Adidas setzt sein Aktienrückkaufprogramm unbeirrt fort. Bis zum 12. August hat der Konzern im Rahmen der zweiten Tranche insgesamt 2.948.323 Aktien zurückerworben, wie aus einer am Montag veröffentlichten Kapitalmarktinformation hervorgeht.
Allein an den drei letzten Handelstagen jener Woche kaufte Adidas über die Börse Xetra 76.567, 78.480 und 240.596 Aktien zu Durchschnittskursen von 166,50, 163,76 und 159,92 Euro. Für mich ist genau dieser Fallwert die eigentliche Geschichte hinter der Meldung: Adidas kauft in einen Markt hinein, der dem Papier gerade sichtbar davonläuft.
Ein Rückkauf, der mit dem Kurs nicht Schritt hält
Wer die Kaufkurse der einzelnen Tage nebeneinanderlegt, erkennt ein Muster, das sich kaum wegdiskutieren lässt: Der Konzern zahlte an jedem der drei genannten Tage weniger für seine eigenen Aktien als am Tag zuvor. Ein Rückkaufprogramm soll normalerweise Vertrauen signalisieren und den Kurs stützen.
Hier aber wirkt es wie ein Versuch, gegen eine fallende Bewegung anzuarbeiten, die sich zuletzt noch beschleunigt hat – der Schlusskurs von Montag lag bei 151,95 Euro, nach einem Tagesverlust von 3,9 Prozent.
Das Programm läuft weiter, unabhängig vom Kursniveau. Genau das ist aus meiner Sicht bemerkenswert: Ein Unternehmen, das mechanisch zurückkauft, während das Chartbild eine klare Abwärtsdynamik zeigt, kauft nicht opportunistisch günstig ein – es kauft diszipliniert, komme was wolle.
Ob das klug ist, hängt vom Blickwinkel ab. Bullische Anleger werden sagen: Je tiefer der Kurs fällt, desto mehr Aktien bekommt Adidas für dasselbe Kapital, und das stärkt langfristig den Wert je verbleibender Aktie.
Skeptiker werden einwenden, dass ein Management, das sein eigenes Kapital in einen fallenden Markt steckt, damit auch eingesteht, den kurzfristigen Trend nicht drehen zu können – sonst würde man möglicherweise pausieren und auf einen besseren Einstiegspunkt warten. Ich tendiere zur zweiten Lesart, ohne die erste völlig zu verwerfen.
Warum das Timing zu denken gibt
Bemerkenswert ist der Kontrast zum eigenen Chartverlauf: Adidas notiert rund ein Viertel unter seinem 52-Wochen-Hoch, das erst im Oktober erreicht wurde, und der jüngste Kursrutsch hat auch den gleitenden 50-Tage-Durchschnitt klar unterschritten. Ein Konzern, der in dieser Phase unbeirrt weiterkauft, trifft damit implizit die Aussage, dass die aktuelle Schwäche vorübergehend sei. Das ist eine Wette – und Wetten können aufgehen oder nicht.
Hinzu kommt ein Umfeld, das der Aktie ohnehin wenig Rückenwind gibt. Ein wallstreetONLINE-Bericht vom Montag beschreibt, wie die zuvor eingeleitete Erholung des Titels zu kippen droht – ohne dass dafür bislang harte operative Zahlen vorliegen, die diese Wende erklären würden.
Für mich unterstreicht das die Zweiteilung des aktuellen Bildes: Auf der einen Seite ein Management, das über das Rückkaufprogramm Stärke demonstrieren will. Auf der anderen Seite ein Kursverlauf, der diese Botschaft im Moment nicht goutiert.
Mein Fazit
Unterm Strich sehe ich das Rückkaufprogramm als Signal, das seine Wirkung derzeit verfehlt. Es mag mittelfristig sinnvoll sein, in Schwächephasen zu kaufen – die sinkenden Durchschnittskurse von Tag zu Tag sprechen sogar für eine gewisse Konsequenz statt Panik im Vorgehen.
Doch solange der Kurs unter dem eigenen 50-Tage-Schnitt verharrt und die Erholungserzählung ins Wanken gerät, bleibt die Diskrepanz zwischen Managementhandeln und Marktbewertung für mich der entscheidende Punkt.
Anleger sollten das Programm daher weniger als Kursgarantie lesen denn als das, was es ist: ein laufendes Kapitalinstrument, dessen Erfolg sich erst zeigt, wenn sich der Abwärtstrend tatsächlich stabilisiert.
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