Operatives Wachstum auf der einen Seite, ein arg gebeutelter Aktienkurs auf der anderen: Bei Adesso klafft die Schere zwischen Geschäftszahlen und Börsenbewertung derzeit weit auf. Während der IT-Dienstleister zuletzt deutliche Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis meldete, notiert die Aktie noch immer weit unter ihrem Stand vom Herbst. Am 14. August liefert Adesso mit dem Halbjahresbericht 2026 nun die nächste wichtige Momentaufnahme, an der sich zeigen soll, ob die für das laufende Jahr ausgegebene Prognose Bestand hat.
Starker Jahresauftakt als Referenzpunkt
Die Ausgangslage für den Bericht ist ordentlich. Im ersten Quartal 2026 steigerte Adesso den Umsatz um 13 Prozent auf 398,1 Millionen Euro, nach 351,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Noch deutlicher fiel der Ergebnissprung aus: Das EBITDA kletterte auf 27,0 Millionen Euro von 17,1 Millionen Euro, die EBITDA-Marge verbesserte sich auf 6,8 Prozent. Damit knüpfte das Unternehmen an das abgelaufene Geschäftsjahr an, in dem der Umsatz organisch um 14 Prozent auf 1,47 Milliarden Euro zulegte und das EBITDA um 30 Prozent auf 123,6 Millionen Euro stieg. Das Konzernergebnis nach Steuern kletterte von 4,2 Millionen Euro auf 17,5 Millionen Euro.
Für das Gesamtjahr 2026 hat Adesso einen Umsatz zwischen 1,6 und 1,7 Milliarden Euro sowie ein EBITDA zwischen 130 und 150 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Der Kapitalmarkt wertet den Halbjahresbericht als Prüfstein dafür, ob diese Marschroute Bestand hat – entsprechend dürfte der Blick der Anleger vor allem auf der Entwicklung im zweiten Quartal und einer möglichen Bestätigung der Jahresziele liegen.
Bewertung nährt Spekulationen
Parallel zu den soliden operativen Zahlen ist die fundamentale Bewertung von Adesso zuletzt in den Fokus gerückt. Nach eigener Einschätzung des Unternehmens liegt das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2026 bei etwa 15 – ein Niveau, das im Branchenvergleich als niedrig gilt. Medienberichten zufolge nährt genau diese historisch günstige Bewertung im Vergleich zum Wettbewerb Spekulationen, dass Adesso zu einem Übernahmekandidaten werden könnte. Konkrete Details zu einem möglichen Interessenten oder einer laufenden Transaktion gibt es bislang nicht, die Diskussion bleibt spekulativ.
Öffentlicher Sektor liefert Aufträge
Gestützt wird das Wachstum weiterhin durch den öffentlichen Sektor und Großkunden aus regulierten Branchen. Im Juli sicherte sich Adesso einen Auftrag der Netz Leipzig GmbH, einer Tochter der Leipziger Stadtwerke: Das Projekt umfasst die Migration auf SAP S/4HANA Utilities sowie den anschließenden IT-Betrieb über fünf Jahre, das Volumen bewegt sich im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Bereits im Juni hatte sich Adesso in einem Ausschreibungsverfahren der Deutschen Bundesbank für IT-Dienstleistungen durchgesetzt. Ende Juli veröffentlichte das Unternehmen zudem eine Studie zur Anwendungsmodernisierung, wonach 83 Prozent der befragten Unternehmen Modernisierungsbedarf bei ihren Altsystemen sehen – gleichzeitig aber 86 Prozent ihre Kernanwendungen fälschlicherweise für die kommenden fünf Jahre als gut aufgestellt einschätzen. Für Adesso als IT-Dienstleister unterstreicht das Ergebnis den eigenen Markt: Modernisierungsprojekte bleiben ein Wachstumsfeld. Ergänzt wurde die Aufstellung im Bereich künstlicher Intelligenz durch den „adesso digital day 2026“ im Juli, der sich um Agentic AI und produktivitätssteigernde KI-Agenten drehte.
Kursbild bleibt angespannt
An der Börse hat sich die Erholung zuletzt fortgesetzt, ohne die Verluste der vergangenen Monate auszugleichen. Die Aktie notiert aktuell bei 60,10 Euro und gibt am heutigen Donnerstag um 0,33 Prozent nach. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 13,40 Prozent, ein Zeichen dafür, dass sich die Stimmung zuletzt etwas gedreht hat. Zum 52-Wochen-Hoch von 104,00 Euro aus dem vergangenen September fehlen der Aktie aber weiterhin gut 42 Prozent – die Bewertungslücke, die die Übernahmespekulationen befeuert, bleibt damit erheblich. Nach dem Halbjahresbericht stehen für Adesso im September Auftritte auf der Commerzbank ODDO BHF Corporate Conference in Frankfurt und der German Corporate Conference von Berenberg und Goldman Sachs in München an – weitere Gelegenheiten, die Wachstumsstory bei institutionellen Investoren zu unterstreichen.
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