Adidas-Aktien legen an diesem Montag um 3,71 Prozent auf 165,05 Euro zu. Damit setzt sich eine Gegenbewegung fort, die auf einen heftigen Kursrutsch nach den Quartalszahlen folgte. Der Kern des Problems: Adidas verdient deutlich weniger, obwohl der Konzern mehr verkauft.
Die Erlöse kletterten um 14 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Der starke Umsatzanstieg war aber teuer erkauft. Die operative Marge fiel von 9,2 auf 8,5 Prozent, das Betriebsergebnis wuchs nur um 5 Prozent auf 574 Millionen Euro.
Das verfehlte Gewinnziel, nicht die Umsatzentwicklung, löste den Ausverkauf aus. Die Aktie brach zeitweise um fast 20 Prozent ein. Bis zum 52-Wochen-Hoch bei 196,50 Euro fehlen der Aktie inzwischen gut 16 Prozent.
Die entscheidende Frage
Für Anleger geht es jetzt um eine zentrale Unterscheidung: War der Margeneinbruch ein einmaliger, durch die Fußball-WM ausgelöster Kostenschub? Oder markiert er den Anfang eines strukturellen Problems mit Sponsoring- und Marketingausgaben?
Die Antwort dürfte sich im dritten Quartal zeigen. Gehen die operativen Kosten dann tatsächlich zurück, wie es mehrere Analysten erwarten? Oder hält der Margendruck an? Charttechnisch bildet die Zone um den 50-Tage-Durchschnitt bei 174,34 Euro eine erste Bewährungsprobe für die aktuelle Erholung.
Bullisches Szenario
Mehrere Analystenhäuser stufen die Verkaufswelle als übertrieben ein. Die DZ Bank sieht einen fairen Wert von 215 Euro und rät zum Kauf. Die Reaktion des Marktes hält das Institut für eine Fehleinschätzung, die sich als Einstiegsgelegenheit nutzen lasse.
Jefferies bleibt bei der Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 205 Euro. RBC bestätigt die Einstufung Outperform, senkt das Kursziel zwar von 210 auf 200 Euro. Die Bank hält die scharfe Reaktion an der Börse dennoch für überzogen. Die Marke sei in guter Form, die Qualität des Umsatzwachstums stehe außer Frage.
Hinzu kommt ein Signal aus dem eigenen Haus. Vorstandschef Bjørn Gulden kaufte am 31. Juli über Xetra Adidas-Aktien für rund 508.000 Euro, im Schnitt zu 158,93 Euro je Papier. Beobachter werten einen solchen Insiderkauf kurz nach dem Ausverkauf häufig als Vertrauenssignal.
Als weiterer möglicher Rückenwind gelten Zollrückerstattungen von 250 bis 300 Millionen US-Dollar. Sie könnten im weiteren Jahresverlauf zusätzlich entlasten. Vom 52-Wochen-Tief bei 130,20 Euro hat sich die Aktie bereits um mehr als ein Viertel gelöst.
Bärisches Szenario
Dagegen steht eine skeptischere Lesart. Sie deutet den Margenschock nicht als Einmaleffekt, sondern als Vorbote eines strukturellen Problems.
Berenberg positioniert sich vorsichtiger, mit einer Halteempfehlung und einem Kursziel von 190 Euro. Die Bilanz des Quartals falle gemischt aus. Der niedrige Kurs allein reiche als Kaufargument nicht aus. Entscheidend sei die Konsumstimmung, die sich erst aufhellen müsse.
Auch aus Marktkommentaren kommt ein struktureller Einwand: teure Ausrüsterdeals im Sportsponsoring, sogenannte „Selbstschädigungsverträge“. Sie rechnen sich bei schwächerer Nachfrage nur schwer. Die Gefahr: Sponsoringkosten schaukeln sich weiter auf, während der Konsum unter Druck bleibt.
Charttechnisch bleibt die Lage fragil. Eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von 47 Prozent zeigt, wie nervös der Markt die Aktie derzeit handelt. Ein Rückfall unter die jüngsten Unterstützungszonen könnte die Erholung schnell wieder infrage stellen. Ein Teil der Marktteilnehmer liest den Kursrutsch nicht als Übertreibung, sondern als Beginn einer längeren Korrekturphase.
Ausblick
Zwei Bedingungen entscheiden über den weiteren Weg. Gehen die operativen Kosten im dritten Quartal tatsächlich zurück? Bestätigen sich die erwarteten Entlastungseffekte, etwa durch Zollrückerstattungen?
Treffen beide Punkte zu, spricht mehr für eine Fortsetzung der Stabilisierung in Richtung des 50-Tage-Durchschnitts und darüber hinaus. Bleibt der Margendruck dagegen bestehen oder verschlechtert sich die Konsumstimmung weiter, dürfte die Aktie erneut in Richtung der jüngsten Tiefs unter 150 Euro tendieren.
Der nächste konkrete Prüfstein liegt im dritten Quartal 2026. Dann muss sich zeigen, ob die Kostenbasis nach dem WM-bedingten Ausgabenschub tatsächlich spürbar sinkt. Sowohl optimistische als auch vorsichtige Analystenstimmen stützen ihre These auf genau dieses Signal.
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