktbestellungen von rund 250 Millionen Euro pro Quartal bei Adidas ein. Der Turniereffekt gilt als einer der Katalysatoren, die das Unternehmen im laufenden Jahr stützen.

Solide Geschäftszahlen als Fundament

Die operative Basis dafür hat Adidas bereits im ersten Quartal gelegt: Der Umsatz stieg währungsbereinigt um 14 Prozent auf 6,59 Milliarden Euro, der Gewinn je Aktie erreichte 2,72 Euro und übertraf damit den Konsens von 2,66 Euro. Für das Gesamtjahr 2025 hatte Adidas ein EBIT von 2,06 Milliarden Euro erzielt und damit die eigene Guidance von 1,70 bis 1,80 Milliarden Euro klar übertroffen. Für 2026 strebt der Konzern ein operatives Ergebnis von 2,3 Milliarden Euro an. Vorstandschef Bjørn Gulden, dessen Vertrag bis 2030 verlängert wurde, treibt zudem Kapitalrückgaben voran: Ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu einer Milliarde Euro läuft, die Dividende wurde um 40 Prozent auf 2,80 Euro angehoben.

Neben JPMorgans Kursziel von 230 Euro sehen auch RBC (Outperform, 210 Euro) und Morgan Stanley (Overweight, 215 Euro) weiteres Potenzial. Im Mittel liegt das Kursziel der Analysten bei 205,76 Euro. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis soll den Schätzungen zufolge von 18,54 für 2026 auf 12,73 für 2028 sinken, was auf steigende Gewinnerwartungen hindeutet. Auf Risikoseite stehen US-Zölle, die 2026 mit rund 400 Millionen Euro belasten sollen, um 14 Prozent gestiegene Lagerbestände sowie der ab 2027 an Nike verlorene Ausrüstervertrag mit dem DFB. Die nächsten Quartalszahlen legt Adidas am 30. Juli 2026 vor.

Kursverlauf und Bewertung

An der Börse notiert die Adidas-Aktie aktuell bei 181,85 Euro und legt damit um 0,47 Prozent zu. Auf Monatssicht steht ein Plus von 5,54 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn summiert sich der Zuwachs auf 7,57 Prozent. Der Titel handelt damit gut 7,7 Prozent über seinem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 168,81 Euro, was den kurzfristigen Aufwärtstrend bestätigt. Zum 52-Wochen-Hoch von 206,50 Euro, erreicht im Juli 2025, fehlen der Aktie aktuell noch knapp zwölf Prozent. Gemessen an JPMorgans Kursziel von 230 Euro und dem aktuellen Kursniveau ergäbe sich rechnerisch noch deutliches Aufwärtspotenzial – ein Umstand, der die Einstufung „Overweight“ untermauert.

Dass sich das grundsätzliche Konsumklima für Modeartikel eintrübt, zeigt eine Umfrage von Innofact im Auftrag von GermanFashion aus dem April 2026: 40 Prozent der Befragten informieren sich demnach nicht mehr aktiv über Mode, 2022 waren es noch 29 Prozent. Zudem geben 52 Prozent an, beim Bekleidungskauf zu sparen. Für einen etablierten Sportartikelhersteller mit starker Markenbindung wie Adidas dürfte dieser Gegenwind angesichts der aktuellen Wachstumsdynamik durch Weltmeisterschaft und Marktanteilsgewinne zunächst zweitrangig bleiben.

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